Bin ich deshalb amoralisch?

14.05.2016
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Ein Mann mittleren Alters kommt an einem langsamen Mittwoch-Nachmittag in die Apotheke: „Verkaufen Sie auch Spritzen und Nadeln?“
 – Pharmama: „Ja, was brauchen Sie denn?“ – Mann überlegt und sagt: „2 Milliliter Spritzen und rosa Nadeln.“

Pharmama: „Habe ich. Wie viele?“ – Mann (zweifelnd): „Je … Zwanzig?“ Ich zeige ihm die Spritzen. Er kauft sie. Nach dem Kauf, bevor er geht, zögert er, dann: „Kann ich Sie was fragen?“ – „Natürlich.“

Mann: „Ich war gerade in der Stadt-Apotheke. Die wollten mir die Spritzen und Nadeln nicht geben. Ich habe ein Rezept dort – der Apotheker könnte also wissen wofür es ist, trotzdem wollte er sie mir nicht geben. Als ich ihn gefragt habe, wieso, meinte er, er wüsste ja nicht für was ich das brauchen würde. Ich könnte das ja auch für Drogen brauchen und das würde er nicht unterstützen.“
 Pharmama: „Ja?“ (Wo bleibt die Frage?). Mann: „Aber Sie verkaufen sie mir ohne zu fragen.“ – Pharmama: „Ja.“ – Mann: „Wieso machen Sie das und er nicht?“

Pharmama: „Ich habe früher in einer Apotheke gearbeitet, die mitten im Drogenmilieu lag. Und so bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es das kleinere Übel ist, wenn ich Spritzen und Nadeln verkaufe – dann stecken sich die Drogensüchtigen wenigstens nicht mit irgendetwas an, oder bekommen Abszesse, weil sie das Zeug wiederverwenden. Also … Ja, ich verkaufe es auch, wenn ich den Verdacht habe, dass es für Drogen verwendet wird.“

Mann: „Denken Sie, dass ich es dafür brauche?“

Pharmama: „Sie? Ich glaube nicht. Aber, wie gesagt, das ist für mich auch nicht ausschlaggebend. Aber es gibt natürlich auch Apotheker, die es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren wollen, Missbrauch sozusagen zu unterstützen.“ Mann: „Ah.“

Irgendwo finde ich das auch etwas … zwittermässig. Wir verkaufen ja auch Flash Packs – und die sind ganz eindeutig für den Drogengebrauch. Werden die in diesen Apotheken denn auch nicht abgegeben? Oder gilt das nur für einzelne Spritzen und Nadeln?

Übrigens: Der nett fragende Herr brauchte das Material wirklich nicht für Drogen. Rosa Nadeln wären auch etwas riesig dafür. Braune oder orange werden da eher verlangt. Er brauchte es um eine definierte Menge Flüssigkeit zum Inhalieren aus Ampullen zu entnehmen.

Artikel letztmalig aktualisiert am 17.05.2016.

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Pharmazie
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Gast
@ #9: Dass Aspirin keine Droge ist, müsste klar sein. Hier ging es eher um den Zusammenhang. Wenn der Kunde sagt, er hätte Kopfweh, weil er am Abend zu viel Alkohol getrunken hat. Alkohol = Droge. Als Moralapostel könnte man das nicht gut finden. Also: "Dein Problem, dann trink nicht so viel. Tabletten gibt es von mir nicht!?" Wir sind da, um zu helfen und nicht, um in jedem Fall die Frage nach dem Wofür? zu klären. Es ist ja nicht so, dass man mit dem Verweigern der Abgabe die Welt und alle Drogenabhängigen heilt. Ganz im Gegenteil!
#13 am 07.06.2016 von Gast
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Gast
@11: Die die allermeisten das Klischee bedienen: Ja, der Begriff ist angebracht!
#12 am 26.05.2016 von Gast
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Gast
Kann man nicht etwas auf seine Wortwahl achten ?! Ich finde nicht das Junkie hier hergehört ! Sieht man einem Süchtigen an das er süchtig ist ? Meine Mutter ist seit 30 Jahren Heroin abgängig und ich wusste es bis vor kurzem nicht ! Und nur weil jemand Nadeln kauft , gibt es dem Apotheker nicht das Recht ihm etwas zu verweigern weil er neugierig ist ! Wofür ist denn bitte die Apotheke da?
#11 am 22.05.2016 (editiert) von Gast
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SELBSTVERSTÄNDLICH sind spritzen und nadeln bei bedarf abzugeben !! die frage was der patient damit macht stellt sich nicht - die frage nach schadensminimierung allerdings schon -
#10 am 21.05.2016 von magpharm magmedvet Gabriele Avramidis (Apothekerin)
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Gast
zu# 7 zu viel ich weis ist doch Aspirin keine Droge oder? Man muss darauf hinweisen, dass dann die Gerinnung gestört ist ob das Apotheker wissen .... und auch sagen? Ich sehe das auch eher wie #6. Es kann doch nicht jeder sein Privatrecht erfinden.
#9 am 20.05.2016 von Gast
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Gast
Ich finde es auch richtig, ich habe auch in diversen Apotheken gedient, in denen Junkies an der Tagesordnung war. Ich bestelle und verkaufe den Stoff nicht, daher kann ich zumindest beim Besteck für die Hygiene sorgen. Allerdings bei jedem der stille Wunsch, man habe ihn nicht zum letzten mal gesehen....
#8 am 20.05.2016 von Gast
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Gast
Sollte man auch kein Aspirin verkaufen, wenn der Kopfschmerz vom Kater kommt?
#7 am 20.05.2016 von Gast
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Gast
ich seh es eher als illegal, sonst könnte man die ja bei Aldi bekommen.
#6 am 19.05.2016 von Gast
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Flash pack: Fertigprodukt für Fixer mit Spritze, Nadeln, Alkoholtupfer und Ascorbinsäure. Hier hatte ich es mal darüber: https://pharmama.ch/2010/05/05/reine-gewohnheitssache-2/
#5 am 18.05.2016 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
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Christian Becker
Amoralisch? Bestimmt nicht. Amoralisch wäre es, die Spritzen nicht abzugeben und damit Mehrfachgebrauch, Spritzenteilen und den assoziierten Krankheiten Vorschub zu leisten.
#4 am 18.05.2016 von Christian Becker (Gast)
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Ist Pharmama amoralisch?- Ich für meinen teil denke NEIN! So wie sie sehe ich das auch. Ich habe eindeutigen Drogenkonsumenten auch shcon gesagt das sie ihre leeren Spritzen bitte in den Mülleimer entsorgen sollen oder sie auch im Drogenbus der Stadt kostenlos gegen eine frische umtauschen können. Die Entscheidung sich illegale Substanzen zuzuführen darf ja nicht dazu führen die Person an sich auszugrenzen. Oder soll ich auch Kondomkäufer wegschicken, weil sie ja verhindern das Kinder geboren werden und ich das als Christ (ähem) nicht mit meinem Glauben vereinbaren kann. Wir verkaufen keine Waffen, wir bieten Beratung für gesünderes Leben. Wir bieten keine Moral, wir helfen Menschen.
#3 am 17.05.2016 von Sven Larisch (Selbstst. Apotheker)
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Gast
was bitte sind denn Flash Packs?
#2 am 17.05.2016 von Gast
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Gast
Deshalb gibt es die Beratungspflicht. Sonst könnte aus Gewissensgründen vieles nicht über die Theke gehen. Ich habe zum Beispiel Halswehtabletten im HV verweigert, als über 1 Monat lang keineBesserung bei einem Kettenraucher auftrat. Arzt diagnostizierte Kehlkopfkrebs. Nach Operation unverständliche Sprache und letzthin Selbstmord. Alternative Ersticken.
#1 am 17.05.2016 von Gast
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