Die Nuss-Nougat-Logik.

05.02.2007
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Können Sie sich vorstellen, in Ihrem Haushalt die Ausgaben für Nutella um 30% zu senken, indem sie statt 400-g-Gläsern konsequent nur noch 2-kg-Gläser kaufen? Nein? Dann haben Sie keine Chance, in Deutschland Gesundheitspolitiker zu werden.

Denn mit der gleichen Sparlogik traktiert das AVWG zur Zeit die deutschen Kassenärzte. Die Rede ist von der Bonus-Malus-Regelung, die mittlerweile für 7 Wirkstoffgruppen festgelegt ist.

Dreh- und Angelpunkt des Gesetzes ist der Arzneimittelpreis pro DDD - der Defined Daily Dose. Er zwingt Ärzte, die einen Malus vermeiden wollen, zur Verordnung von Großpackungen (N3) und hohen Dosierungsformen - denn hier ist der Einkaufswert eines Arzneimittels auf die Substanzmenge bezogen am günstigsten.

Spielen wir den Fall einmal durch: Carlo Cholestra ist ein italienischer Pizzabäcker mit erhöhtem Cholesterinspiegel. Normalerweise würde sein Arzt ihm zum Therapiebeginn erst mal eine Packung N1 Simvastatin 10 mg für 11,50 Euro verschreiben, um zu schauen, ob diese Dosierung bei ihm ausreichend wirkt. Die kleine Packung mit der niedrigen Dosierung liegt aber mit einem DDD-Preis von 0,57 Euro klar über dem festgelegten Zielwert der KV (0,27 Euro). Stattdessen - mit Blick auf die von außen erzwungene Wirtschaftlichkeit - bekommt Carlo jetzt eine Packung N3 Simvastatin 20 mg mit 100 Tabletten für 30,50 Euro - denn hier ist die DDD für 0,23 Euro zu haben. Keine Malusgefahr - Arzneikosten gesenkt, alles prima.

So verleitet die Bonus-Malus-Regelung Ärzte systematisch dazu, aus wirtschaftlichen Gründen höhere Tagesdosen zu verschreiben - weil es vordergründig billiger ist.

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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