Salmei, Dalmei, Adonei.

29.01.2006
Teilen

Immer wieder, wenn mir das entrückte Gesicht von Karl Lauterbach aus der Tagespresse entgegenblickt, frage ich mich ängstlich: "Wann wird uns der Catweazle des deutschen Gesundheitswesens mit einem neuen Zaubertrick aus seinem reichen Repertoire beschenken?"

Und meistens dauert es dann auch nicht lange. Diesmal hat sich der gelehrige Bundestags-Novize einen kleinen Elektriktrick ausgedacht, der zwar nicht neu, aber außerordentlich populär ist: Den Steuer-Shunt. Sie erinnern sich: Höhere Mineralölsteuer für niedrigere Rentenbeiträge, höhere Tabaksteuer für's Gesundheitswesen usw. - die Umleitung von Steuergeldern in das reformierungsbedürftige Sozialsystem also. Dabei ist es Nebensache, dass es die eingetriebenen Euronen meist ebenso wenig schaffen, am wachsenden Haushaltsloch vorbei zu kommen, wie eine fette Fliege an der Kröte Kühlwalda.

Also auf ein neues. Wieder einmal soll das Geld von denen kommen, die sich angeblich zu wenig um die Solidargemeinschaft verdient machen: von den Besserverdienenden, nein stop - Gutverdienenden. Jetzt bitte nicht gleich hämisch an brilliantenbehängte Unternehmergattinnen, jetsettende Zahnärzte oder goldbeinige Fussballspieler denken. Gutverdiener sind nach Lauterbach-Definition so ziemlich alle, die neben Miete und Sozialabgaben noch über Restkaufkraft verfügen, die nicht in der staatlichen Umverteilungsmaschine landet. Also viele - mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Sie. Ihnen will Lauterbach wohlmeinend etwas abnehmen.

Spitzenverdiener und Selbstständige seien in der Regel privat versichert und trügen darum nicht zur Finanzierung der Krankenversicherung für Geringverdiener bei, so der O-Ton. Dass sie diese auch nicht in Anspruch nehmen, blendet der sonst so gescheite Midlife-Potter einfach aus. Damit das ganze wenigstens wirtschaftlich gut aussieht, holt er aus seinem Ledersäckchen die Möhre heraus, die Sozialpolitiker jeder Couleur uns seit Jahren immer wieder vor's Gesicht halten: Die Senkung der Beitragssätze und damit der positive Effekt auf den Arbeitsmarkt. Nur, dass diese Möhre mittlerweile ziemlich gelb aussieht, scheint Magier Lauterbach noch nicht bemerkt zu haben. Aber vielleicht fällt ihm dazu ja noch ein Zauberspruch ein...

catw

Empfehle ich allen, die Gesundheitspolitik verstehen wollen.

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

0 Wertungen (0 ø)
222 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
„Patienten sollten sich darauf verlassen können, dass verordnete, dringend benötigte Arzneimittel in allen mehr...
Patente sind eigentlich eine feine Sache: Sie garantieren dem Patenthalter, dass er seine Ideen eine zeitlang mehr...
Das Konstruktionsprinzip von Smart Rope unterscheidet sich zunächst mal nicht wesentlich von seinem klassischen mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: