Arztserien: McDreamy oder McReality?

10.05.2016
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Ich liebe die Serie Dr.House, ich kann dabei nähen üben und die Folgen sind einfach spannend. Endlich mal was anspruchsvolles, man kann mitraten und es geht immerhin nicht nur um die Lovestory zwischen McDreamy und der Assistenzärztin XY. Aber wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man als Medizinstudent eine Folge dieser Arztserie schaut?

Nun ja, da gibt es große Unterschiede:

Der Vorkliniker, der gerade erst sein Pflegepraktikum hinter sich gebracht hat, denkt sich: Warum geht denn niemand in das Zimmer schräg gegenüber vom Scrubs-Schwesterntresen und schaltet endlich das rote Alarmlicht aus? Da klingelt seit nunmehr fünf Folgen ein Patient und möchte bestimmt frisches Wasser, oder sein Katheterbeutel steht kurz vorm Platzen oder das Fenster muss geöffnet bzw. geschlossen werden.

Der Kliniker denkt sich während der OP-Szenen: Oh, oh! Ob das noch steril ist, Dr. Christopher Turk? Die Zeit während der laparoskopischen Appendektomie zu stoppen, um einen neuen Sacred Heart-Rekord aufzustellen ist natürlich etwas überspitzt. Im realen Leben sieht der OP-Wettkampf so aus: „Ist der Saal 3 schon fertig?“ – „Ja, die leiten schon den nächsten Patienten ein“ – „Hmm, aber bestimmt nur, weil die zu zweit sind und beide nähen.“ – „Meine Assistenz muss noch bisschen üben, sie ist nicht die schnellste“ (Gemeint bin ich).

Doch immerhin thematisieren Arztserien einige Herausforderungen, mit denen Medizinstudenten täglich zu kämpfen haben. Schaff ich das? Warum fragen mich alle meine Familienmitglieder andauernd über Whatsapp nach meiner Meinung, sobald es um medizinische Eingriffe geht? Wie viel haben die anderen gelernt – wie weit bin ich? Oder: Habe ich mich vielleicht bei einem Patienten angesteckt?

Kennt ihr die Scrubs-Folge, in der J.D. einen infektiösen Patienten an Dr. Cox übergibt, weil er Angst hat, sich anzustecken? Jeder, der mal Meningitis-Prophylaxe schlucken musste oder sich in der Klinik mit einer Nadel, die Patientenkontakt hatte, gestochen hat und anschließend drei Mal zum Blutabnehmen gehen musste, weiß, dass diese Angst nicht nur in einer lustigen Serie existiert.

Und obwohl vieles manchmal sehr unrealistisch dargestellt wird – Ärzte führen jede einzelne Maßnahme selbst durch (All-in-One-Facharzt), verbringen sehr, sehr viel Zeit mit dem Patienten, können sich um wirklich jeden liebevoll kümmern, essen ständig gemeinsam zu Mittag und laufen obendrein auch noch meist ohne Augenringe rum – schaue ich Arztserien gerne. Denn vor allem freue ich mich jedes Mal, wenn ich etwas richtig beantworte, auch dann, wenn es nur Kleinigkeiten sind.

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Bildquelle: Lolo, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 12.05.2016.

57 Wertungen (4.72 ø)
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med_stories
Zu #5 Andreas Rheinländer : Vielen Dank für deinen Kommentar, ich meinte damit eher sowas : In den Serien werden beispielsweise Blutproben, die von dem behandelnden Arzt entnommen wurden (schon mal nicht sehr typisch) , auch von ihm im Labor untersucht ( seeeeeehr untypisch ! ). Stimmst du mir zu ?
#7 am 17.05.2016 von med_stories (Gast)
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Gast
zu #5 in USA wird die "Spezialisierung" viel weiter getrieben als bei uns, da gibt es Ärzte, die beherrschen nur eine einzige Operation. Da kann einem schon mulmig werden.
#6 am 17.05.2016 von Gast
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Hier fehlt ein wichtiger Punkt: der "All-In-One-Facharzt" ist in den USA nicht so ungewöhnlich. Genau genommen gibt es dort keine Fachärzte in dem Sinne, wie wir es hierzulande kennen. Tatsächlich werden viele Untersuchungen und Eingriffe, teils auch fachübergreifend, von einer Person durchgeführt. Realisiert man das, lassen sich viele Diskrepanzen schnell erklären und z.T. steigt der tatsächliche Realismusgrad dann auch wieder. Dr. House und Scrubs hatten im Übrigen jeweils einen bzw. zwei medizinische Berater, die klinisch tätige Ärzte waren und inhaltliche Fehler aufdecken sollten; sodass am Ende das Gezeigte auch stimmig war.
#5 am 15.05.2016 von Andreas Rheinländer (Student der Humanmedizin)
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Gast
Toller Artikel!
#4 am 13.05.2016 von Gast
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Gast
Sehr schön zu lesen
#3 am 12.05.2016 von Gast
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Gast
Was für ein Schrott
#2 am 12.05.2016 von Gast
  16
Gast
Voll gut geschrieben - gibt ganze 5 Sterne von mir :)
#1 am 11.05.2016 von Gast
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