„Heavy on wire“? – Schwer auf Draht beim Grillen?

07.07.2016
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Beim unprofessionellen Grillen können krebsauslösende Stoffe entstehen: Das ist weithin bekannt und erforscht. Aber können beim Reinigen von Grillrosten mit Drahtbürsten deren Drahtborsten abbrechen oder ganz herausfallen? Ja, das könnte passieren. Und beim nächsten Grillfest würden diese alten, abgebrochenen Drahtborsten somit Verletzungsgefahren beim Einverleiben des Grillgutes heraufbeschwören?

US-Datenbank

Die HNO-Kollegin Tiffany Baugh et al. von der University of Missouri in Columbia/USA hatten eine Datenbank der US-Kommission für die Sicherheit von Konsumgütern nach Grillunfällen mit Drahtborsten durchsucht (Otolaryngology–Head and Neck Surgery, 2016; 645-649). Insgesamt 43 Fälle konnten in 13 Jahren eines Beobachtungszeitraums von 2002 bis einschl. 2014 gefunden werden. Mit welchen statistischen Methoden auch immer berechneten Baugh und Kollegen daraus eine geschätzte Prävalenz von landesweit insgesamt 1698 Borstenverletzungen.

Publikation

Doch schon der Titel macht stutzig: „Epidemiology of Wire-Bristle Grill Brush Injury“ publiziert, kann uns nur von ganzen 43 inzidenten Fällen berichten, die im „National Electronic Injury Surveillance System“ (NEISS) als „Drahtborsten-Grillbürsten-Verletzungen“ erfasst und aufgeführt wurden.

Drahtborsten-Grillbürsten-Verletzungen

In 13 Jahren (2002 zählt als Startjahr mit) wurden also bei ca. 330 Millionen Bewohnern der USA pro Jahr nur 3,3 Fälle von „Drahtborsten-Grillbürsten-Verletzungen“ (Bevölkerungs-Inzidenzrate 1:100 Millionen) dokumentiert. Dies hinderte das Autorenteam allerdings nicht daran, die wahrscheinliche Prävalenz auch noch mit einem Konfidenzintervall von 95 % auf 1.468 bis 1.927 Fälle zu extrapolieren [„extrapolated to an estimated 1698 (95 % confidence interval, 1468-1927) emergency department visits nationwide“].

Mögliche Fehlerquellen

Das lässt sich nur damit erklären, dass die HNO-Spezialisten von frisch drahtgebürsteten Grillrosten ausgehen, die nicht zusätzlich mit einem Tuch abgewischt werden und bei denen die Anwender das Grillgut dann trotzdem grundsätzlich direkt in die Glut legen, um sich die evtentuell dort hineingefallenen Drahtborstenbruchstücke zusätzlich mit einzuverleiben? Und die Grillroste blieben dabei vor erneuter Verschmutzung geschont? Oder man hätte dieselben nur nicht sorgfältig genug abgewischt?

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Ausblick

Das ist allerdings genauso dilettantisch-naiv, wie Haustiere, denen im Winter zu kalt geworden ist, in der Mikrowelle wieder aufwärmen zu wollen. Von daher gewinnen „Drahtborsten-Grillbürsten-Verletzungen“ eher vorsätzlich-selbstverletzende, psychiatrische, verhaltens- und anpassungsgestörte Aspekte. Eine Verortung derartiger Verletzungen und ihre Ursachenforschung ausgerechnet im Bereich der HNO-Heilkunde vornehmen zu wollen, scheint ebenso deplatziert wie intellektuell überfordernd.

 

Bildquelle: Grill-Feuerstelle, Chugach NP, Alaska und Grillrost Hope-Campground Kenai-Halbinsel, Alaska.   © Praxis Dr. Schätzler.

Bildquelle (Außenseite): Isaac Wedin, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 16.07.2016.

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Wie ich bereits vorsorglich geschrieben habe, ein "Beobachtungszeitraums von 2002 bis 2014" schließt "2002 als Startjahr mit" ein und endet am Ende des Jahres 2014. Und selbst wenn man es gerne anders rechne möchte, bleibt eine Inzidenz von plus/minus "3,3 Fälle von 'Drahtborsten-Grillbürsten-Verletzungen' (Bevölkerungs-Inzidenzrate 1:100 Millionen)" in den USA extrem niedrig. MfG
#3 am 15.07.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Christian Becker
Bis einschließlich 2014 wohl, dann sind es 13 Jahre. Vermutlich kommen die Drahtborsten dadurch ins Grillgut, dass sie auf dem Rost in Querstreben hängenbleiben. Das ist zumindest die einzige plausible Lösung für mich.
#2 am 15.07.2016 von Christian Becker (Gast)
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Gast
"Insgesamt 43 Fälle konnten in 13 Jahren eines Beobachtungszeitraums von 2002 bis 2014 gefunden werden. " Das wären dann aber 11 jahre??!
#1 am 14.07.2016 von Gast
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