Effiziente Schmerztherapie bei chronischen, nicht-malignen (ohne Tumor bedingten) Schmerzen

08.04.2016
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…wie sie häufig auftreten beim Bewegungsapparat, wie Arthrose,  bei chronischen Rückenschmerzen, bei Osteoporose, aber auch bei Gürtelrose(Herpes Zoster), da müssen auch die Schmerzmittel der 3. Stufe (nach WHO), die Opiate, also Morphin und seine Derivate, in Betracht gezogen werden. Wenn die bisher verwendeten Schmerzmittel der 1. Stufe wie Paracetamol (Dafalgan), und die nicht-steroidalen Entzündungshemmer vom Typ Diclofenac,  Ibuprofen und Aspirin bzw Metamizol, auch nach Dosiserhöhung, nicht mehr oder zu wenig wirksam sind, dann sollten die Opiate verwendet werden. Auch der Einsatz von Cortisol durch Injektion direkt ins Gelenk mittels Depotspritze kann hilfreich sein. Unterstützend können auch Medikamente sein, die gegen Depressionen verwendet werden, dann aber in bedeutend geringeren Dosen; z.B. auch bei Weichteilrheumatismus, Fibromyalgie (bei der Opiate kaum wirken).

Definition

Zur Definition „nicht-maligner“ Schmerzen: Da handelt es sich um starke chronische Schmerzen, deren Ursache nicht ein Tumor ist, sondern Schmerzen infolge eines Traumas (Unfall) bzw altersbedingter Abnützung der Gelenke (v.a. Knie, Hüften, Schulter, Rücken).

Einsatz von Schmerzmitteln

Es gilt zu beachten, dass der Einsatz von Schmerzmitteln, die zu den wirksamsten Mitteln der Schmerzbehandlung gehören, nicht alleine eingesetzt werden sollten, sondern wenn möglich auch die Physiotherapie, Massage und Bewegung (Spaziergänge in der Natur, Schwimmen und evtl. der Hometrainer) sollten eine wichtige Rolle spielen.--- Ferner muss es dem Hausarzt und dem Spezialisten(Orthopäden) vorbehalten bleiben, ob evtl. ein invasiver Eingriff (Operation) das Problem des chronischen Schmerzes beheben bzw. die Ursache  beseitigen kann. Auch hier gilt das Prinzip: Korrekte Diagnose und nach Möglichkeit Behebung der Schmerzursache, bevor mit einer intensiven, langanhaltenden Schmerztherapie begonnen wird.

Vorteil der Opiate

Der Vorteil der Opiate, nebst deren guter Wirksamkeit, sind die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten, v.a. oral in Form von Retardtabletten mit 12h Wirkung (also nur 1 Tablette am Morgen, 1 am Abend), aber auch in Pflasterform (zB Fentanylpflaster) oder in gewissen Fällen durch rückenmarksnahe Applikation geringer Dosen (intrathekal), gesteuert durch ein kleines Gerät, einer Schmerzpumpe). Besprechen Sie all diese Möglichkeiten mit ihrem Arzt und Apotheker.

Ein weiterer Vorteil der Opiate ist auch, dass diese eine geringe bis keine Organtoxizität aufweisen, also im Gegensatz zu den oben erwähnten Schmerzmitteln der 1. Stufe, weder die Leber noch die Nieren schädigen, und dies auch bei Anwendung in hohen Dosen über Monate und Jahre.

Nebenwirkungen

Dieser guten Langzeitverträglichkeit steht aber leider eine etwas weniger gute Anfangsverträglichkeit gegenüber, dh in der Phase des langsamen Aufbaus eines wirksamen Blutspiegels (Titration) können sich individuell kurzfristige aber unangenehme Unverträglichkeiten einstellen, denen aber weitgehend vorgebeugt werden kann, um das Absetzen dieser vielversprechenden Langzeit-Schmerztherapie zu vermeiden; allenfalls kann auch das Opiat gewechselt werden.

Zu diesen Vorbeugungsmassnahmen gegen das Auftreten von unangenehmen Nebenwirkungen wie initialer Übelkeit (Nausea) und/oder Erbrechen, Schläfrigkeit + Müdigkeit (Sedation) und v.a. Verstopfung, müssen zu Beginn (während ca 1-2 Wochen) gewisse andere Begleit-Medikamente hinzugefügt werden, wie Antiemetika (gegen Übelkeit und Erbrechen), und zwingend immer ein Abführmittel gegen die Verstopfung; diese letzteren während der ganzen Dauer der Opiat-Schmerztherapie.

Es gilt aber festzuhalten, dass diese initialen, unangenehmen Nebenwirkungen (die aber nicht bei jedem Patient auftreten!), sich meist nur zu Beginn der Therapie bemerkbar machen (mit Ausnahme der Verstopfung infolge Darmträgheit), und danach langsam nachlassen, dh der Körper gewöhnt sich, im positiven Sinne, an diese Schmerzmittel, die Nebenwirkungen verschwinden zunehmend( v.a. die initiale Schläfrigkeit und die Übelkeit); danach fühlt sich der Patient gut, schmerzarm bzw. evtl. sogar schmerzfrei.---Allerdings  gelingt es nicht in jedem Fall, die starken chronischen nicht-malignen Schmerzen zu 100 % zu eliminieren, aber nur schon eine Reduktion von über 50% bedeutet die Rückgewinnung einer besseren Lebensqualität; und das muss das Ziel sein.

Wichtig ist auch, dass der Patient einen guten Kontakt und Info-Austausch mit seinem Arzt, Apotheker, Physiotherapeuten etc. behält, damit seine Motivation und Therapie-Disziplin hoch bleiben. So wird es evtl. möglich sein, im Laufe einer langfristigen Therapie die Dosis der Schmerzmittel zu reduzieren. Auch die Kombination der Opiate (Morphin, Oxycodon) mit Stufe 1 Schmerzmitteln wie Paracetamol und vorübergehend nicht-steroidalen Entzündungshemmern (z.B. Diclofenac, Ibuprofen), ist vielversprechend und sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. So können die Dosierungen aller beteiligten Medikamente relativ tief gehalten werden.

Praktische Hinweise

Zusammenfassend ein paar unverzichtbare praktische Hinweise für eine erfolgreiche Opiat-Therapie bei chronischen nicht-malignen Schmerzen

 

 

Die Einhaltung dieser Grundregeln erhöht die Erfolgsrate der Opiat-Therapie entscheidend.

Ferner muss darauf hingewiesen werden, dass die früher viel diskutierte Suchtgefahr der Opiate bei der heutigen Schmerztherapie kaum besteht. Die Gründe sind die folgenden:  Der Schmerzpatient sucht nicht die Euphorie (wie ein Drogenabhängiger), sein Ziel und die Motivation ist allein die Schmerzstillung. Der Schmerzpatient hat also ein ganz anderes Persönlichkeitsprofil als der „Junkee“. ---Ein weiterer wichtiger Grund, weshalb bei dieser Art der Schmerztherapie keine Sucht auftritt: Opiate zur Schmerzlinderung werden heute meist in oraler und noch dazu in Retard-Form (bzw als Pflaster) appliziert , was so viel bedeutet wie langsame Anflutung des Wirkstoffes ins zentrale Nervensystem (va ins Gehirn), und dies noch dazu in der geringst möglichen wirksamen Dosis. Ganz anders beim Süchtigen, der sich das Opiat (noch dazu in zu hoher Dosis!), meist iv spritzt, was zu einer raschen Anflutung ins Gehirn und damit zu Euphorie und schliesslich zu physischer und psychischer  Abhängigkeit, d.h. Sucht, führt.

Fazit

Ein Patient mit chronischen Schmerzen, gleich welcher Art, läuft bei Opiattherapie also keine Gefahr süchtig zu werden. Er hat aber heute die Möglichkeit seine Schmerzen des Bewegungsapparats auch mittels Einsatz von Opiaten weitgehend unter Kontrolle zu bringen: Die Lebensqualität kann damit entscheidend verbessert werden.

Diese Ausführungen dienen als wesentliche Ergänzung zur vorgeschlagenen Schmerztherapie bei  „Arthrose“, „Osteoporose“, und „chronischen Rückenschmerzen“.

Zitate zur Schmerzbehandlung

 Zum Schluss noch ein paar Zitate zur Schmerzbehandlung:

“Schmerz muss nicht sein. Schmerz kann Leben retten. Hat er jedoch seine Warnfunktion erfüllt, ist er ohne Wert und kann das Leben unerträglich machen.“ (Eckhard Beubler)

Ein Hinweis zur Kostenfrage: „Eine adäquate  Opiattherapie spart Kosten“; sie wird daher in allen Ländern von den Krankenkassen übernommen/erstattet. (Schmerz-News vom 10. Welt-Schmerzkongress 2002 in San Diego, Wolfgang Schleinzer, Paraplegiker-Schmerzzentrum Nottwil/Schweiz).

„Die Verbesserung der Lebensqualität durch Schmerzfreiheit ist das Recht jedes Menschen.“ (Kompendium der medikamentösen Schmerztherapie, Eckhard Beubler)

 

Bibliographie:

„Opiate—Stiefkinder der Schmerztherapie“; Thomas Ferber, Ars Medici 11/2002; „Use of Opioids for the Treatment of Pain“; American Pain Society, 2001; „Sind Schmerzen immer ausreichend behandelt?-Wenn Gerichte entscheiden müssen“, Medical Tribune, Nr 5, 1.2.2002; „Schmerzmanagement beim älteren Patienten“; Markus Felder, Stephan Krähenbühl, Roland Kunz, Markus Lampert, Friedrich Stiefel, Broschüre 2007; „Kompendium der medikamentösen Schmerztherapie: Wirkungen, Nebenwirkungen und Kombinationsmöglichkeiten“, Eckhard Beubler, Springer Verlag, 1999; „dolor 03.2“: Intrathekale Schmerzpumpen“, Otto Ingold, Schweiz Gesellschaft zum Studium des Schmerzes, 2002.

 

Bildquelle: © Fotolia.com - Urheber: Picture-Factory

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.04.2016.

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Medizin, Allgemeinmedizin
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