Nicht-invasive Beatmung: die ungeliebte Retterin

28.05.2016
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NIV (Non Invasive Ventilation) ist derzeit die führende Therapieoption bei akuter und chronischer Ateminsuffizienz. Vorbehalte gegenüber einer NIV sind sowohl unter Patienten wie unter Behandlern verbreitet - trotz nachgewiesenen Nutzens. Spezielle "NIV-Trainings-Programme" sollen helfen, die Herausforderung durch die potentiell traumatisierende Erfahrung einer NIV zu meistern.

 

Die Beatmung mit einer NIV-Maske erfordert eine enge Partnerschaft zwischen Patienten, Angehörigen und Behandlern. Bei Pflegern und Atmungstherapeuten gilt die NIV als interventions- und zeitintensiv. Angehörige von NIV-Patienten beurteilen die Behandlung häufig als angst- und stressbesetzt aufgrund des Miterlebens von Atemnot, Angst, Schmerzen und Unbehagen des beatmeten Patienten. Die unterschiedliche Einschätzung der mit einer NIV verbundenen Erfahrungen beeinflusst möglicherweise die Akzeptanz und Effektivität dieses Verfahrens.

 

Hinweise auf eine solche Beeinflussung liefert die PARVENIR-Studie.

In einer sechsmonatigen prospektiven Multicenter-Studie in 32 französischen und belgischen Intensivstationen wurden Fragebogen-Daten erhoben von:

 

Studiendesign

In drei Schritten wurde zunächst jeweils ein Fragebogen entwickelt für Intensivpersonal, Patienten, Angehörige.

Wenn möglich, wurden ähnliche Items für die drei zu befragenden Gruppen benutzt, die auf einer Rating-Skala (von 1 bis 10) eingeordnet werden sollten.

 

Charakteristika der Studienteilnehmer

Die teilnehmenden französischen und belgischen Intensivstationen waren alle Mitglieder des Europäischen Beatmungs-Netzwerkes oder ehemalige Teilnehmer einer Multicenter-Studie zur NIV. Die Charakteristika der Intensivstationen (Typ, Ausstattung, Aktivität) wurden ebenso erfasst wie die Charakteristika des Intensivpersonals (Alter, Geschlecht, Intensiverfahrung). Schließlich erfolgte die Erhebung der Patienten-Charakteristika (soziodemographische und krankheitsbezogene Fakten, Raucherstatus) und Angehörigen-Daten (jeweils 1 Angehöriger pro NIV-Patient, Alter, Besuchshäufigkeit).

Die Wahrnehmung der NIV von Intensivmedizinern, Intensivpflegern, Patienten und deren Angehörigen wurde verglichen. Fokussiert wurde auf mögliche beeinflussbare Prädikatoren für

 

Ergebnisse

Die Wahrnehmungen der NIV unterscheiden sich erheblich bei den Studien-Gruppen und bieten erstaunliche Einblicke:

 

Die detaillierte Untersuchung der Bereitschaft zur NIV-Anwendung erbrachte folgende Ergebnisse:

   - strukturellen ICU-Charakteristika (hohe Arbeitsbelastung, 12-Stunden-  Schichten)

   - negativer NIV-Wahrnehmung (unangemessene Behandlungsform, Leiden der Patienten).

 

Fazit

   - die Fähigkeiten der Intensiv-Fachkräfte verbessern (technische Aspekte des NIV-Managements)

   - gezielte Informationen über Risiken, Nutzen und mögliche Erfahrungen mit NIV vermitteln

   - die frühe Erfassung der Probleme von Angehörigen und Patienten erleichtern und maßgeschneiderte Interventionen bei NIV-Ängsten anbieten.

Bildquelle: Privat

Artikel letztmalig aktualisiert am 28.05.2016.

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