Mehr Sauerstoff!

11.04.2016

Da wollten wir Herrn Beissfuß also entlassen. Herr Beissfuß hatte Bluthochdruck und außerdem dauernd Atemnot. Oder zumindest sagte er das. Darum benutzte er auch erfreut unseren Kliniksauerstoffvorrat. Irgendwann hatten wir alle Probleme von Herrn Beissfuß behandelt. Bis auf das Sauerstoffproblem.

Um ihn also entlassen zu können, beantragten wir ein Sauerstoffgerät für zu Hause. Ich schrieb einen schicken Entlassbrief und da ergab sich ein Problem: Herr Beissfuß war erst vor wenigen Tagen ins Hoheitsgebiet von Beteigeuze gezogen. Das Gerät musste nun gemäß Vorschrift aber im ursprünglichen Herkunftsort von einem Arzt verschrieben werden. Dort traf man auf den äußerst renitenten Herrn Dr. Glober. Nachdem Herr Dr. Glober alle unsere netten Krankenschwestern und Sozialdienstdamen zur Sau gemacht hatte – was uns da denn für eine dumme Idee eingefallen sei, von wegen Sauerstoffgerät und so, ob wir sie denn etwa für die Astronautenbetreuung der NASA hielten– ja, da durfte ich dann als nächstes bei Herrn Dr. Glober anrufen.


„Glober!“, rief er auch sofort in den Apparat.
 „Äh, Klinikum Beteigeuze, hier Zorgcooperations, es scheint hier ja einige Probleme mit diesem Sauerstoffgerät für Herrn Beissfuß zu geben.“
„JA!“, rief Herr Dr. Glober. „Das ist gegen die Leitlinien!“ Er führte eine längere und angeregte Diskussion mit mir, an deren Ende ich mit meinem Oberarzt drohte und Herr Glober sagte, er warte dann auf den Rückruf.


Also traf ich am Nachmittag auf den Oberarzt. „Gnö, blöd.“ sagte der. „Naja, und was machen wir jetzt?“, fragte ich. „Pö, da habe ich keine Lust den Herrn Dr. Glober anzurufen!“, sagte der Oberarzt. „Naja, ich auch nicht“, meinte ich und wiederholte meine erste Frage: „Und was machen wir jetzt?“ „Joa, weiß auch nicht“ der Oberarzt dachte vermutlich schon an seine glorreich Zweitkarriere bei der NASA und dass er es sich hier mit Dr. Glober nicht verscherzen wollte.

„Überlegen Sie sich doch was, Frau Zorgcooperations. Ich sage doch den ganzen Tag irgendwelche Sachen. Freuen sie sich doch, dass Sie jetzt auch mal was entscheiden dürfen!“ „Haha“, dachte ich und hielt den Visitenwagen fest.

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Nachdem ich noch eine Weile herumgenörgelt hatte, beschlossen wir nun Herrn Beissfuß eben experimentell ohne Sauerstoffgerät heimzuschicken. Denn laut Leitlinien brauchte er schließlich kein Gerät und Herr Dr. Glober, der es als einziger verschreiben konnte, wollte das ja nicht. Was man ihm ja nicht einmal vorwerfen konnte.

Ich setzte mich also wieder ins Arztzimmer, dachte darüber nach, wie ich mich hier vermutlich mal wieder bei meinem Oberarzt unbeliebt gemacht hatte und ob es jetzt wirklich nötig sei, Herrn Dr. Glober nochmals anzurufen, um ihm den aktuellen Stand der Dinge nahezubringen. „Hm... nein", entschied ich mich und begann den wichtigen Arztbrief für Herrn Beissfuß umzubauen.

Da klingelte das Telefon und – haha – Dr. Glober war dran, was denn nun los wäre. Wie der Patient ging jetzt ohne Sauerstoffgerät heim?! Hm da müsse er unbedingt mit meinem Oberarzt sprechen. Tatsächlich war Dr. Glober dann sogar richtig nett zu mir, weshalb ich die Oberarztnummer rausrückte und irgendwie hat Herr Beissfuß das Sauerstoffgerät dann doch bekommen.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 19.04.2016.

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Medizin, Innere Medizin
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Gast
Traurig, traurig....
#4 am 24.04.2016 von Gast
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Gast
warum muss denn der Sauerstoff aus Togo sein?
#3 am 22.04.2016 von Gast
  0
Gast
mehr Einsatz Doktorin!
#2 am 22.04.2016 von Gast
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Gast
Ist immer wieder interessant wie jemand, der den Patienten nie gesehen hat, über sein Wohl entscheidet.
#1 am 12.04.2016 von Gast
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