Zwei Arten von Apothekern

14.06.2016
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Hier eine Beschreibung der zwei Arten von Apothekern, die man als Arzt so trifft, und was in der Folge passiert.

1) Der freundliche Apotheker in seiner Privat-Apotheke, welchen man inkognito aufsucht, um öh, kein Plan, ein Paracetamol oder so zu erwerben. Der Apotheker verfällt hier meist pflichtbewusst in einen Default-Vortrag, der mit „Und wenn es nicht besser wird, gehen sie zum Arzt!“ endet. Es stellt sich bei mir nun das gleiche Gefühl ein, wie wenn ich Medikamenten-Packungsbeilagen lese:

„Sie wissen nicht, wie sie Bobbotrox dosieren sollen? Fragen Sie Ihren Arzt!“

„Sie haben eine Überdosis Gribsxixxanexal genommen? Wenden Sie sich vertrauensvoll an einen Arzt!“

„Sie haben keinen Plan, wie man Ypjjup P 50 µg ausspricht? Arzt!“

„So ein Arzt, der weiß das. Alles.“

„Paracetamol hilft nicht? Arzt!“

„Paracetamol macht blaue Flecke auf dem Bauch? Arzt!“ „Öh … Ähm… ich glaube, Sie werden gerade ein Sams?!“ – „Ein WAS?“ – „Ja sorry ich muss mal ganz dringend meine Kollegen, einen Oberarzt und die Giftnotzentrale konsultieren.“ – Kann ich mir was wünschen?!

Für dererlei Probleme kann der niedergelassene Apotheker jetzt nichts, vermutlich weiß er auch die Antwort auf die oben genannten Fragen. Manchmal gibt man mir aber umsonst Taschentücher, was echt nett ist.

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2) Der freundliche Krankenhausapotheker, der denkt, er spricht mit einem Hot-Shot-Arzt. Ich weiß auch nicht warum. Aber was viel wichtiger ist: Krankenhausapotheker lösen ungelogen alle meine Probleme:

„Kann ich dieses komische Medikament über eine Magensonde geben?“ –  „Nicht so gern und hier Arzt habe ich für Dich (mit Plan!) ausgerechnet, wie Du das über ein anderes Präparat mit Tropfen ersetzen könntest.“

„Dieser Patient nimmt Methadon und wir führen das nicht in unserem Medikamentenvorrat.“ – (Der Patient hat auch keins mehr, kommt er doch geplant stationär ins Krankenhaus, wo alle Medikamente der Welt vorrätig sind!) „AAARGHL, muss ich jetzt alles für den immer grimmiger werdenden Patienten und seine mich mehr und mehr hassenden Angehörigen umstellen?“ – „Nein, ganz ruhig Arzt, nimmst Du halt Ersatz-Präparat XY. Das haben wir da.“ – Ich bin so froh.

Und meine Lieblingskonversation: „Hier eine theoretische Frage, wir werden vermutlich nicht an Peramivir kommen?“ – „Hä wieso? Wir haben selbstverständlich einen Notfallplan. Wir können das innerhalb von maximal 48h aus Japan importieren.“ – WTF, ernsthaft?!

Anmerkungen:

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Artikel letztmalig aktualisiert am 16.06.2016.

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Pharmazie
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Ah - gerade etwas gefunden, was indirekt (aber deutlich) erklärt, weshalb die deutschen Apotheker immer an den Arzt verweisen (müssen): https://www.facebook.com/Rettungsfachpersonal/photos/a.432954940304.368268.418842595304/10157093687370305/?type=3&theater "Die Bewertung des gemessenen Blutdruckwertes durch Personal des Sanitätsdienstes im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit stellt eine verbotene Ausübung der Heilkunde dar - darauf macht in einem Schreiben an die DRK-Landesärzte der DRK-Bundesarzt, Prof. Dr. Peter Sefrin, aufmerksam." Messen ja - was dazu sagen, nein?
#9 am 29.06.2016 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
  0
Wahre Worte von den (Apotheker-)Gästen hier :-) Also Vorsicht ... sonst teile ich die Ärzte noch in diejenigen, die sich Vorschlägen und Informationen der Apotheker betreffend der Behandlung mit Medikamenten offen zeigen und denen, mit welchen man nicht reden kann und deshalb lieber den Patienten mit dem Problem wieder vorbeischickt ...
#8 am 19.06.2016 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
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Gast
Da sind wohl die Äpfel und Birnen ein bisschen durcheinander geraten. Krankenhausapotheker habenden ärztlichen Kollegen gegenüber einen anderen Stand. Und Krankenhausärzte gehen auf die Apothekerkollegen völlig anders zu. Wenn man es wagt einen niedergelassenen Mediziner wegen einer Therapie anzurufen bekommt man in 95% eine negative Rückmeldung ("was will der,ich weiß,was ich tue! Ich bin der Arzt!"). Im Krankenhaus dürfte das Verhältnis zwischen wahrgenommener Einmischung und willkommenen Lösungsvorschlägen für Probleme genau anders herum sein.
#7 am 18.06.2016 von Gast
  0
Gast
Man hat als Apotheker in einer öffentlichen Apotheke immer einen Spagat zu meistern zwischen: -Dem Kunden, der vorn steht und meckert, weil irgendetwas beim Arzt schief lief (und sei es nur ein fehlendes Aut-idem Kreuz). Und - Dem Arzt, der der Meinung ist, er sei der größte und unfehlbar... Dem man auf gar keinen Fall in seine Therapie krachen sollte (was natürlich auch verständlich ist!). So und nun stellt euch mal vor, was passiert, wenn ich als Apotheker es wage irgendwelche Vermutungen über die Herkunft von Schmerzen oder dergleichen anzustellen: Der Patient rennt zu seinem Arzt mit den Worten "der Apotheker hat gesagt". Und ratet mal, wer Sekunden später in der Apotheke anruft und einem den Marsch bläst! Wir haben keine andere Wahl (rechtlich und dem lieben Frieden zu Wille) als auf den Arzt zu verweisen. Ich finde diese "Beschreibung" sehr unpassend, anmaßend und frech.
#6 am 18.06.2016 von Gast
  1
Gast
Naja, etwas platt übertrieben. Das kann man nicht den Apothekern anlasten, eher der Ärztelobby, die es sich verbittet, wenn Laien (=Patienten, Kunden) von "nicht-Ärzten" medizinisch beraten werden. Was auch nur den Hauch einer Diagnose bekäme, gehört leider rechtlich zum Arzt. Da müssen diese halt mit leben. Natürlich kann ich als öffentlicher Apotheker solche Fragen beantworten. Natürlich kann ich auch diverse Probleme lösen und tue dies auch - manchmal gegen den Willen von Sprechstundenhilfen niedergelassener Ärzte. Ich kann nur davor warnen, das Fass "Arzt gegen Apotheker" aufzumachen und ehrlich gesagt sind viele niedergelassene Arztpraxen nicht unbedingt in der Kundenwahrnehmung Orte umfassender Problemlösung. Und dass es in Japan andere Arzneimittelzulassungen gibt als in Europa und der Import rechtliche und logistische Probleme aufwirft, ist auch nur eine polemische Facette. Ich gebe drei Sterne. ;-)
#5 am 17.06.2016 von Gast
  1
Gast
Ganz lustig geschrieben,aber ein bisschen an der Realität vorbei :-(
#4 am 17.06.2016 von Gast
  0
So ganz kann man das so nicht stehen lassen. Denn auch ich als Offizin-Apotheker bin daran interessiert Probleme zu lösen. Und das mache ich im Regelfall auch und ich biete auch gerne dem Arzt Plan B an, auch wenn dies gelelegentlich von diesem nicht gerne gesehen wird. (auch gibt es beratungsresistente Ärzte, ganz furchtbar). Und dann wäre da noch meine Pflicht bei bestimmten Dingen auf den Arzt hinzuweisen. Der Pseudo-Costumer wäre sicher hellauf begeistert, wenn ich eigenmächtig Diagnosen stelle und dann womöglich noch mit verschreibungspflichtigen Präparaten ohne Vorlage eines Rezeptes therapiere. Wahrscheinlich wäre manche Therapie dann besser, als die vom Arzt verordnete, aber nun ja ....
#3 am 17.06.2016 von Dipl.-Pharm. Janet Göbel (Apothekerin)
  1
Gast
Lese ich zum ersten mal und ....bin begeistert. Ich arbeite in der Apotheke der "ersten" Sorte und kann es nur leider, leider bestätigen.
#2 am 17.06.2016 von Gast
  9
Gast
:-D Immer wieder köstlich!
#1 am 15.06.2016 von Gast (Studentin der Pharmazie)
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