Schachtel her - Sie sind zwangszugelassen.

17.10.2007
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Der Kampf um den Arzneimittelkosten-Sprengsatz Lucentis® geht in die dritte Runde: Nun hat sich endlich Ulla Schmidt des heiklen Themas angenommen. Es war klar, dass man in Berlin die pikante Diskussion über den Off-Label Use von Bevacizumab (Avastin®) als kostengünstige Alternative zu Lucentis nicht unkontrolliert weiter laufen lassen konnte. Schließlich lassen die laufenden Presseberichte die Krankenkassen gegenüber den GKV-Versicherten nicht gerade vorteilhaft aussehen. Aber auch die Gegenseite hat ein kleines Imageproblem: Novartis, der Hersteller von Lucentis, hält einen 32,7%igen Aktienanteil am Avastin-Hersteller Roche - honi soit qui mal y pense.

Um den Knauserkurs der Kassen nachträglich zu legalisieren, droht Ulla Schmidt Roche jetzt mit einem neuen planwirtschaftlichen Folterinstrument: der Zwangszulassung. O-Ton: "Die Politik muss "Halt" sagen können" - wahrscheinlich dachte sie dabei "Sitz!". Und der AOK-Vorstandsvorsitzende Hans Jürgen Ahrens sekundiert brav: "Ich unterstütze eine Zwangszulassung. Es kann nicht sein, dass Hersteller mit solchen Mitteln nicht auf den Markt gehen, um dicken Reibach zu machen". Mit grünen Strumpfhosen könnte er da glatt als Robin Hood durchgehen.

Diese ganze Drohungen sind vor allem eins: ohnmächtiger Theaterdonner - genauso wie die rituelle Verteufelung des Energie- oder Benzinpreisanstiegs durch den Öko-Eunuchen Sigmar Gabriel. Selbst wenn man unterstellt, dass Novartis über sein Aktienpaket auf die geschäftlichen Entscheidungen von Roche Einfluss nehmen kann - Roche ist rechtlich eine eigenständige Firma. Und die kann mit ihrem Produkt machen, was sie will. Die Zwangszulassung von Avastin käme de facto einer Enteignung gleich - für eine derartige Maßnahme wird sich kaum ein deutsches - geschweige ein europäisches Gericht gewinnen lassen.

Das Gesundheitsministerium ist also mit seinen Steuerungsmaßnahmen im Arzneimittelmarkt an einem vorläufigen Endpunkt angelangt. Um weiteren Dirigismus durchzusetzen, müsste der Staat wie weiland in der DDR selbst zum Arzneimittelhersteller werden - aber wer will das?

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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