Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln

27.06.2016
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Ernährungsexpertin Dr. Lea Borgi et al vom Brigham and Women‘s Hospital in Boston/USA schauten in drei großen Kohortenstudien nach der Hypertonie-Inzidenz von Kartoffelkonsumenten, um etwas publizieren zu können. Ihnen fiel aber nur ein allenfalls gering erhöhtes Hypertonierisiko bei hohem Kartoffelkonsum vorwiegend bei Frauen auf. Über die Ergebnisse wollten Sie aber gar nicht weiter nachdenken.

Auf Niederdeutsch sagt man „rin inne Kartübbeln, rut ut de Kartübbeln“ und im Englischen heißt es „It's ‚do this‘ one minute and ‚do that‘ the next“.


Die Publikation „Potato intake and incidence of hypertension: results from three prospective US cohort studies“ im British Medical Journal von Lea Borgi et al. ist ein gedankenlos zusammengerührter, ungenießbarer Kartoffelbrei.

[„Results - Compared with consumption of less than one serving a month, the random effects pooled hazard ratios for four or more servings a week were 1.11 (95% confidence interval 0.96 to 1.28; P for trend = 0.05) for baked, boiled, or mashed potatoes, 1.17 (1.07 to 1.27; P for trend = 0.001) for French fries, and 0.97 (0.87 to 1.08; P for trend = 0.98) for potato chips. In substitution analyses, replacing one serving a day of baked, boiled, or mashed potatoes with one serving a day of non-starchy vegetables was associated with decreased risk of hypertension (hazard ratio 0.93, 0.89 to 0.96)“].

Ergebnisse aus Rohdaten

Schlussfolgerungen bei diesen kruden Ergebnissen, nach denen „Kartoffelchips“ mit Salz-, Aromazusätzen und Konservierungsstoffen tendenziell eher vor Hypertonie schützen könnten, wurden irreführend gar nicht formuliert, indem dieses störende Detail einfach weggelassen wurde. [„Conclusion - Higher intake of baked, boiled, or mashed potatoes and French fries was independently and prospectively associated with an increased risk of developing hypertension in three large cohorts of adult men and women“].

Vorsätzliche Irreführung

Wissenschaftliche Irreführung („scientific misconduct“) war die hypothetische Annahme eines verringerten Hypertonie-Risikos durch Ersatz von Kartoffeln durch Gemüse in Studienpopulationen, die gerade ihre 4 und mehr Kartoffelrationen pro Woche schon verzehrt haben. Sollte man bei denen etwa durch Einsatz von Emetika und Magenspülung die angepriesene Gemüseportion doch noch erfolgreich ersetzen können? Da kann ich wohl kaum guten Appetit wünschen.

Zusammenfassung

Zusammengefasst sind die Ergebnisse weder signifikant noch relevant bzw. stümperhaft aufbereitet. Und wer kann sich schon zuverlässig erinnern, dass er/sie wirklich seltener als einmal pro Monat Kartoffeln isst. Von den in US-Rezepten sehr verbreiteten Süßkartoffeln ganz abgesehen.

Abbildung „Kartoffeldruck“ Copyright Praxis Dr. Schätzler

Bildquelle (Außenseite): jamonation, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 17.07.2016.

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Dass der Kartoffelkonsum bei Frauen den Blutdruck erhöht liegt an der Betrachtungsweise des Naturproduktes. Da die Kartoffel im diätetischen Empfehlungsbereich der Regenbogenpresse ein Nischendarsein führt und andere Naturprodukte eindeutig mehr favorisiert werden hat sie den Status einer unterrepräsentierten Naturnahrung. Weiterhin werden "adipöse" Damen häufig als "Kartoffel" bezeichnet, wobei die Schale auch keine Rolle mehr spielt. Das führt dann dazu, dass beim Verzehr einer Kartoffel man an die beschämende Bezeichnung im Unterbewußtsein erinnert wird und somit der Blutdruck steigen kann. Hier bedarf es um Kartoffel gerecht zu werden unbedingt einer Psychotherapie. Aber dieses wurde in der Studie nicht untersucht!
#6 am 01.07.2016 von Dr. med. Michael Hill (Arzt)
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Gast
Ich habe schon das Gefühl, dass Kartoffeln einen diuretischen Effekt haben. Sie spülen Fleisch- und Salzsünden mit aus, d.h. gut bei hohem RR und Nierenschwäche.
#5 am 01.07.2016 von Gast
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Gast
Ist es der liebe Herr Dr. Schätzler, der fast täglich einen Clown zum Frühstück verspeist oder sind es Andere ?
#4 am 01.07.2016 von Gast
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Gast
Im Ernst, Herr Mantwillat? Ich habe vor 4 Stunden das erste Mal von dieser nicht kausalen Abhängigkeit gehört, und jetzt lese ich das wieder von Ihnen. Wie verrückt die Welt doch ist.
#3 am 01.07.2016 von Gast
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Das Zeitalter der "Boebachtungs-Ernährungswissenschaften" neigt sich dem Ende. Es wird "des Forschens & des Forschers Willen" ein Haufen Datenmüll genereriert, der letztlich immer mehr Fragen als Antworten hinterlässt. http://www.echte-esser.de/tl_files/files/Neue_US-Studie_Viel_Suessigkeiten-wenig_Uebergewicht_bei_Kindern_Jugendlichen_Juni_2016.pdf
#2 am 01.07.2016 von Uwe Knop (Weitere medizinische Berufe)
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Das erinnert mich doch stark an einen möglichen Zusammenhang zwischen dem auftreten von störchen und der Anzahl geborener Kinder :)) Wenn man geld rauswerfen will untersucht man so was. Eine untersuchung der hypertonieinzidenz beim Lesen solcher artikel wäre doch mal was. Ich wette auf signifikante ergebnisse
#1 am 01.07.2016 von Dipl.-Oec.troph. Mario Mantwillat (Ernährungswissenschaftler / Ökotrophologe)
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