Subjektives Krankheits-Modell und Bewältigungsverhalten: Schlüsselthemen für die Kommunikation mit dem Patienten?

19.04.2016

Sie kontrollieren konsequent FEV1- und CAT-Wert Ihres COPD-Patienten. Ihre Behandlungsempfehlung ist "state of the art" - doch das Befindes Ihres Patienten entwickelt sich weder zu seiner noch zu Ihrer Zufriedenheit. Kennen Sie "zufällig" die internalen und externalen Kontrollüberzeugungen und die Kausalattributionen Ihres Patienten?

Denn die Gesamtheit der Überzeugungen, die ein Patient über seine Krankheit hat, bestimmt seine Strategie im Umgang mit ihr und damit ihren Verlauf. Subjektive Krankheits-Modelle beeinflußen maßgeblich die Inanspruchnahme medizinischer Versorgung, die Adhärenz zur Behandlung und die Lebensqualität.

Was bedeuten "Illness Perceptions" und "Coping"?

Im Selbstregulations-Modell (Leventhal et al., 1984) beeinflußen sich subjektives Krankheits-Modell (Illness Perceptions) und Bewältigungsverhalten (Coping) wechselseitig.

Als Komponenten subjektiver Krankheits-Modelle gelten:

Coping-Strategien sind problem- oder emotionsfokussiert. Im einzelnen können die Anpassungsprozesse an die gesundheitsrelevanten Stressoren vielfältige Verhaltensweisen umfassen.

Der Essener Fragebogen zur Krankheitsbewältigung unterscheidet beispielsweise:

Subjektive Krankheits-Modelle variieren sehr stark zwischen Patienten mit gleicher Erkrankung. Die Sicht des Patienten über seine Krankheit kann sich zudem deutlich von der des Behandlers unterscheiden.

Wie lassen sich subjektive Krankheits-Modelle erfassen?

Interviewverfahren bieten wenig vergeichbare Daten. Patienten-Zeichnungen gewinnen zunehmend Bedeutung - es werden validere Auswertungsinstrumente entwickelt, z. B. in der Psychokardiologie für die "Herz-Bilder" von Patienten nach Myokardinfarkt oder bei Herzinsuffizienz. Hier liegen bereits aussagekräftige Studienergebnisse zur Vorhersagekraft von Patienten-Zeichnungen für den Krankheitsverlauf vor.

In der Psychopneumologie kommt bisher vor allem der "Illness Perception Questionnaire" als quantitatives Selbstbeurteilungs-Instrument zum Einsatz. Die Kurzform dieses Fragebogens (B-IPQ) ist reliabel, valide und einfach zu handhaben. Der B-IPQ könnte als Screening-Instrument in der medizinischen Versorgung dazu beitragen, daß die Behandlung nicht durch ungünstige subjektive Krankheits-Überzeugungen behindert wird. 

Der nachgewiesene Einfluß subjektiver Krankheits-Modelle auf Behandlung, Krankheitsverlauf und Erfolgsparameter führen derzeit zu einem regen Forschungsinteresse.

Welche Zusammenhänge geraten dabei in den Fokus der psychopneumologischen Forschung?

Im Bereich der Psychopneumologie untersuchte die Studie von Vaske I et al. den Einfluß von subjektiven Krankheits-Modellen und Bewältigungsverhalten auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) bei COPD. 

Als Meßinstrumente kamen zum Einsatz:

Ergebnisse:

Subjektive Krankheits-Modelle und Coping-Strategien erweisen sich als Prädikatoren der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

Der Zusammenhang zwischen subjektivem Krankheits-Modell und körperlicher HRQoL wird durch folgende Coping-Strategien beeinflußt:

Für die mentale HRQoL sind folgende Coping-Strategien relevant:

Welche Überlegungen ergeben sich aus den Befunden?

Fazit:

- Krankheitswahrnehmungen werden mittels psychoedukativer Elemente diskutiert und ungünstige Überzeugungen kognitiv umstrukturiert.

- Motivierende Gesprächsführung regt zu körperlicher Aktivität an (z. B. in der lokalen Lungensport-Gruppe)

- Die Problemlösungs-Fähigkeit wird durch individuelle Zielsetzungs- und Aktions-Planung gestärkt.

- Die soziale Teilhabe wird ausgebaut (z. B. mobile LTOT, Neue Medien)

Interventionen zur Veränderung subjektiver Krankheits-Modelle - auch unter Einbeziehung von Angehörigen - können "Top down" oder "Bottom up"-Prozesse nutzen. In jedem Fall gilt: Subjektive Krankheits-Modelle, die nicht erhoben werden, können nicht günstig beeinflußt werden! 

 

 

 

Bildquelle: Privat

Artikel letztmalig aktualisiert am 19.04.2016.

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