Saluretika bei Hypertonie - HCT vs. Chlorthalidon

27.02.2016
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Die vorliegende Studie ist nicht nur wissenschafts- und erkenntnistheoretisch seltsam – sie ist auch in ihrer öffentlichen und professionellen Wahrnehmung durch hypertensiologische Experten befremdlich. Sie beinhaltet ganz banal eine Untersuchung über ‚Die Effektivität von niedrig dosiertem Chlorthalidon und Hydrochlorothiazid, erhoben durch ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung‘

Publiziert wurde diese Untersuchung von Pareek AK, et al: J Am Coll Cardiol. 2. Februar 2016 als „Original Investigation | February 2016“ mit dem Titel „Efficacy of Low-Dose Chlorthalidone and Hydrochlorothiazide as Assessed by 24-h Ambulatory Blood Pressure Monitoring“.

[„Objectives - This study compared chlorthalidone, 6.25 mg daily, with HCTZ, 12.5 mg daily, by 24-h ambulatory blood pressure (ABP) monitoring and evaluated efficacy. Because HCTZ has been perceived as a short-acting drug, a third comparison with an extended-release formulation (HCTZ-controlled release [CR]) was added.
 Methods - This 12-week comparative, double-blind, outpatient study randomized 54 patients with stage 1 hypertension to receive either chlorthalidone, 6.25 mg, (n = 16); HCTZ 12.5 mg (n = 18); or HCTZ-CR 12.5 mg (n = 20). ABP monitoring was performed at baseline and after 4 and 12 weeks of therapy.“]

Der völlig unkritische Audio-Kommentar dazu [„Listen to this manuscript's audio summary by JACC Editor-in-Chief Dr. Valentin Fuster“] von Dr. Valentin Fuster, Chefredakteur des JACC, ist meines Erachtens suspekt: Denn aus diesen ausgesprochen dürftigen Studiendaten ohne jegliche Einschätzung der Langzeiteffekte, Komplikationen, Wirkungen, Interaktionen, Verträglichkeit, Compliance und Adhärenz kann man weder auf Morbiditäts- oder gar Mortalitätsdaten schließen.

Geradezu abenteuerlich und verwegen beliebig ist der Kommentar zu dieser Studie von Sternlicht H, Bakris GL: J Am Coll Cardiol. 2016 mit dem Titel:

„Hydrochlorothiazide as the Diuretic of Choice for Hypertension: Time to Kick the Habit“. Ohne auch nur eine einzige Spur harter Endpunktdaten vorweisen zu können, wird hier in einer törichten Ausdrucksweise die völlige Abkehr [„Kick the Habit“] von der bisher durch Langzeitstudien belegten Praxis der HCTZ-Kombinationstherapien gefordert:

Das darf doch nicht wahr sein!

Vgl. auch meine Kritik an der SPRINT-Hypertonie-Studie (Systolic Blood Pressure Intervention Trial) in meinem Blog auf DocCheck.

Bildquelle: Tbl.-Blisterstreifen Copyright Praxis Dr. Schätzler

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.03.2016.

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Gast
Wunderbar aufbereitet, was da doch immer wieder für ein Unsinnn läuft. Dr B.-P. Lodde
#8 am 13.03.2016 von Gast
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Danke für die ALHAT-Steilvorlage! Thiazide bzw. Thiazidanaloga wie Chlorthalidon werden in den USA vom „Joint National Committee (JNC) für Prevention, Detection, Evaluation and Treatment of High Blood Pressure“ als Erstlinien-Therapie oder als bevorzugt einzusetzende Substanzen in der Behandlung der essentiellen arteriellen Hypertonie empfohlen. Das ist richtig. Aber die hier von #4 und #5 zitierte ALLHAT-Studie http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=195626 welche Nichtunterlegenheit und Wirksamkeit hinsichtlich Reduktion kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität bei Chlorthalidon dokumentieren wollte, war mit einem Anteil von über 40 Prozent Afro-Amerikanern viel zu kurz. Die in ALLHAT bei Farbigen mit verglichene ACE-Hemmer-Therapie konnte schon aus genetischen Gründen im RAS (Renin-Angiotensin-System) nicht funktionieren. Die zusätzlich eingesetzte Kalzium-Kanal-Blocker-Therapie blieb in ALLHAT nur wegen begleitender KHK sinnvoll.
#7 am 06.03.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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["Major Outcomes in High-Risk Hypertensive Patients Randomized to Angiotensin-Converting Enzyme Inhibitor or Calcium Channel Blocker vs. Diuretic - The Antihypertensive and Lipid-Lowering Treatment to Prevent Heart Attack Trial (ALLHAT)"]. ALLHAT war zusätzlich mit der Lipid-Behandlungsproblematik überfrachtet. Compliance- und Adhärenz-Probleme führen bei Diuretika-Monotherapie-Studien zu "drop-outs". Forcierte Salurese führt zu Teilhabe-Problemen im beruflichen, privaten und sozialen Bereich. Kalium- und Natrium-Verluste führen langfristig zu Nebenwirkungen, mehr Labor-Kontrollen, Mineralstoff-Substitution, Erhöhung der Diabetes-Inzidenz und "drug-holydays" bei wichtigen Terminen. Bluthochdruck-Therapien als "first-line" allein mit Diuretika durchzuführen, wie es US-Leitlinien empfehlen, ist m. E. längst obsolet bzw. in Europa nicht "state-of-the-art"! In meiner 24-jährigen HA-Praxis gab es keine Saluretika-Monotherapie-Empfehlung aus einer klinischen Hypertensiologie/FA-Praxis.
#6 am 06.03.2016 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Anonymer Nutzer
#5 am 06.03.2016 von Anonymer Nutzer (Gast)
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Dr. Gröchenig
Vielleicht wäre es gut wenn Dr. Schätzler sich einmal die gesamte Literatur zum Thema Chlortalidon ansehen würde. Dann würde er erkennen (v.a durch die ALLHAT und ACCOMPLISH Studien) dass kaum ein Diuretikum bessere Langzeit- und Effektivitätsdaten aufzuweisen hat als Chlortalidon.
#4 am 06.03.2016 von Dr. Gröchenig (Gast)
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Gast
Saluretika für die Hypertonie sind generell nicht ganz ohne. Hyponatriämie und Hypovolämie sind oft schlimmer gerade bei alten Menschen als die Hypertonie.
#3 am 04.03.2016 von Gast
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Ulrich Frieling
Ich schließe mich an - danke Herr Schätzler! Ist ja grausam, was da geboten wird. 12 Wochen und 16 Patienten. Da ist die Doktorarbeit von Frau von der Leyen ja noch Gold gegen :-)
#2 am 01.03.2016 von Ulrich Frieling (Gast)
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Gast
schön, dass wenigstens noch einer aupaßt, dass der Blödsinn als solcher auch sichtbar wird.
#1 am 01.03.2016 von Gast
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