Gemüse oder die Kunst des Turfens

08.05.2016

Auch im Klinikum Beteiguze wird das System des Turfens* praktiziert, bei dem man versucht unfreundliche, schwer therapierbare Patienten in eine andere Abteilung des Hauses zu verlegen. Genau davon handelt auch diese Geschichte.

Ich stand also in der Notaufnahme rum und interpretierte ein EKG, als der Rettungsdienst einen laut schreienden Patienten brachte. Dieser versuchte alle Personen im Sichtbereich anzuspucken und rief dabei: „Verpiss dich! Verpiss dich!“


Ich freute mich, dass dies wohl ein Patient für die Psychiatrie war und maß mit meinem EKG-Lineal den zu groß erscheinenden PQ-Abstand des EKGs aus.
 Kurze Zeit später eilte dann auch schon die Psychiaterin herbei, die auch nicht erfreut über ihren neuen Patienten war, dieser wurde übrigens aktuell von der Polizei festgehalten.

 

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„He, er erbricht Blut!“, rief sie dann plötzlich. Alarmiert sahen mein internistischer Kollege und ich auf. Bluterbrechen ist ein akutes, internistisches Problem und die Psychiatrie nimmt grundsätzlich keine Patientin, die zu ihrem psychiatrischen Problem noch ein akut internistisches haben. In diesem Fall muss erst das internistische Problem gelöst werden. Von Internisten, versteht sich.

Mein Kollege stürmte nun auch zum Patienten: „Das ist Rote Beete!“ – „Blut!“ sagte die Psychiaterin.
 – „Rote Beete! Frau Zorgcooperations, komm und schau!“

„Jop, definitiv Rote Beete.“

Da Rote-Beete-Erbrechen keiner spezifischen, internistischen Behandlung bedarf, nahm die Psychiaterin den Patienten schließlich doch grummelnd auf und wir schätzen uns glücklich diesen „Turf“ abgewehrt zu haben.

AV-Block I° schrieb ich dann auf das EKG.



* siehe „House of God“ von Samuel Shem

Zum Blog geht's hier.

Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 18.05.2016.

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Medizin, Innere Medizin
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Gast
wieder eine neue Segnung aus unserem Vorbild USA?
#2 am 18.05.2016 von Gast
  4
Herrlich, eine echte "GOMER"-Story - "get off my emergency room!" Und dann auch noch mit "beta vulgaris"!
#1 am 09.05.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  1
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