Methylgroboxaid und Pentbozomsäure*

22.05.2016
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Und da war ich also der Arzt vom Dienst und die Aufnahmeschwester erklärte fröhlich: „Nur noch ein Patient da! Der hat Drogen genommen!“ Ah. Und vor mir lag ein schlaksiger Teenager und tat so als würde er schlafen.

Daneben saß die Mutter, die im Verlauf des Gesprächs nach jedem meiner Sätze ihren Sohn wild zu rütteln begann und rief: „Jetzt antworte doch! Die Ärztin hat dich was gefragt!!“


Ich fragte also was denn los wäre, welche Drogen hier im Spiel seien und ob er nun irgendwelche Probleme hätte. Der Sohn „wachte“ kurz auf und erklärte mir, er habe „Methylgroboxaid und Pentbozomsäure“ eingenommen.

„Huä?!“ antwortete ich. Nein, das sagte ich nicht. Ich formulierte das irgendwie professioneller und der Sohn sagte nach dem obligatorischen „ANTWORTE!!! DIE ÄRTZIN SPRICHT MIT DIR“ nochmal „Methylgroboxaid und Pentbozomsäure“.

Meine Drogenkenntnisse waren hier irgendwie nicht auf dem entsprechenden Expertenlevel angekommen, sodass mir das alles nicht weiterhalf. Die Mutter erklärte nun aber triumphierend, draußen warte auch ein Freund ihres Sohnes, der ein genaues Protokoll der Drogeneinnahme dabei habe. „Erstaunlich“, dachte ich und ging mir das Protokoll besorgen.m_1464684183.jpg

Stolz überreichte der Freund mir einen zerknitterten Zettel, der unordentlich aus einem Spiralblock getrennt worden war. Mit Bleistift war eine komplexe Liste voller chaotischer Details und Drogeninsiderbegriffe notiert, die den Drogenkonsum der letzten sieben Tage meines Patienten beschreiben sollte. „Sonntag 8 x Methylgroboxaid auf Nase, dann 2 x Pentbozomsäure, dann Pause für einen Tag, 6 x Methylgroboxaid …“. Diese Liste verwirrte mich noch viel mehr und ich googelte alle Begriffe im Internet. Danach rief ich die Giftnotzentrale an, die mir nach weiterer Analyse der Liste mitteilte, es bestünde keine Lebensgefahr, aber wir sollten den Patienten mal aufnehmen.

Es kam dann eine Stationsschwester vorbei, um den Patienten mitzunehmen und ich übergab, während ich mich bemühte möglichst professionell zu klingen: „Joah und hier Herr Gauggl mit einer Überdosis an Methylgroboxaid und Pentbozomsäure.“ Die Schwester nickte wissend und sagte: „Ja ja, immer diese Legal Highs!“

 

*Dieser Beitrag enthält keine Garantie für korrekte oder konkret existierende Drogennamen.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.06.2016.

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Medizin, Innere Medizin
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Kann mich noch gut an die Zeit zu Anfang der 70ziger Jahre erinnern. In den Schulklassen wurden vereinzelt Jugendliche auffällig, dann "Klassisch", entweder Alkohol, Haschisch oder Tabletten aus Oma`s Schublade (Mandrax, Vesparax)...ja, das oder ähnliches gab es auch schon vor 30-40 Jahren, nur die Zahl der Auffällig gewordenen Kinder und die Art der Drogen hat sich geändert. Mit immer weniger Arbeitslosen und dem rundum Sicherheitspaket geht es uns ja immer besser, doch scheinen die Sorgen größer zu werden und schon den ganz jungen fällt auf, das etwas nicht stimmen muss, weil sie damit nicht zurecht kommen. Fehlt Wärme, Geborgenheit, ein Mangel an Zuwendung etwa, oder Liebe.....Dinge die man nicht kaufen kann, diesen Drogen Dreck kann man kaufen, fast überall, an jeder Ecke...
#10 am 03.07.2016 von Heilpraktiker Burkhard Aller (Heilpraktiker)
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Eine köstliche Anekdote .... mit einem heiklen Thema! Danke
#9 am 24.06.2016 von Christiane Reinke (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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#6: ich bitte um Entschuldigung, aber was soll denn diese - für mein Empfinden unwürdige und unverschämte - Bemerkung? Soll dann auch jeder besoffene Autofahrer o. Fussgänger, jeder verfressene, an Bluthochdruck und Gefässverfettung leidende Patient oder jeder anorektische oder "selbstverschuldete" Kranke für die medizinische Hilfe selbst aufkommen? Also wirklich, da sträuben sich bei mir die Nackenhaare! Der Patient hat ohne Ansehen seines Alters, seiner Konfession, seiner Rasse oder sonstiger persönlicher "Besonderheiten" Anspruch darauf, menschlich und medizinisch korrekt behandelt zu werden! Sie wissen doch gar nicht, was der Junge/Jugendliche für Hintergründe hat! Und sei es einfach bloss jugendliche Neugier und Experimentierfreudigkeit! Immer noch weniger schlimm, wie die 60 % Übergewichtigen, die unsere Sozialkassen mächtig belasten (jetzt und in Zukunft) und bei uns Pflegepersonal für kaputte Rücken und Gelenke sorgen! Und dafür bekommen Sie auch noch 3 "Likes"!
#8 am 24.06.2016 von Hebamme Birgit Bauhaus (Hebamme)
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Hahaha, Klasse! Ich habe selbst, nach meiner MTA Ausbildung und vor meiner weiteren Ausbildung zur Hebamme, knapp 5 J. in der Chirurg.-Inneren Notfall-Aufnahme/Chirurg. Ambulanz eines stark frequentierten Kreiskrankenhauses am Niederrhein gearbeitet! Damals waren "Legal Highs" noch "böhmische Dörfer", denn die Nähe zur NL-Grenze und die "Zeiten" in den 70igern waren komplett anders als heute! Die Patienten und die "Auffälligkeiten", die waren aber identisch! Mein Beileid an die Notfall-Ärztin, bei dem "Schrott", den sich heutzutage die Jugendlichen reingehen darf man auch schon mal etwas überfordert sein! Als Pflegepersonal/Krankenschwester oder als Arztassistentin hat man da schon häufig mehr "Durchblick"! Der Artikel ist zwar nicht besonders medizinisch relevant, aber "aus dem Leben"! P.S.: bei so'ner hysterischen Mutter wundert es mich nicht, dass der Junge sich dem Gezeter mal "entzieht"!
#7 am 24.06.2016 von Hebamme Birgit Bauhaus (Hebamme)
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Gast
Einmal "ausnüchtern" im Krankenhaus. Die Krankenkasse zahlts ja....
#6 am 23.06.2016 von Gast
  7
Also haben wir einfach nur die Darstellung von Unkundigkeit...im besten Falle.
#5 am 23.06.2016 von Bernd Brüggemann (Student)
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Kleine Nebenbemerkung zu #3: Methylbromacetat wurde wegen seiner hohen Reizwirkung früher mal als "Tränengas" verwendet, ist aber eine Flüssigkeit. Gegen Ihre Vorschläge habe ich natürlich nichts einzuwenden. Vielleicht war der Patient auch gar nicht somnolent, sondern schwebte irgendwo herum und wollte nicht gestört werden...
#4 am 22.06.2016 von Dr. Franz Kass (Chemiker)
  0
Gast
Wurde klinische Untersuchung gemacht? Hatte er enge/(weite) Pupillen? Bradykardie/(Tachykardie)? Wie war sein RR? Wurden Blut/Urin auf Drogenscreening abgenommen? Es könnten Benzodiazepine/Opiate, aber auch (was nicht unbedingt zur Somnolenz passt) Amphetamine. Weitere Anamnese wäre auch interessant: war "Methylgroboxaid" pulver-/gasförmig? (Methylbromacetat-Gas, hochgiftig). Von wo haben sie diese Stoffe?.. Wie ist die Geschichte ausgegangen? War er noch länger im KH? Psych-Konsil?...
#3 am 01.06.2016 von Gast
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Gast
Hmm. In Summe doch etwas unsagend und eher unspektakulär...
#2 am 01.06.2016 von Gast
  7
Gast
Und, um was handelt es sich jetzt?
#1 am 01.06.2016 von Gast
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