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22.05.2016
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Die Reißverschluss-Verletzung ist in den USA das häufigste Penistrauma

Wikipedia definiert den Reißverschluss als „ein beliebig oft zu lösendes Verschlussmittel, das auf Formschluss beruht. Er besteht aus zwei Seitenteilen mit Krampen (kleinen Zähnen) und einem Schieber, mit dem die Krampen ineinander verhakt und wieder gelöst werden können.“

Ende des 19. Jahrhunderts erfunden, setzte sein Siegeszug in der Bekleidungsindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein, nachdem der schwedische Erfinder Gideon Sundbäck ihn 1913 zur Serienreife entwickelt hatte. Diese Erfolgsgeschichte war mit nicht unerheblichen Risiken verbunden: Bereits 1936 veröffentlichte Myron V. Susskind im renomierten JAMA unter dem Titel Zipper Trauma die Kasuistik eines 28-jährigen Mannes, der sich in seiner Praxis vorgestellte hatte, nachdem er Teile der Vorhaut und Glans penis im Reißverschluss seiner Hose eingeklemmt hatte. Das Problem wurde seinerzeit chirurgisch gelöst.

Wohl schon immer hat dieser für den Betroffenen dramatische und schmerzhafte Unfall bei den Umstehenden eher für Erheiterung gesorgt und ist spätestens seit der Filmkomödie Verrückt nach Mary aus dem Jahr 1998 auch in der Populärkultur angekommen.

Während die Reißverschlussverletzung in Deutschland als seltener Notfall gilt, ist die Inzidenz in den USA deutlich höher: Bereits 2013 wurde anhand Daten aus dem National Electronic Injury Surveillance System (NEISS) ermittelt, dass der Reißverschluss für Männer die größte Gefahr eines Genitaltraumas darstellt. Demnach landen deswegen etwa 2.000 Männer pro Jahr in der Notaufnahme. Dieses im BJU international publizierte Studienergebnis wurde auf dem diesjährigen AUA-Kongress in San Diego nochmals bestätigt (Abstract FRII-15. Presented May 8, 2016). Die Forscher raten daher, beim Öffnen und Schließen des Reißverschlusses besondere Vorsicht walten zu lassen und Kindern solange Hosen mit elastischem Bund anzuziehen, bis diese mit dem Reißverschluss konzentriert umgehen können. Ob das höhere Vorkommen in Amerika mit einer verbreiteteren Abneigung gegen Unterhosen zusammenhängt, wurde nicht untersucht.

Die persönliche Erfahrung zeigt, dass die Eigenversuche des Patienten, das Problem zu lösen, meist schon zur Ödembildung und zusätzlichen Schmerzen geführt haben. Weitere Lösungsversuche durch Ziehen am Reißverschlussschieber sind in der Regel sinnlos. In der Regel muss die Hose geopfert werden.

Meistens ist das Präputium (seltener die Labia majora) zwischen Schieber und Krampen eingeklemmt. Neben der Klärung des Tetanusimpfschutzes sollte vor weiteren Maßnahmen vor allem eine suffiziente Lokalanästhesie erfolgen. Sollte sich dann die Genitalhaut nicht durch gerichteten Zug aus der Einklemmung befreien lassen, könnte eine Zirkumzision indiziert sein. Die Funktionsweise eines Reißverschlusses erlaubt jedoch in den meisten Fällen eine wesentlich schnellere und unkompliziertere Lösung des Problems. Mittels geeigneter Kneifzange, spitzer Knochenschere oder kleinem Seitenschneider kann der Mittelsteg des Schiebers durchtrennt werden, so dass dieser in seine Vorder- und Rückseite zerfällt und sich der Reißverschluss öffnet. Dabei wird die eingeklemmte Haut wieder freigegeben.

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.06.2016.

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Interessierte Leserin
Mit Unterhose wäre das nicht passiert. Ist doch auch eine Frage der Hygiene. Oder waschen die Amis täglich die Jeans?
#9 am 24.05.2016 von Interessierte Leserin (Gast)
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UROLOGE
Die "sexuelle Revolution" oder auch "Befreiung" hat bekanntlich eindeutig zu mehr Verklemmung geführt, normales Vö... schaffen die nicht mehr und wenn dann noch der Reißverschluss klemmt ...
#8 am 24.05.2016 von UROLOGE (Gast)
  1
UROLOGE
Die Natur diese Körperteils verlangt (besonders im Sommer) eine niedrigere Temperatur, also einen gewissen Abstand vom Restkörper, sonst droht Impotenz oder Schlimmeres! Kryptorchismus hat bekanntermaßen auch ein Malignom-Risiko. Das sollten auch Mütter wissen, wenn sie Unterhosen kaufen. Deshalb eng anliegende Jeans für Frauen ja, wenn sie drauf stehen, für Männer NEIN.
#7 am 24.05.2016 von UROLOGE (Gast)
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Gast
beschnitten und noch zu enge Hosen, na ja diese Amis
#6 am 23.05.2016 von Gast
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Hier empfiehlt sich Unterhose ohne Eingriff, dann muss "er" nach jedwedem Gebrauch nämlich langsam und ordentlich verpackt werden. Und es muss auch aufgepasst werden, daß der letzte Tropfen, jedweder Provenienz, nicht in die Hose kommt.
#5 am 23.05.2016 von Dr. Rolf Klüsener (Arzt)
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Oliver
Lieber Gast: "Going commando" ist ein Slangausdruck dafür, keine Unterhose zu tragen (der Ausdruck ist für Frauen wie für Männer üblich)
#4 am 23.05.2016 (editiert) von Oliver (Gast)
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Gast
Frau Apothekerin: Könnten Sie Ihren Kommentar bitte mal übersetzen? Frau lernt doch gern dazu....
#3 am 23.05.2016 von Gast
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Gast
Die Mehrzahl der Amerikaner haben doch gar keine Vorhaut mehr, diese wurde Ihnen schon bei der Geburt genommen!....
#2 am 23.05.2016 von Gast
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In der Tat: Autsch. Aber (fragt sich die unwissende weibliche Leserin) ... liegt es daran, dass in den USA mehr Männer verletzt werden, weil sie dort mehr "Kommando" in die Hosen steigen als mit der Unterhose?
#1 am 22.05.2016 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
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