Das halbe Rezept

19.06.2016

Der Patient kommt mit einem halben Rezept in die Apotheke. Ja, einem halben Rezept: Der obere Teil ist abgeschnitten.


Auf dem Teil, den er mir hinhält steht:

Brufen Tbl XX 1-1-1

Unterschrift und Stempel von Dr. Irgendwas

Kunde: „Ich brauche die hier.“

Apothekerin: „Oookee, aber wo ist der Rest des Rezeptes?“

Was fehlt, ist mindestens der Rezeptkopf samt Name und Geburtsdatum des Patienten. Das Rezept könnte für sonstwen sein.

Kunde: „Das ist das Rezept“

Apothekerin: „Nein, das ist nur der untere Teil, was ist mit dem oberen passiert?“

Kunde: „Den habe ich abgeschnitten. Da standen noch andere Medikamente drauf, die ich im Moment nicht brauche, und ich wollte das für später aufbewahren.“

Ein halbes Rezept für jemanden, der nur halb-krank ist?

Also für alle, die das nicht wissen: Ein Rezept ist ein Dokument, eine Urkunde. Die darf man nicht eigenhändig verändern oder ergänzen und auch kürzen ist keine gute Idee. Außerdem muss ich vor der Abgabe den Patienten identifizieren … also prüfen, ob das Rezept auch für ihn ist … und das geht nicht, wenn der Teil mit dem Namen nicht mehr da ist.

Wer nicht alle Medikamente braucht, kann das einfach sagen, bei uns werden sie im Computer dann zwar eingegeben, aber mit Abgabemenge „0“ … und falls man sie später doch braucht, kann man das später (hier in der CH bis maximal 1 Jahr später) in der Apotheke einfach sagen.

In dem aktuellen Fall haben wir die Sache, sobald er den anderen Teil nachgereicht hat, einfach mit Klebstreifen gerichtet.
 

Artikel letztmalig aktualisiert am 21.06.2016.

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Pharmazie
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In meiner Apotheke momentan nicht - aber in der Schweiz zeichnet sich ein Mangel an Apothekern in der Zukunft ab ... vielleicht wär' das wirklich was?
#2 am 22.06.2016 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
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In D wäre dieses patientenfreundliche Vorgehen aufgrund exzessiv ausufernder Abrechnungsbürokratie völlig undenkbar... Brauchen Sie noch nen Apotheker zur Verstärkung?
#1 am 21.06.2016 von Apotheker Andreas Kronsbein (Apotheker)
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