Ein Gronolum

24.04.2016
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„Mein Vater hat eine Gronolum, ähm, Matosum-Dings. Ein Morbus... hm weiss ich nicht so genau. Da ist er auch in Behandlung beim Professor Wimpelhz im Universitätsklinikum rechts von Beteigeuze!“ „Hmhm“, sagte ich und starrte auf Vater und Sohn von Schmitt.

Vater von Schmitt litt wohl an einem komplizierten Gronolum (WTF?), das laut Sohn sehr kompliziert zu behandeln war. Nun war auf jeden Fall starkes Nasenbluten aufgetreten (möglicherweise in Zusammenhang mit dem Gronolum?). Da Vater von Schmitt eigentlich in Beteigeuze wohnte, hatte man ihn aufgrund des starken Nasenblutens in unsere Klinik gebracht und nicht zum weit entfernten Professor Wimpelhz. Nur hatte ich jetzt das Problem, dass Gronolum keine mir oder dem Internet bekannte Erkrankung ist und bei einer komplizierten Behandlung hätte ich nun doch gerne gewusst WAS IN ALLER WELT der Patient da eigentlich für eine Vorerkrankung hatte und wie diese wohl komplizierte Behandlung des Patienten aussah, so dass wir mit unserer weiteren Behandlung nichts falsch machen würden.

Freitagnachmittag war der Hausarzt natürlich nicht erreichbar und so suchte ich in Google die Telefonnummer der Information des Universitätsklinikum rechts von Beteigeuze und rief frohen Mutes an.

„Hallo“, sagte die Informationsdame, „alte Befunde von Herrn von Schmitt? Ja, ich verbinde Sie mit der Ambulanz des Professors.“

Dideldö – Ihre Verbindung wird aufgebaut … 

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„Ui“, sagte die Informationsdame, „da geht niemand hin, ich verbinde Sie nochmals.“

Dideldö – Ihre Verbindung wird aufgebaut …

„Hm“, schon wieder die Informationsdame, „das klappt wohl nicht, ich verbinde Sie mal ins Professorensekretariat.“

Dideldö – Ihre Verbindung wird aufgebaut …

„Herzlich Willkommen beim Anrufbeantworter des Sekretariats von Professor Wimpelhz persönlich. Wir sind gerade nicht da. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht und Ihre Nummer nach dem Piepgeräusch. Wir rufen umgehend zurück. PIEEEEP!“

Noch bevor ich auch nur Luft geholt hatte, leitete mich das umfangreiche und komische Telefonsystem der Universitätsklinik zurück in die Warteschleife.

Dideldö – Ihre Verbindung wird aufgebaut …

Ich überlegte, ob ich nun trotzdem sprechen sollte oder ob man mich nun zum tatsächlichen Aufenthaltsort der Professorensekretärin weiterleitete und begann den Aufnahmebogen von Herrn von Schmitt auszufüllen. Nachdem ich dies beendet hatte, war ich immer noch nicht vermittelt.

Missmutig legte ich also auf und rief die Information erneut an. Ohne die Vorbefunde des Patienten hatte ich nämlich ein wirkliches Problem.

„Oh“, sagte die Informationsdame etwas hilflos, „ich könnte Ihnen die Faxnummer der Professorenambulanz geben und dann schicken Sie eine schriftliche Anfrage?“ Noch während ich überlegte ob dies ein gutes Angebot wäre, rief die Informationsdamenkollegin aus dem Hintergrund: „Die Ambulanz hat jetzt zu!!“

„Ich könnte Sie noch mit dem Dienstarzt verbinden“, sagte die Dame nun. „Ok super.“

Dideldö – Ihre Verbindung wird aufgebaut …

„Hm“, erneut die Information, „Keiner da. Ich verbinde Sie mit dem Ersatzdienstarzt.“

Dideldö – Ihre Verbindung wird aufgebaut …

„Oh, also der Ersatzdienstarzt geht auch nicht ran. Ich verbinde Sie mal mit einem Random-Arzt aus der Notaufnahme.“

Dideldö – Ihre Verbindung wird aufgebaut …

Verzweifelt fragte ich mich, warum man denn nicht einfach die Informationsdamen damit befähigt hatte, Befunde zu verschicken und dann, haha, ging tatsächlich ein Arzt mit entsprechender PC-Zugangsberechtigung ans Telefon, der obwohl hierfür eigentlich nicht zuständig, Mitleid hatte und alles faxte was ich wollte.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.05.2016.

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Medizin, Innere Medizin
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Gast
Ich lese hier nur etwas von Hilflosigkeit, Verzweiflung und "was in aller Welt"... da darf man doch mal vorsichtig frage wie das ausgegangen ist? #8 scheint also ins schwarze getroffen zu haben
#10 am 12.05.2016 von Gast
  3
Gast
Eine vernünftige Anamnese beinhaltet auch das Abfragen der Vorgeschichte. Wenn da eine Autoimmunerkrankung auftaucht, welche direkt mit dem Nasenbluten zusammenhängen kann, find ich es absolut spitze, dass der behandelnde Arzt, der den Patienten offensichtlich nicht gut kennt, die Vorbefunde anfordert. Ich verstehe nicht, warum hier in den Kommentaren immer auf dem Nasenbluten herumgeritten wird. Den "Locus K" kennt jeder Sanitäter und kann Nasenbluten stillen. Hier im Artikel geht es doch eigentlich darum, dass ein Arzt qhalitativ hochwertige Arbeit und Hilfe leisten will, aber in einer Uniklinik zu wenig Personal anwesend ist oder zu wenig geschultes Personal an Schlüsselstellen sitzt. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass es Ärzte gibt, die sich so viel Mühe geben und sich für den Patienten auch am Freitagnachmittag noch durch Warteschleifen quälen. Bitte weiter so!
#9 am 12.05.2016 von Gast
  2
Gast
also haben Sie das nicht geschafft und den armen Kerl zum HNO oder wohin abgeschoben?
#8 am 11.05.2016 von Gast
  2
Ärztin
@Gast: Na Sie sind ja lustig. Glauben Sie wirklich dass Medizin so funktioniert? Einfach bei DocCheck den Locus Kiesselbachi nachschlagen, dann "mit dem lächerlichen Nasenbluten klarkommen" und das Problem ist gelöst ja? Das lächerliche Nasenbluten ist nicht die Krankheit, sondern nur ein Symptom. Wenn der Patient wirklich M. Wegener hatte wären nähere Informationen bezüglich des Stadiums und der bisherigen Therapie durchaus wichtig gewesen (Sie können ja mal M. Wegener googeln... ). Das erinnert mich irgendwie an den uneinsichtigen Patienten mit dem Harnverhalt, den Stauungsnieren und dem beginnenden Nierenversagen der allen ernstes zu mir sagte ich solle mich nicht so umständlich anstellen und ihm einfach was gegen die Bauchschmerzen geben, das wäre vollkommen ausreichend...
#7 am 09.05.2016 von Ärztin (Gast)
  2
Gast
schade, keine Antwort?
#6 am 07.05.2016 von Gast
  1
Gast
das wichtigste fehlt leider, sind Sie denn nun klar gekommen mit dem lächerlichen Nasenbluten?
#5 am 05.05.2016 von Gast
  3
Gast
....was soll dieser Mumpitz ?? Das ist wirklich dummes Zeug. Soll ich das als Leser gut finden ? Lachen ? Weinen ? Wozu postet man sowas ?
#4 am 04.05.2016 von Gast
  7
Gast
Wegener Granulomatose wäre mein Tipp
#3 am 04.05.2016 von Gast
  0
Gast
mit Nasenbluten im Bereitschaftsdienst sollte man auch ohne tel. Verbindung mit Dr.Dideldö irgendwie klar kommen. Sonst Kollegen fragen, der das kennt. Locus Kiesselbachi steht z.B. doch schon im doccheck-Lexikon
#2 am 04.05.2016 von Gast
  10
Gast
Süß! War es ein M. Wegener?
#1 am 25.04.2016 von Gast
  0
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