Superungesundfood?

04.04.2016
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Als sogenanntes Superfood werden Lebensmittel, die angeblich Gesundheitsvorteile versprechen, gewinnbringend vermarket. Eine Untersuchung der Zeitschrift Ökotest brachte jetzt eher unappetitliche Ergebnisse zu Tage.

Superfood ist derzeit ähnlich en vogue wie vegane Ernährung und wird vor allem auch von besonders Gesundheitsbewusten, Vegetariern/Veganern und Sportlern konsumiert:

Die glutenfreien und geschmacksneutralen Chiasamen sollen reich an Antioxidantien, Proteinen, Ballaststoffen, VitaminenMineralstoffen und Omega-3-Fettsäuren sein, den Glukosespiegel im Blut positiv beeinflussen, das Myokardinfarkt- und Apoplexrisiko senken und sogar beim Abnehmen helfen.

Hanfsamen und das daraus gewonnen Öl sollen ebenfalls reichlich Calcium, Kalium, Magnesium, Schwefel und Eisen, die Vitamine A, B, C, D und E, außerdem Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, Gamma-Linolensäure sowie viele Antioxidantien enthalten und dadurch Müdigkeit vertreiben und ein langes Leben fördern, indem sie unter anderem das Karzinomrisiko senken.

Die roten Früchte des Gemeinen Bocksdorn (botanisch: Lycium barbarum), besser bekannt unter den Namen Gojibeeren, spielen bereits in der traditionellen chinesischen Medizin eine Rolle und sollen aufgrund ihres Gehalts an essentiellen Aminosäuren, den Vitaminen C, B-Komplex, Eisen, Spurenelementen und pflanzlichen Antioxidantien unter anderem das Immunsystem stärken, den Körper entgiften und natürlich ebenfalls das Krebsrisiko reduzieren.

Aber auch Aҫaibeeren, Heidelbeeren, verschiedene Algensorten wie Spirulina und Kakaobohnen werden zu Superfood gezählt. Kolportiert werden positive Wirkungen bei Arthrose, erektiler Dysfunktion, Hypercholesterinämie oder Adipositas.

Wahre Wundermittel also und ganz natürlich.

Tatsächlich sind diese Effekte teilweise wissenschaftlich nachgewiesen, wobei es fraglich ist, inwieweit sich solche Studienergebnisse, die unter Laborbedingungen, mit Tierversuchen oder unter Verabreichung sehr hohen Dosen gewonnen wurden, auf echte Ernährungsweisen übertragen lassen. Eine solide Datenbasis im Sinne von Evidence Based Medicine gibt es kaum. Dafür können aber allergische Reaktionen drohen.

Interessant ist daher eine aktuelle Untersuchung der renomierten Verbraucherzeitschrift Öko-Test, die teils beunruhigende Ergebnisse erbrachte und somit Zweifel an der positiven Wirkung von Bio-Superfood nähren. Untersucht wurden unter anderem Rohkakao, Hanfprodukte, Chiasamen und Gojibeeren. Dabei fand man Pestizidrückstände, Cadmium sowie eine Belastung mit Mineralölen und Schimmel und Enterobakterien. In zwei Drittel der untersuchten 22 Produkte fiel das Testurteil daher vernichtend aus.


Das Resümee der Ökotester: „Superfoods sind überflüssig, denn normale Lebensmittel versorgen uns mit allen Nährstoffen, die wir brauchen. Umso schlimmer, wenn viele Superfoods auch noch hoch mit Mineralöl, Cadmium, Blei oder PAK belastet sind, sodass nur ein ‚Ungenügend' bleibt.“

Auch die Umweltbilanz dieser Lebensmittel ist nicht unbedingt erfreulich, da es sich in der Regel nicht um regionale Produkte handelt, sondern eher um exotische, aufwendig importierte Früchte. Zusammen mit den versprochenen Wirkungen resultieren denn auch saftige Preise mit einer sicherlich hohen Gewinnspanne für den Einzelhandel.

Food for thought...

Artikel letztmalig aktualisiert am 05.04.2016.

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Gast
Bei uns ist die Hirse an Spurenelementen und reich an Mineralien und sind auch Himbeeren Stachelbeeren gesund. Man sollte auch an die Einheimischen Kräfte die in unserem Grund und Boden stecken nicht verzichten müssen. Zudem gibt es nicht zu allen Jahreszeiten alles , ausser man importiert es aus anderen Regionen. Manchmal ist das doppelt gemoppelt und zuviel , manchmal aber auch sinnvoll wenn es sonst zuwenig wäre.-
#7 am 07.04.2016 von Gast
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Gast
ich habe Gojibeeren im Garten, 2 Stück im letzten Jahr. Vielleicht sollte ich auch Chiasamen aussähen... oder einfach doch lieber die Himbeeren essen.
#6 am 06.04.2016 von Gast
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Gast
Superfood und Umweltbilanz: Chiasamen schaffen sehr viele Arbeitsplätze für Kleinbauern in ungünstigen Klimaregionen. Diese Umweltbilanz ist sehr gut. Ein sehr hochwertiges und transportstabiles Lebensmittel! Die dritte Welt ist nicht schuld an ihrer Umweltverschmutzung, da sollten wir eher an unsere Agrochemie und aus der ersten und zweiten Welt verlagerte Industrie denken.
#5 am 05.04.2016 von Gast
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Gast
Es gibt halt Superfood. Das soll "Zerofood" überlebbar machen. Zerofood Nr. 1: Die Milchprodukte. Bei Genfütterung statt Weide keine Omega-3-Fettsäuren mehr und dank ESL oder H-Milch auch kein Lactoferrin mehr. Lactoferrin ist absolut (über-) lebensnotwendig für alle Säugetiere. Es gibt keine unterschiedlichen Formen, jede Veränderung dürfte also tödlich sein. Lactoferrinfrei aufgezogene Mäuse werden nach einigen Generationen unfruchtbar. Pille oder H-Milch? H-Milch ist wohl sicherer.
#4 am 05.04.2016 von Gast
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Gast
Heimischer Sanddorn schlägt die "Früchtchen mit Migrationshintergrund" und heimisches Leinöl beschert uns den höchsten Omega-3-Fettsäuregehalt. Sieh das Gute liegt so nah...aber Reformhaus&Co brauchen halt alle halbe Jahr einen neuen eye-catcher...
#3 am 05.04.2016 von Gast
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Gast
anstatt irgnewelche importierten Beeren oder Samen aus China oder sonstwoher zu kaufen,kann man ja auch einfach heimische Heidelbeeren oder Himbeeren oder selbstgezogene Aroniabeeren essen.Wobei die Aroniabeeren nur in kleinen Mengen verzehrt werden sollen,aber sie gedeihen hier in unserem Klima vorzüglich und sind,insbesondere wenn man Zucker vermeiden muss,eine echte Bereicherung.Ausserdem gibts soviele heimische Gemüse,dass wir solche Superfoods eigentlich gar nicht benötigen. Lassen wir die stark verarbeiteten Lebensmitteil einfach weg und kochen uns unsere Speisen selber frisch,dann brauch wir Superfoods sicherlich nicht zu kaufen. Es war doch noch nie so einfach,soviele frische Produkte in solcher Fülle einzukaufen oder sich sogar nach Hause bringen zu lassen.
#2 am 05.04.2016 von Gast
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Gast
"Auch die Umweltbilanz dieser Lebensmittel ist nicht unbedingt erfreulich, da es sich in der Regel nicht um regionale Produkte handelt, sondern eher um exotische, aufwendig importierte Früchte." - Der ist gut! Pööse, pööse Chiasamen... Dann doch lieber Banane, Mango, Zitrone, Flugananas, spanische Erbeeren...............
#1 am 05.04.2016 von Gast
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