Adhärenz bei Asthma-Patienten: Welche Rolle spielen Krankheits-Wahrnehmung und Vertrauen in Medikation?

26.03.2016
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Inzwischen bereichern drei Begriffe die Diskussion um eine gelingende Behandler-Patienten-Kommunikation: Konkordanz – Adhärenz – Compliance. Compliance im Sinne von "Therapietreue" betont einseitig die Verantwortung des Patienten für das Befolgen der Therapieempfehlungen.

Der Begriff Adhärenz bezeichnet in Medizin und Gesundheitswissenschaft die Einhaltung der gemeinsam vom Patienten und dem medizinischen Fachpersonal gesetzten Therapieziele. Das Adhärenz-Konzept geht davon aus, daß medizinisches Fachpersonal und Patienten eine gemeinsame Verantwortung für das Einhalten von Therapieplänen und damit für den Therapieerfolg tragen. Beide Seiten sollen gleichberechtigt zusammenarbeiten und zu einer gemeinsam verantworteten Übereinkunft kommen. Die so gewonnene Übereinkunft wird als Konkordanz bezeichnet.

Zum Leidwesen der Behandler - und häufig zum Nachteil der Behandelten - ist die Adhärenz von Patienten im Hinblick auf Therapieempfehlungen keineswegs selbstverständlich. Bei chronischen Krankheiten ist nur jeder zweite Patient adhärent. 30-70% der Asthmatiker sind non-adhärent.

 

Adhärenz - was hat Einfluß?

Die WHO unterscheidet fünf Adhärenz-Faktoren:

Auf Seiten der Behandler beschränkt die begrenzte Zeit für Patienten-Gespräche die Möglichkeit, Adhärenz-Probleme zu identifizieren und zu thematisieren. Es ist also wünschenswert, unterschiedliche Adhärenz-Cluster mit distinkten Charakteristika zu ermitteln. Patienten können diesen Clustern zugeordnet und bei Bedarf jeweils gezielten Interventionen zugeführt werden.

Zu diesem Zweck untersuchten Unni E et Shiyanbola O (2016) mittels Online-Befragungen die Adhärenz von Asthma-Patienten mit Dauermedikation.

Ihre Studienziele umfaßten:

Als Meßinstrumente dienten:

 

Adhärenz-Cluster - wie unterscheiden sie sich?

Von den 392 befragten erwachsenen Asthmatikern waren 55% non-adhärent. Interessant ist die Einteilung in fünf Adhärenz-Cluster, von denen nur die beiden ersten adhärentes Verhalten umfassen.

 

Die einzelnen Cluster zeigen typische Unterschiede in den Bereichen

 

Adhärenz-Interventionen - welche Strategie paßt für wen?

Basierend auf den Studienergebnissen empfehlen die Autoren "watchful waiting" und kontinuierliches "Empowerment" für die Cluster 2 und 3. Für die Cluster 4 und 5 sind maßgeschneiderte Adhärenz-Interventionen notwendig. Die rational begründete Adhärenz der Patienten" aus Cluster 1 scheint ohne Intervention stabil.

Die Patienten der "Skepsis-Gruppe" (Cluster 5) zeigen die stärkste Non-Adhärenz und sind möglicherweise am schwierigsten zu erreichen. Sie waren in der Studie die jüngsten (durchschnittlich 44.94 Jahre), hatten am häufigsten unkontrolliertes Asthma, geringe Selbstwirksamkeits-Erwartungen, wenig soziale Unterstützung und eine niedrigere Bildung. Motivierende Gesprächsführung und gezielte SMS-Interventionen (mit Fokus auf Vorbehalte gegen die Behandlung) erscheinen sinnvoll.

Die Patieten der "Ambivalenz-Gruppe" (Cluster 4) leiden unter starken und folgeschweren Symptomen. Dies ist wahrscheinlich der Grund für ihr geringes Vertrauen in die Medikation und in die eigenen Möglichkeiten der Krankheits-Kontrolle. Sie benötigen personalisierte psychoedukative Interventionen, die auf diese Ursachen ihrer Non-Adhärenz fokussieren.

 

Was tun, wenn Adhärenz allein nicht reicht?

Wenn Asthma-Exazerbationen oder der Krankheits-Progreß durch ausgeprägte psychosoziale Belastungen verursacht werden, reichen die oben angeführten Interventionen oftmals nicht aus. Dann sind zusätzlich differenzierte psychosomatische Behandlungsansätze notwendig.

 

 

 

 

 

Bildquelle: Privat

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.03.2016.

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