Mamma incognita – Brustkrebs beim Mann

14.04.2016
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Brustkrebs ist längst nicht mehr allein Frauensache. Heutzutage erkranken jährlich bis zu 600 Männer neu an Brustkrebs, ein Viertel von ihnen stirbt daran. Die Erkrankung wird oft sehr lange ignoriert, vor allem auch deshalb, weil Mann zu wenig darüber weiß. Doch Tatsache ist: Auch wir Männer können an Brustkrebs erkranken und sterben!

In vielen Fällen ist es bei Diagnosestellung für eine Therapie schon zu spät. Mann geht eben gewohnheitsgemäß erst dann zum Arzt, wenn die Schmerzen oder Einschränkungen unerträglich werden. Glücklich, wer verheiratet ist oder in einer Partnerschaft lebt. Der Partner drängt den Mann meist sehr viel früher, zum Arzt zu gehen.

Jeder von uns Männern, das schließt im Übrigen auch die Ärzte mit ein, sollte die regelmäßige Früherkennungsuntersuchung beim Hausarzt oder beim Urologen wahrnehmen. Besonders diejenigen Männer, die am Klinefelter-Syndrom leiden oder solche, in deren Familie bereits Brustkrebs aufgetreten ist, gehören zu den Hoch-Risikopatienten für Brustkrebs. Doch wie macht sich das Mammakarzinom beim Mann eigentlich bemerkbar? Wissen Sie es?

Auf Veränderungen an Haut und Brustpartie achten

Symptomatisch betrachtet unterscheidet sich Brustkrebs bei Frau und Mann eigentlich gar nicht. In vielen Fällen fällt zuerst ein tastbarer Knoten oder eine Verhärtung in der Brust auf. Dieses Frühzeichen ist jedoch schmerzlos und wird deshalb häufig nicht weiter beachtet. Anders als Frauen, betreiben Männer im häuslichen Umfeld auch keine besondere Selbstuntersuchung auf Hoden- und Brustkrebs. Oder wann haben Sie sich das letzte Mal an der Brust auf Knoten abgetastet?

Der Knoten kann lange Zeit schmerzunauffällig bleiben und wächst dennoch kontinuierlich. Im weiteren Verlauf kommt es nicht selten zur Einziehung einer Brustwarze oder zu sichtbarem Ausfluss aus der Brustwarze. Jedoch ist Mann hart im Nehmen: „Das wird schon wieder. Ist vielleicht nur eine Entzündung.“ Das Alarmzeichen, welches fast 40 % der betroffenen Männer dann schließlich in die ärztlichen Hände treibt, ist die schmerzhafte Lymphknotenschwellung in der Achselgegend.1 Auch Hautveränderungen an der Brust fallen deutlicher auf. Der Brustkrebs ist jetzt bereits metastasiert. Die Langzeitprognose dieser Patienten ist schlecht und hängt in hohem Maß auch von der Rezeptorausstattung des Tumors ab. Darin unterscheidet sich der männliche Brustkrebs ebenfalls in nichts von seinem weiblichen Pendant.

Prognostische Faktoren für männlichen Brustkrebs

Bei etwa einem Drittel der Männer mit Brustkrebs hat einer Studie zufolge die Metastasierung bereits stattgefunden, wenn die Patienten sich mit Symptomen in der Praxis vorstellen. Die bevorzugten Orte für solche Metastasen sind Knochen, Lunge und Leber.

Vergleichbar mit Brustkrebs bei Frauen, scheinen auch verschiedene Brustkrebs-Subtypen beim Mann zu existieren. Jeder dieser Subtypen steht für eine andere Prognose für den Patienten. Eine Studie untersuchte 2015 den Einfluss von vier solcher Subtypen auf das Gesamtüberleben der Männer: HR-positiv/HER2-negativ, HR-positiv/HER2-positiv, HR-negativ/HER2-positiv und dreifach-negativ. Es zeigte sich, dass die Patienten mit dreifach-negativem Brustkrebs die schlechteste Prognose hatten. Sie waren jünger, hatten den weiter fortgeschrittenen Tumor und starben sehr viel wahrscheinlicher an ihrem Brustkrebs. Auch diejenigen Männer mit HER2-positivem Tumor hatten ein schlechteres Gesamtüberleben. Die Autoren dieser Studie schlossen daraus, dass neben Alter und Tumorgrad vor allem auch der Tumorsubtyp eine bedeutende Rolle beim Gesamtüberleben von männlichen Brustkrebspatienten spielt.

Ein ER-positiver Tumor hingegen scheint zumindest innerhalb der ersten fünf Jahre nach Diagnose das Gesamtüberleben zu verlängern. Die Autoren dieser aktuellen Studie aus dem Jahr 2016 befanden darüber hinaus, dass Männer mit den folgenden Faktoren deutlich weniger lange überlebten: hohes Alter, fortgeschrittener Tumorgrad, keine Therapie, ER-negativer Tumor oder Familienstand „ledig“.

Fazit

Brustkrebs tritt bei Frauen und Männern auf. Da er beim Mann aber ungleich seltener ist, wird er oft übersehen, mit schweren Folgen für jeden vierten Betroffenen. Die einzige Möglichkeit, Brustkrebs frühzeitig zu erkennen, bleibt die Tastuntersuchung der Brust zuhause oder durch den Hausarzt bzw. Urologen. Männer mit früheren Krebserkrankungen, Strahlentherapie, Klinefelter-Syndrom oder einer Familiengeschichte, in der bereits Großvater, Vater oder Brüder an Brustkrebs erkrankt waren, sollten unbedingt die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Es geht im Zweifel um ihr (Über-)Leben.

Quellen:

1. Sanguinetti A et al., Male breast cancer, clinical presentation, diagnosis and treatment: Twenty years of experience in our Breast Unit, Int J Surg Case Rep 2016, http://dx.doi.org/10.1016/j.ijscr.2016.02.004

  1. 2. Leone JP et al., Prognostic significance of tumor subtypes in male breast cancer: a population-based study. Breast Cancer Res Treat. 2015 Aug;152(3):601-9
  2. 3. Leone JP et al., Prognostic factors in male breast cancer: a population-based study. Breast Cancer Res Treat. 2016 Apr 2. [Epub ahead of print]

Bildquelle: Jason Scragz, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 19.04.2016.

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Elvira M.
Danke #9 für die eindrucksvollen Zahlen ich habe meinen Alten schon mehrfach gedrängt zur Koloskopie zu gehen und der meint, was sind schon ein paar 1000 bei 50 Millionen Männern. Beim Urologen war er aber schon.
#10 am 20.04.2016 von Elvira M. (Gast)
  1
Gast
Scheint manchen nicht zu gefallen mit der Coloskopie obwohl da am Krebs 25.025 (Männer 13.404) verstarben (alles für 2014) verglichen mit den 134 männlichen Brustkrebstoten. Immerhin kommt man da mit der Hand ja verdammt schlecht ran, schon eher an das Prostata-Ca (fühlt sich hart an) mit immer noch 13.704 Toten (ganz knapp Nr1) und es ist immer noch seltener als die Todesfälle durch Peniskrebs mit 176 Toten obwohl man den doch mehrmals am Tag tasten sollte und auch seltener als der Hodenkrebs mit 174 Todesfällen.
#9 am 19.04.2016 von Gast
  1
Gast
Der Chirurg(Gast) schreibt keinen Unsinn, schon gar keinen gefährlichen. Aber niemand hält Sie davon ab sich regelmäßig zu befummeln, bitte den Hoden nicht vergessen. Noch effektiver wäre allerdings alle drei Monate eine Koloskopie zu machen.
#8 am 19.04.2016 von Gast
  85
Gast
Übrigens ist der Kommentar von Chirurg (Gast) ein weitaus gefährlicherer Unsinn. Natürlich hat auch jeder Mann Brustdrüsengewebe - bei ihm fehlen nur in der Regel die Milchbildenden Drüsenläppchen (lobuli) und die Milchgänge (ducti) sind nicht so stark entwickelt wie bei Frauen. Deshalb gibt es beim Mann fast ausschließlich nur das Ductale Karzinom also das der Milchgänge. Das ist völlig unabhängig von einer möglichen Gynäkomastie! Das lobuläre Karzinom kommt beim Mann praktisch nicht vor. Der männliche Brustkrebs wird meistens durch die Männer selbst entdeckt - eben durch ein zufälliges oder regelmäßiges Abtasten.
#7 am 19.04.2016 von Gast
  13
Gast
Das ist im Großen und Ganzen eine umfassende Zusammenstellung, allerdings mit einigen Fehlern: z.B. Der Brustkrebs ist jetzt bereits metastasiert und die Mastektomie bleibt als einzige therapeutische Maßnahme übrig. Das ist natürlich Unsinn. Natürlich wird gerade der metastasierte Brustkrebs auch beim Mann mit Strahlentherapie, Antihormontherapie, Chemotherapie und ggf. Antikörpertherapie behandelt. Viele Grüße Paul (ein Betroffener)
#6 am 19.04.2016 von Gast
  0
Gast
Die derzeit verfügbaren Daten des RKI stammen aus dem Jahr 2012 und werden unter anderem auch noch vom Krebsinformationsdient des DKDZ zitiert. Da sind es 620 Fälle pro Jahr mit 150 Todesfällen. Hier zu den Krebsregisterdaten: http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Brustkrebs/brustkrebs_node.html;jsessionid=5A426F8E0F822DC15FDD36960D1899ED.2_cid372
#5 am 19.04.2016 von Gast
  0
Gast
da hat mal wieder ein laie irgendeinen mist geschrieben.
#4 am 19.04.2016 von Gast
  41
Gast
keine Ahnung wo diese Zahl herkommen soll, bei Robert Koch Statistik sind das in ca 900 Männer. Einfach schlecht recherchiert
#3 am 19.04.2016 von Gast
  16
Chirurg
Nichts neues. Das regelmäßige Abtasten OHNE Gynäkomastie ist allerdings Quatsch bei dieser seltenen Erkrankung, weil Männer nun mal nur die Brustwarze haben ohne Brust drunter. Die gutartige Gynäkomastie ist viel häufiger und nur die kommt infrage als Differentialdiagnose, wobei diese auch Folge eines Hodenkrebses sein, der ja auch schmerzfrei wächst. Die häufigsten Ursachen sind allerdings Leberschäden und Doping zum body-building
#2 am 18.04.2016 von Chirurg (Gast)
  45
Gast
Menschen mit Klinefelter-Syndrom sind jedoch nur dann Risikopatienten, wenn sie eine Gynäkomastie haben, vgl. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21241366 (2011) Das Risiko für feste Tumore scheint sogar niedriger zu sein, das für Leukämie u.ä. höher, siehe http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27061708
#1 am 15.04.2016 von Gast
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