Beratung für lau - und der SD Arzt profitiert.

10.02.2016
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Meine liebe Pharmaassistentin (PA) hat gestern etwa eine halbe Stunde damit verbracht einen jungen Mann (Mitte 20) ausgiebigst zu beraten und alle seine Fragen zu beantworten… am Ende hat er gar nichts gekauft und sie war danach so fertig, dass sie eine Pause brauchte.

Sie hat mir das Problem kurz umrissen: Er sei erkältet, er rauche, die letzten paar Male habe das ewig gedauert, bis er das wieder los war (was wahrscheinlich mit dem Rauchen zusammenhängt), jetzt habe er vor allem ein Kratzen im Hals, noch nicht gerade Halsschmerzen und seine Nebenhöhlen fingen an Probleme zu machen, aber noch nicht wirklich Schnupfen … und er wolle etwas, das wirkt, aber es muss pflanzlich sein und am besten nicht einfach Symptombekämpfung, sondern gegen die Ursache.

„Nun,“ – habe ich dann gesagt – „dann soll er am besten aufhören zu rauchen.“

PA: „Ja, das habe ich auch gesagt, aber alles, was ich ihm sonst angeboten habe … er hat mich ausgefragt bis ins Detail über alles, ich musste es ihm teilweise aufschreiben und am Schluss wollte er gar nichts davon.“

Frustrierend.

Und heute kommt er wieder, grinst meine Pharmaassistentin an … aber ich bin näher dran und übernehme ihn, bevor er bei ihr wieder anfängt.

Er packt mir zwei Mittel auf den Tisch: Vogel Salbei-Halsspray und Sinupret forte Tabletten: „Die habe ich gestern von meinem Hausarzt bekommen.“

Ah jaaa? Stimmt die Dosierungsetikette vom Arzt ist drauf.

Er: „Ist das gut? Was kann ich ausser dem noch machen?“

Nun – nach dem gestern ist mir klar, worauf das hinausläuft, also … mache ich es kurz und bündig (immerhin kenne ich seine Probleme schon): „Das hat … drin, das ist gut bei … und für … Haben Sie noch anderen Beschwerden …?”

Er: „Nein …“

Ich: „Dann ist das das richtige. Trinken Sie genug, am besten Tee, versuchen Sie auszuruhen und ihr Immunsystem arbeiten zu lassen.“

Er: „Ich habe auch aufgehört zu rauchen.“

Ich: „Wunderbar.“ (seit gestern :-) ) „Wenn Sie nicht noch einen Tee oder etwas anderes möchten …?“ (Kopfschütteln)“ … dann war das das. Kommen Sie wieder, falls sich etwas ändert.“

Und damit habe ich ihn entlassen.

Er drehte sich beim herausgehen noch zwei mal um, um nach meiner Pharmaasistentin zu schauen (Ja, ich weiss, die ist hübsch und nett … und ausserdem sehr vergeben.) Aber die ist hinten verschwunden. Sie kommt wieder als er draussen ist.

PA: „Was war das?“

ich: „Er hat sich genau die Mittel, die du ihm gestern empfohlen hast beim Hausarzt geholt.“

PA: „Waaas?!?“

Ich: „Ja. Er hat sich von Dir beraten lassen und ist dann zum Hausarzt gegangen und der hat ihm genau das dann abgegeben.“

 

Nett.

Nein – dass er zurück gekommen ist, das war in dem Fall keine Chance ihm doch noch etwas zu verkaufen. Der wollte nur noch einmal mit der netten PA reden. Das wäre dann nochmal eine halbe Stunde gegangen, nach der er wieder ohne etwas anderes gegangen wäre. Behaupte ich.

Artikel letztmalig aktualisiert am 10.02.2016.

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Gesundheitspolitik
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Gast
Ja und? Der Einzelhandel muss mit so etwas schon seit Jahren klar kommen. Beratung, aus- und anprobieren wird abgegriffen und dann im Internet bestellt. Wo ist da der Aufschrei? Sorry, aber das ist nun einmal das Risiko, welches man trägt, wenn man einen "Laden" hat / selbstständig ist. Im Einzelhandel wird dann sogar frecherweise versucht, den bestellten Internet-Mist umzutauschen, wenn er nicht funktioniert und/oder noch einmal Beratung für lau abzugreifen! Da fragt auch keiner: "Was bekommen Sie für die nette Beratung?"
#3 am 14.02.2016 von Gast
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@gast: das fällt nicht unter gratis. Der verkauft die Medikamente genau gleich - nur erscheint das bei ihm auf der Rechnung und bei uns muss man es (ohne Rezept) gleich zahlen.
#2 am 14.02.2016 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
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Gast
Gut, dass es bei uns in Deutschland meistens nix vom Hausarzt gratis gibt. ;-)
#1 am 11.02.2016 von Gast
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