Nierenfunktionsstörungen häufig übersehen

17.05.2016
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Nicht-dialysepflichtige Nierenfunktionsstörungen entwickeln sich meist langsam und machen nur selten spürbare Beschwerden. Deshalb fehlten bisher auch belastbare Zahlen zur Prävalenz der ­Nierenfunktionsstörungen in Deutschland. Die Daten der DEGS1-Studie führen aber nun eines vor Augen: Das ­Problem wird oft nicht erkannt und ist dabei sehr viel präsenter als bislang vermutet.

Die gesunde Niere fördert und filtert täglich etwa 180 Liter Blut. Erst ab einer Funktionsfähigkeit von weniger als 10 % besteht Dialysepflicht, da die Filterleistung des Organs dann allein nicht mehr ausreicht, um das Überleben des Patienten zu sichern. Doch die bis dahin 90 % verlorene Funktionsfähigkeit ist keineswegs nur als ein Toleranzpuffer anzusehen. Vielmehr sollte bereits bei beginnender Einschränkung immer präventiv behandelt werden, um den eventuellen Verlust der Nierenfunktion hinauszuzögern (1).



Folgen von Nierenfunktionsstörungen


Schon ab etwa 30 % Funktionseinschränkung haben Patienten ein erhöhtes Risiko für kar­diovaskuläre Krankheiten. Oder sie sterben sogar frühzeitiger. Gerade bei älteren und meist komorbiden Patienten ist deshalb die Messung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) grundlegend wichtig. Solche Patienten stellen heutzutage zudem die Hauptgruppe der unerkannt mit einer Nierenfunktionsstörung lebenden Menschen in Deutschland dar.

Sind in Deutschland laut Girndt et al.(2) insgesamt etwa 12,7 % von einer verringerten GFR und/oder einer Albuminurie betroffen, so sind es bei Pflegebedürftigen sogar bis zu 50 %.
 Erschreckend ist in diesem Zusammenhang umso mehr, dass nur 28 % der betroffenen Allgemeinbevölkerung im Alter zwischen 18 und 79 Jahren überhaupt von ihrer Erkrankung weiß. Bei 20 % der Pflegebedürftigen fanden sich zudem nicht einmal nierenspezifische Diagnosen, aus denen ein behandelnder Arzt auf die Nierenfunktion hätte rückschließen können.



Wunsch und Wirklichkeit liegen weit auseinander


Diese aktuelle Auswertung der DEGS1-Studiendaten liefert erstmals ein verlässliches Bild zur Prävalenz der Nierenfunktionsstörungen in Deutschland. Hochgerechnet ist mit einer Zahl von Betroffenen zwischen 2 und 10 Millionen zu rechnen. Diese hohe Zahl nicht diagnostizierter Patienten zeigt ebenso, dass die nephrologische Versorgung der Menschen im Lande noch nicht dem entspricht, was gewünscht oder sogar möglich ist. Neben der frühen Diagnose wird deshalb die Prävention in der Patientenbetreuung zukünftig immer mehr Raum einnehmen müssen.



Prävention von Nierenfunktionsstörungen


Für Patienten mit Nierenerkrankungen stellen zum einen Medikamente eine größere Gefahr dar. Viele gängige Medikationen werden über die Nieren ausgeschieden oder wirken nephrotoxisch. In solchen Fällen muss der behandelnde Arzt die Nierenfunktion sehr viel strenger im Blick haben.


Doch noch etwas anderes zeigten Girndt et al. in ihrer aktuellen Studie: Diabetes mellitus und Hypertonie sind die beiden Hauptfaktoren und gleichzeitig zwei mögliche Prädiktoren für Nierenfunktionsstörungen. Die Prävalenz einer eingeschränkten Nierenfunktion war bei Probanden mit Diabetes mellitus 2,25-fach und bei Probanden mit arterieller Hypertonie 3,46-fach erhöht (2).



Quellen:

1. Eckardt KU, Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 83–4
2. Girndt M et al., Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 85–91

(Originaltext ursprünglich erschienen in Der Privatarzt Urologie 2/2016.)

Artikel letztmalig aktualisiert am 18.05.2016.

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