Kopiererreparierer – Der Krieg der Kopierer geht weiter

13.03.2016
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„Bitte Papierprogramm beenden“, flötete eine freundliche Frauenstimme aus dem interaktiven Kopiergerät und diesmal war es nicht meine Schuld. „Ja“, sagte mir die Krankenschwester verzweifelt, „ich wollte nur diese Formular doppelseitig in Farbe ausdrucken und jetzt macht das Gerät gar nichts mehr.“ (Abgesehen vom Befehl, das Papierprogramm zu beenden!!)

Die Tasten „Abbruch“ und „Auftrag beenden“ schienen sich weiterhin nur zur Dekoration am Gerät zu befinden und gaben bei Betätigung nur ein protestierendes „Piep“ von sich. Ich unternahm einen Versuch, indem ich das Gerät ausschaltete, wurde beim Wiederanschalten aber sofort von einem erneuten „Bitte Papierprogramm beenden“ begrüßt.

„Hm naja“, dachte ich, „kopiere ich diesen Befund halt später“, und überließ weiteren Schwestern das Feld. Im Laufe der nächsten Stunde wiederholte nun jeder Anwesende auf exakt gleiche Weise dieses Reparaturvorgehen. Erfolglos.

„Die EDV sagt, sie hilft uns nicht“, jammerte meine Krankenschwester und verschwand in ein Patientenzimmer. Da war ich dann alleine mit dem renitenten Kopierer, der dadurch nicht leiser wurde.

 

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Dies nicht als künftigen Dauerzustand akzeptierend, rief ich nun ebenfalls die EDV an. „Gnom“, sagte ein grimmiger EDV-Mensch, „schauen sie doch in der Bedienungsanleitung im Intranet nach!“

Hier sollte man erwähnen, dass das Intranet des Klinikum Beteigeuze mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Information darüber enthält, wie man mit einfachen Hausmitteln in einer Einbauküche eine nukleare Kernfusion starten kann oder zumindest eine vollfunktionsfähige Wetterstation mithilfe eines lebendigen Breitmaulfrosches konstruiert. Man müsste diese Information zwischen den bunten Buttons, Links und Listen voller PDF-Dokumente halt nur finden.

Ich starrte auf den Computer neben mir und versuchte auf der Intranetstartseite das Wort EDV zu erkennen. Dies war nicht möglich, da jemand in die Startseite ein stilvolles Gedicht passend zur aktuellen Jahreszeit implementiert hatte, welches alle Buttons nach sonstwohin verschoben hatte.

„Ähm“, sagte ich zum EVDler, „sie haben ja vermutlich eine EDV-Ausbildung. Und ich arbeite hier so als Arzt und bevor ich jetzt anfange eine 200-seitige Anleitung zu suchen, zu lesen, um dann den Kopierer selbstständig umzuprogrammieren, da wäre es echt nett wenn nicht ich, sondern sie, den man jetzt ja für den EDV-Teil eingestellt hat, also wenn sie dann halt den Kopierer reparieren und ich gehe zurück meine Patienten betreuen.“

„Grmbl, grmbl“, sagte der EDV-Mensch, der vermutlich gerade das Gedicht auf Intranetstartseite las, „komm‘ ich halt vorbei.“

Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.03.2016.

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Gast
Das Problem ist, dass "EDV-Menschen" in aller Regel nichts mit Kopierern und Druckern zu tun haben. Nicht alles, wo ein Stecker dran ist, ist Eh-De-Vau. Da ein Kopierer/Multifunktionsgerät heute überwiegend wartungsintensive Mechanik enthält, haben die meisten Unternehmen und Kliniken ihren Druckersupport inklusive des Verbrauchsmaterial-Managements an spezialisierte Dienstleister ausgelagert. Der IT-Abteilung obliegt somit allenfalls die erstmalige Integration ins Netzwerk. Für alles andere steht (meistens) eine Telefonnummer am Gerät. Arbeitsteilung und Spezialisierung gilt nicht nur für Ärzte. Sonst würde man nicht auf einen Kardiologen-Termin 6 Monate warten, weil der Augenarzt von nebenan mit einspringen kann. Oder noch besser, der Hausarzt alle anderen fachärztlichen Aspekte mit abwickeln würde.
#1 am 04.04.2016 von Gast
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