U69 auf Tauchfahrt.

19.10.2007
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"Ärzte sollen Patienten verpetzen" - diese Headline geisterte in den letzten 2 Wochen reichlich durch die Tages- und Fachpresse. Gemeint war die geplante Meldepflicht für Ärzte bei Komplikationen nach Tätowierungen oder Piercings. Doch hoppla, ein Nutzer im DocCheck Forum machte mich darauf aufmerksam, dass diese Angelegenheit nicht nur geplant, sondern schon beschlossene Sache sei.

Und tatsächlich: Im heute vom DIMDI veröffentlichten, neuen ICD10-GM ("GM" für "German Modification") findet sich plötzlich eine neue Rubrik U69.1-! mit dem unschuldigen Titel "Sekundäre Schlüsselnummern für besondere administrative Zwecke". Unter der Tauchboot-verdächtigen Ziffer U69.10! heißt es dort:

Anderenorts klassifizierte Krankheit, für die der Verdacht besteht, dass sie Folge einer medizinisch nicht indizierten ästhetischen Operation, einer Tätowierung oder eines Piercings ist. Hinw.: Die Schlüsselnummer dient der Umsetzung des § 52 SGB V (Leistungsbeschränkung bei Selbstverschulden) und ist verpflichtend anzugeben.

Mit anderen Worten: Die Meldepflicht ist nicht nur geplant - sie ist schon da. Immer schön auf Seerohrtiefe bleibend, hat die Gesundheitsbürokratie die neuen Kürzel in den ICD10 eingeschleust. Und nun soll sie jeder Arzt verbindlich dokumentieren. In Zukunft kann der Behandler also nur über die Dinge schweigen, für die es keinen Code gibt - oder auch nicht. Denn da wäre auf Steuerbord ja noch reichlich Platz für weitere Ziffern, um das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient erfolgreich zu torpedieren, zum Beispiel:

U69.11! Lungenkarzinom bei Verdacht auf Nikotinabsusus

U69.12! Leberzirrhose nach chronischem Alkoholmissbrauch

U69.13! Sprunggelenksdistorsion durch Freizeitfußball

U69.14! Innenmeniskusläsion im Skiurlaub

Kostendämpfung ahoi!

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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