Zikavirus-Nachweis im fötalen Gehirn

15.02.2016
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Noch immer tappen die Experten im Dunkeln, wie das Zikavirus eingeschätzt werden sollte; unklar der Zusammenhang mit der beobachteten Mikrozephalie. Der Fallbericht eines slowenischen Forscherteams lässt aufhorchen: Zikaviren im Gehirn eines Fötus sichtbar gemacht! Ist das nun der Beweis? Warum ist es nur so schwer, einen möglichen Zusammenhang zwischen den Viren und der Mikrozephalie zu beweisen?

Die Geschichte beginnt bereits im Oktober 2015, als eine 25-jährige schwangere Frau ins medizinische Zentrum in Ljubljana (Slowenien) eingeliefert wird. Seit Dezember 2013 lebte und arbeitete die junge Frau in Natal (Brasilien). Ende Februar 2015 wurde sie schwanger. Doch in der 13. SSW klagte sie plötzlich über Fieber mit muskuloskeletalen Schmerzen, die von einem juckenden Exanthem begleitet wurden. Der Verdacht: Zikavirus!

Die adäquate Diagnostik fehlte

Die junge Frau erhielt zunächst keine virologische Diagnostik. Sonographische Kontrollen erfolgten in der 14. und 20. SSW und zeigten keine Abnormitäten des Kindes. Die Patientin kehrte in der 28. SSW zurück nach Europa und die anschließend dort durchgeführte Ultraschalluntersuchung offenbarte erste Veränderungen am Kind. Die junge Frau beschrieb zudem, das Baby weniger stark zu spüren; es bewegte sich seltener.

Viele Indizien und ein Schwangerschaftsabbruch

Bei der in der 32. SSW vorgenommenen Ultraschalluntersuchung war die Wachstumsverzögerung beim Kind schon sehr deutlich darzustellen. Amnionflüssigkeit und Plazentadicke lagen im Normalbereich. Auch die Blutversorgung war im Doppler normal. Doch der Fötus zeigte einen deutlich zu kleinen Kopfumfang, das Gehirn präsentierte sich mit offensichtlich weitläufig kalzifizierten Bereichen. Alles zusammengenommen sprach sehr für eine virale Schädigung des ungeborenen Kindes infolge einer früheren Infektion. Die Ärzte gaben dem Kind nur sehr geringen Chancen, gesund geboren zu werden. Aufgrund dieser Sachlage entschied sich die junge Frau zur Abtreibung und willigte ein, das Kind der Forschung zur Verfügung zu stellen.

Kriminalistische Spurensuche und ein Täter: Das Zikavirus?

Das ungeborene Kind maß 42 cm bei einem Gewicht von 1470 Gramm. Der Schädelumfang betrug lediglich 26 cm. Das Gehirn war mit 84 Gramm sehr leicht und zeigte sehr viele Abnormalitäten (z. B. Hydrozephalus, Kalzifizierungen, Astrogliose). Die familiäre Anamnese und genetische Untersuchung der Mutter erbrachten keine Anhaltspunkte auf genetische Störungen, die solche Entwicklungsstörungen erklären könnten.

In elektronenmikroskopischen Schnittpräparaten des fetalen Gehirns fanden sich zahlreiche Vesikel, die etwa 42 - 54 nm große Viruspartikel enthielten. Den Autoren nach könnte es sich um Zikavirus-Partikel handeln. Darüber hinaus fanden die Forscher das Virus-Genom im Gehirngewebe in einer Kopiezahl von 6.5×10^7 pro Milligramm Gewebe. Parallel geführte RT-PCR-Tests fanden keine Hinweise auf andere Flaviviren oder bekannte teratogene Viren, wie z. B. Varizella-Zoster, Parvovirus B19 oder CMV. Die Genomanalyse des entdeckten Zikavirus-Genoms stellt es in eine enge Nachbarschaft zu den 2013 und 2015 in Mikronesien und Brasilien gefundenen Stämmen.

Zum Abschluss

Obgleich dieser Fallbericht aus Slowenien das Zikavirus als Verdächtigen im Fall der Mikrozephalien in Brasilien noch wahrscheinlicher macht, ist es doch immer noch ein Einzelfall. In der gegenwärtigen Situation ist es nicht einfach, kontrollierte Studien durchzuführen, um zu einer statistisch validen Einschätzung zu kommen. Angst und Unwissen ob der Bedrohung durch das Virus leiten die Entscheidungen der Menschen in den betroffenen Gebieten. Und selbst bei uns titeln die Tageszeitungen mit Zika als Bedrohung, zählen gar jeden neuen Fall. Belastbare Forschungsergebnisse lassen sich aber nicht mit lautstarken Angstreden erzielen. Es braucht nun einmal Zeit, die Daten zu produzieren und auszuwerten, im Übrigen auch in Hinblick auf eine mögliche Impfung.

Siebzig Jahre lang war das Virus in Regionen zuhause, wo sich Menschen bereits früh als Kleinkinder infizierten und anschließend immun waren. Für das Zikavirus anfällige Schwangere gab es nicht, da die Populationen in Südostasien und Afrika praktisch mit Zika großgeworden waren. In Brasilien jedoch, oder in der sogenannten Neuen Welt, trifft das Zikavirus auf naive Populationen, die vom Kleinkind bis zum Greis empfänglich für die Infektion sind.

Wer mehr über diese Hintergründe erfahren möchte, und weshalb es so schwer ist, jetzt zu verlässlichen Daten zu kommen, dem sei der folgende Link empfohlen:

(Dr. Marcus Mau im Gespräch mit Frau Prof. Susanne Modrow von der Gesellschaft für Virologie zu den Fakten rund um das Zikavirus.)

Quelle: Mlakar J et al. NEJM 2016; DOI: 10.1056/NEJMoa1600651

Bildnachweis: CDC/Cynthia Goldsmith; Wikimedia Public Domain

Bilquelle (Außenseite): Patrick Breitenbach, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 16.02.2016.

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Gast
In Brasilien sind gentechnisch veränderte Mücken seit 2014 zugelassen. 2015 wurden sie erstmals in einem Gebiet mit 5000 Einwohnern eingesetzt, um die Aedes aegypti Populationen zu schädigen und so Dengue- Chikungunya- und Zikaviren zu reduzieren, für welche die Tigermücken Überträger sein sollen. Ende 2015 wurden plötzlich massive Häufungen von Schädel- / Gehirnmissbildungen bei Neugeborenen festgestellt, und sofort den Mücken die Schuld gegeben. Dabei gab es die Mücken schon seit sehr langer Zeit dort ... die Missbildungen aber sind neu.
#2 am 17.02.2016 von Gast
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Auch Pyriproxyfen wird als Ursache diskutiert.
#1 am 17.02.2016 von Michaela Katzer (Ärztin)
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