PR: Diabetes und Sehverlust

17.02.2016
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Gutenberg-Gesundheitsstudie der Universitätsmedizin Mainz liefert erstmals fundierte Zahlen für Deutschland

Allein in der Altersgruppe von 35 bis 74 Jahren sind mehr als 140.000 Menschen in Deutschland von Sehverlust durch die Blutzuckererkrankung Diabetes mellitus bedroht. Diese Hochrechnung beruht auf einer Studie der Universitätsmedizin Mainz, die erstmalig fundierte Zahlen für Deutschland liefert. Im Rahmen der Gutenberg-Gesundheitsstudie haben die Wissenschaftler mehr als 15.000 Menschen aus der Region untersucht. Dabei stellten sie fest, dass etwa 20 Prozent der Menschen mit Diabetes an einer Schädigung der Netzhaut leiden. Fünf Prozent sind von einer fortgeschrittenen Form betroffen, welche die Sehfähigkeit sogar erheblich bedroht – dies entspricht hochgerechnet der oben genannten Zahl von mehr als 140.000 Menschen zwischen 35 und 74 Jahren. Die Ergebnisse der Studie wurden in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS ONE der Public Library of Science veröffentlicht.

In Deutschland sind über alle Altersgruppen betrachtet etwa acht Prozent der Menschen von Diabetes mellitus betroffen. Bei dieser chronischen Erkrankung ist die Steuerung des Blutzuckerspiegels gestört. Als Langzeitfolge kann der über Jahre erhöhte Blutzuckerspiegel die Blutgefäße schädigen und Durchblutungsstörungen verursachen. Sind die feinen Adern betroffen, welche die Netzhaut des Auges versorgen, spricht man von einer diabetischen Netzhauterkrankung. Schreitet die Erkrankung fort, droht der Verlust der Sehfähigkeit. Die bisherigen Schätzungen zur Zahl der Menschen in Deutschland, denen ein solcher Diabetes-bedingter Sehverlust droht, waren sehr ungenau. Sie beruhten auf Zahlen aus dem Ausland, die mit Deutschland aufgrund anderer Lebensgewohnheiten und anderer Gesundheitsversorgungs-Systeme kaum vergleichbar sind. „Die Anlage der Gutenberg-Gesundheitsstudie ermöglicht es, die Ergebnisse auf die Allgemeinbevölkerung in Deutschland zu übertragen, so dass nun erstmals eine verlässliche Zahl vorliegt. Demnach sind allein in der untersuchten Studiengruppe im Alter zwischen 35 und 74 Jahren mehr als 142.000 Menschen von schweren Diabetes-bedingten Sehschäden betroffen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik und Poliklinik an der Universitätsmedizin Mainz, der die Studie mit ins Leben gerufen hat.

Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Studie: Jeder vierte Studienteilnehmer, bei dem erhöhte Blutzuckerwerte festgestellt wurden, wusste nichts von seiner Diabetes-Erkrankung. Auch bei diesen Teilnehmern traten bereits frühe Formen der Netzhautschädigung auf. „Das unterstreicht die Bedeutung der Früherkennung, denn je eher der erhöhte Blutzuckerspiegel behandelt wird, desto geringer ist das Risiko für Spätfolgen“, sagt Alireza Mirshahi, Professor für Augenheilkunde, Forscher an der Universitäts-Augenklinik Mainz und inzwischen Direktor der Augenklinik Dardenne in Bonn, der die Untersuchung geleitet hatte. Die Auswertung der Daten zeigte ferner, dass das Risiko für eine diabetische Netzhautschädigung mit dem Alter und der Erkrankungsdauer steigt und bei erhöhtem Blutdruck größer ist.

„In einem nächsten Schritt sollen nun Früherkennungsmaßnahmen aus den Studienergebnissen abgeleitet werden, die auch neueste technische Untersuchungen einschließen“, so Professor Pfeiffer. „So könnte in Zukunft wohl ein großer Teil der drohenden Sehverschlechterung oder gar Erblindung abgewendet werden.“

 

Über die Gutenberg-Gesundheitsstudie

Die Gutenberg-Gesundheitsstudie ist eine groß angelegte, prospektive und repräsentative Bevölkerungsstudie. Im Rahmen des Projektes wird der Gesundheitszustand der Bevölkerung in der Rhein-Main-Region untersucht. Ein Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der Herz-Kreislauf-Gesundheit. Es werden aber auch Krebserkrankungen, Augenerkrankungen sowie Erkrankungen des Immunsystems, des Stoffwechsels und der Psyche untersucht. Aus augenheilkundlicher Sicht ist die Studie von besonderer Bedeutung: Sie ermöglicht erstmals, zu zahlreichen Augenerkrankungen relevante und zuverlässige Daten für Deutschland zu erheben.

In den Jahren 2007 bis 2012 wurden über 15.000 Personen aus einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe in die Studie eingeschlossen und im Studienzentrum untersucht. In den folgenden Jahren wird die gesundheitliche Entwicklung sowie der Verlauf von aufgetretenen Erkrankungen der Teilnehmer erfasst.

Die interdisziplinäre Studie wird von der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt und profitiert von einer hohen inneruniversitären Vernetzung sowie von der Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von nationalen und internationalen Kooperationspartnern. Zahlreiche Kliniken und Institute der Universitätsmedizin Mainz sind an der Planung, Organisation und Durchführung der Studie beteiligt. Insgesamt arbeiten über 100 Studienmitarbeiter und Wissenschaftler am Gelingen dieses Großprojekts.

Weitere Informationen


Originalpublikation

Prevalence and cardiovascular associations of diabetic retinopathy and maculopathy: Results from the Gutenberg Health Study; P. Raum, J. Lamparter, K. A. Ponto, T. Peto, R. Hoehn, A. Schulz, A. Schneider, P. Wild, N. Pfeiffer, A. Mirshahi (2015). PLOS ONE 10(6): e0127188.

doi: 10.1371/journal.pone.0127188; dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0127188

Kontakt

Univ.-Prof. Dr. Norbert Pfeiffer,
Direktor der Augenklinik, Universitätsmedizin Mainz,
Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz,
Tel: +49 6131 177085, Fax: +49 6131 176620,
E-Mail: norbert.pfeiffer@unimedizin-mainz.de

Prof. Dr. med. Alireza Mirshahi,
Augenklinik Dardenne SE (Dardenne Eye Hospital),
Friedrich-Ebert-Str. 23-25, 53177 Bonn,
Tel. +49 228 8303 344, Fax. +49 228 8303 388,
E-Mail: dr.mirshahi@gmail.com

 

Pressekontakt
Dr. Renée Dillinger-Reiter,
Stabsstelle Kommunikation und Presse, Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131  17-7424, Fax 06131  17-3496,
E-Mail:  pr@unimedizin-mainz.de

 

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

 

Bildquelle: Uwe Hermann / Flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 30.03.2016.

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