Als ich Sonntagabend der Dienstarzt war – Teil 2

12.06.2016
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Zurück in der Notaufnahme erklärte ich Herrn Gukojak, das Röntgenbild wäre unauffällig, die Blutwerte auch und vier Tage Husten wäre nichts Schlimmes. Herr Gukojak ging wieder heim. „Welches ist denn nun der nächste Patient?“, fragte ich die Aufnahmeschwester, als ein aufgeregter Mann heranstürzte: „Meine Frau, die spuckt Blut!!“

Meine Schwester nickte beruhigend und erklärte mir, man habe die Dame schon in eine Aufnahmekabine verfrachtet, es wäre wohl nur sehr wenig Blut gewesen und hier hätte sie außerdem die Blutwerte. „SIE NIMMT BLUTVERDÜNNER!“, rief der Mann aufgeregt neben mir. „Oh“, sagte ich und stellte erleichtert fest, dass der Hämoglobinwerte seiner Frau noch im Normbereich lag.

„BLUTVERDÜNNER“, schrie der Mann nochmals aufgebracht. Ich versuchte dem Mann zu erklären, dass wir noch nicht akut besorgt sein müssten, seine Frau sei aktuell kreislaufstabil und wenn er sich mal die Blutwerte anschaue ... „SIE NIMMT BLUTVERDÜNNER“, brüllte der Mann unverdrossen weiter und ich vermutete, dass er eigentlich erwartete, ich würde auf diese Aussage hin – äh, ich weiß nicht – vielleicht die Hände in die Luft werfen und laut schreiend Blutkonserven aus einem Kühlschrank reißen.

Naja, ich erklärte also, ich würde seine Frau sorgfältig im Auge behalten und fragte, um welche Medikamente es sich denn handeln würde. „Aspirin!“, sagte der Mann. Das war jetzt irgendwie nicht der dramatische Superblutverdünner, den ich mir vorgestellt hatte. Wir nahmen seine Frau zügig auf, bestellten zur Vorsicht trotzdem einige Blutkonserven, sagten dem Gastroenterologen Bescheid und dann kümmerte ich mich um die Dame, mit den angeblichen Herzrhythmusstörungen, die vermutlich vor Wut über ihre lange Wartezeit bald richtige bekommen würde.

Der Chefkardiologe rief an und wollte wissen, ob ich schon kontrollierend nach dem Herzinfarktpatienten geschaut hätte. „Bald“, sagte ich und der Chefkardiologe legte nach einigen mahnenden Worten wieder auf.

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Dann fand ich heraus, dass die Herzrhythmusstörungspatientin eigentlich nur einen kleinen Infekt hatte, ihr Hausarzt hatte ihr erklärt, dieser könne unter Umständen auch aufs Herz schlagen und nun war sie sehr besorgt und kam deshalb zu uns. Ich erklärte ihr, dass alles in Ordnung sei, das EKG toll aussehen würde und sie ja auch keine Beschwerden habe. Die Frau ging wieder heim.

Die kardiologische Station rief nun an, einer ihrer Patienten habe plötzlich eine Lähmung am Arm entwickelt. Das hörte sich wichtig an und ich ging hin. Dort traf ich auf einen Patienten, der gerade einen Schlaganfall hatte. Panikartig besorgte ich mir den nicht weniger beschäftigen neurologischen Dienstarzt und wir zogen den Patienten durchs CT.

Dann rief der kardiologische Chefarzt nochmal an und fragte, ob ich denn nun endlich nach unserem Herzinfarktpatienten geschaut hätte?! „Äh nein. Ich wollte aber in fünf Minuten vorbeischauen.“

„Also Frau Zorgcooperations“, sagte der Chefarzt tadelnd, „was machen sie eigentlich die ganze Zeit?!“

Zum Blog.

Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.06.2016.

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Medizin, Innere Medizin
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