Aussergewöhnliche Kundenwünsche

14.06.2016
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Wir haben da einen Kunden – nennen wir ihn Herrn Timber – wenn der in die Apotheke kommt, meist am Abend spät, dann lache ich inzwischen schon, denn ich weiss: Das wird interessant!

Herr Timber kommt so gut wie nie wegen irgendwelchen Gesundheitsproblemen – er ist fit und gesund, um die 30 … und sieht ein bisschen „wild“ aus: Vollbart und lange Haare. Aber nicht wie der Hippster Typ –mehr wie der Holzfäller:-)

Aber die Sachen, mit denen er kommt…

Das erste Mal hatte ich ihn, weil ihn der Lehrling an mich weiterreichte da sie nicht wusste, ob das erlaubt ist. Er wollte Wasserstoffperoxid hochkonzentriert. Mehrere Liter. Und: ja, da sind wir ziemlich vorsichtig mit der Abgabe, da man dass zum Bombenbauen missbrauchen kann – und gerade in grossen Mengen … Hmmmhmmm?

Also habe ich ihn ein bisschen ausgequetscht und er war sehr kooperativ.

Pharmama: „Für was brauchen Sie das denn?“

Herr Timber: „Zum Schädel bleichen.“

Ummm …. was?

Ja, er wisse, das sei etwas ungewöhnlich, und wenn das nicht gehe, sei das auch okay. Aber er arbeite in einem Aquarium und gelegentlich konservieren sie nach dem Tod eines Bewohners dessen Skelett (Respektive Gräten?). In dem Fall war es ein Hai, dessen Schädel nach ein paar Jahren nicht mehr so gut aussah, und den wollte er jetzt bleichen. Mit Wasserstoffperoxid. Damit er weisser wird.

Ich hab’s ihm gegeben, nachdem ich das festgehalten habe und eine Kopie von seiner ID gemacht habe.

Ein anderes Mal fragte Herr Timber nach Mastix. Das ist ein Baumharz.

„Das habe ich nicht da – für was brauchen Sie das denn?“

„Zum Bart ankleben, ich habe im Internet gelesen, dass das geht.“

Ich habe schon erwähnt, dass er einen Bart hat .., dass der angeklebt sein soll wäre mir bis jetzt aufgefallen, weshalb ich ihn wohl ein bisschen schräg angeschaut habe – worauf er nur lachend meinte:

„Nein, das ist nicht für mich, mein Kollege braucht das für ein Mittelalterfestival demnächst.

Im Internet habe er gefunden, dass man das mit gelöstem Mastix macht, ob ich weiss, wie das genau geht – oder ob ich eine andere Idee habe? Er bräuchte das noch bald.

Ich hatte dann eine andere Idee: Wimpernkleber! Damit klebt man künstliche Wimpern an, da wird das auch mit Haaren an anderen Hautstellen gehen. Und den hatten wir da.

Wieder ein andermal kam Herr Timber abends vorbei und wollte etwas zum die Haare weiss färben, aber nur für kurz – Karneval oder so. Da gibt’s schon etwas, aber das macht die Haare reichlich kaputt, ist dauerhaft und wie das aussieht, nachdem ein Laie das gemacht hat ?… am Schluss habe ich ihm Trockenshampoo verkauft … das ist so weisses Pulver, das er dann halt so grosszügig auf dem Haar verteilen soll und das dann drauf lassen. (Normalerweise nimmt man nicht so viel und bürstet es wieder aus).

Aber mal Ehrlich – nach all den Anfragen kommt mir langsam der Verdacht, dass er vielleicht ein Geheimagent ist. Was denkt ihr?

Artikel letztmalig aktualisiert am 14.06.2016.

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Pharmazie
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Coventina
Mastixlösung zum Ankleben von Kunstbärten, Maskenteilen und dergleichen gibt es gebrauchsfertig bei Händlern, die Schminke und dergleichen verkaufen. Da gibt es etliche Online-Shops, (Maskworld z.B., aber auch Läden für Mittelalter-/Liverollenspielkram haben das oft im Sortiment). In größeren Städten gibt es vielleicht auch den einen oder anderen stationären Laden, in dem man es bekommt, aber für Drogeriemarkt oder die Faschingsecke im Kaufhaus ist das schon ein bißchen speziell, da bräuchte man eine Portion Glück. Zur Verwendung: Erstmal schauen, wo man das Teil hinhaben will/ wie man es dranbekommt (wenn der Kleber drauf ist, kann man kaum noch korrigieren); aufpinseln, kurz antrocknen lassen bis es nicht mehr glänzt, anpassen, etwas dücken, fertig. Zum Abmachen vorsichtig abziehen (ziept) oder mit Alkohol lösen. Von Latexteilen später einfach trocken abreiben.
#6 am 25.07.2016 von Coventina (Gast)
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"Was soll das?" (H. Grönemeyer) Die Quelle (Apothekermanagement), die ich im Gegensatz zu vielen Kommentatoren auch angegeben habe, ist selbsterklärend: Die "Chemikalienverbotsverordnung" muss lt. Apothekenbetriebsordnung auch eingehalten werden. Und ich möchte nicht, dass die Apotheken meiner Praxisumgebung, mit denen ich sehr gut kooperiere, an irgendwelche Leute mit welcher Begründung auch immer so handeln, wie "Pharmama": "Er wollte Wasserstoffperoxid hochkonzentriert. Mehrere Liter..."? Was ist das denn für ein Schwachsinn!? Damit kann man einges in die Luft fliegen lassen - und auf einem "Mittelalterfestival" tolle Effekte erzielen? "Was denkt ihr?" fragte Pharmama scheinheilig in die Runde: Ich habe dazu gesagt, was ich denke -und im Ergebnis mobben mich alle, weil sie keine e i g e n e Meinung bilden wollen?
#5 am 23.06.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Georg Niedermeier
@Dr.Schätzler: Ich verstehe nicht ganz wo das Problem bei der Dokumentation liegen soll. Zitat:"Ich hab’s ihm gegeben, nachdem ich das festgehalten habe und eine Kopie von seiner ID gemacht habe." Durch eine Kopie der ID scheint mir die Identitätsfeststellung gegeben. Und aus "...festgehalten..." geht zwar nicht hervor, ob es sich um ein Heft oder Ringordner handelt, aber es geht auch nicht das Gegenteil draus hervor. Streng genommen handelt es sich auch nicht um eine "deutsche Apothekenvorschrift" sondern um die Chemikalienverbotsverordnung.
#4 am 22.06.2016 von Georg Niedermeier (Gast)
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Und das heisst ... was? Dass ich das nicht richtig festgehalten hätte? (Muss ich den jeden QMS-Arbeitsschritt auch noch aufschreiben?)
#3 am 17.06.2016 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
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#2 am 16.06.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Wie gut, dass hierzulande deutsche Apothekenvorschriften Vorrang haben! "Dokumentationspflicht gemäß Chemikalienverbotsverordnung zur Vorbeugung der Herstellung von illegalem Sprengstoff bei folgenden Stoffen: 1. Ammoniumnitrat 2. Kaliumchlorat 3. Kaliumnitrat 4. Kaliumperchlorat 5. Kaliumpermanganat 6. Natriumchlorat 7. Natriumnitrat 8. Natriumperchlorat 9. W a s s e r s t o f f p e r o x i d l ö s u n g e n > 12 % Aufzeichnungspflichten bei der Abgabe von Stoffen, bei denen eine Identitätsfeststellung erforderlich ist, müssen in einem „Abgabebuch“ dokumentiert werden. Es kann sich dabei um ein einfaches Heft oder einen Ringordner handeln. Die Aufzeichnungen müssen jedoch fünf Jahre aufbewahrt werden" (Zitat Ende).
#1 am 16.06.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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