Nachts im Krankenhaus – warum Patienten nachts nicht schlafen können (Teil5)

31.01.2016
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Und dann war ich also Patient in diesem Krankenhaus und lag in einem sehr alten Vierbettzimmer. Es gab eine Waschbeckennische, die über einen geblümten Vorhang vom restlichen Zimmer abgetrennt war und ein Klo am anderen Ende der Station. Also zwei Klos. Für alle Patienten.

Und daneben noch ein frei einsehbares Pissoir, das alte Männer völlig ungeniert benutzten, auch wenn das Ganze eine Unisextoilette war. Immerhin waren nur drei der vier Betten bei uns besetzt. Kein gutes Zeichen, wie sich wenig später herausstellte.

Gegen ein Uhr nachts stürmten die freundlichen Nachtkrankenschwestern herein, gefolgt von zwei Rettungssanitätern, die eine Trage hinter sich herzerrten. Man hatte eine neue Patientin für das freie Bett aufgegabelt.
 Eine ältere Dame wurde hereingefahren. Sie schaute sich misstrauisch im Zimmer um und begann zu schreien: „WAS? EIN VIERBETTZIMMER?! DAS IST JA UNZUMUTBAR! ICH BIN PRIVATPATIENTIN!“

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„Äh, ja“, sagte eine der Nachtschwester, „ist halt gerade kein anderes Zimmer frei.“ „Unannehmbar! Privatpatienin! Das geht nicht!“ brüllte die Dame einfach weiter. Die Rettungssanitäter warfen sie schnell von der Trage und gingen unauffällig zurück in ihre gemütliche Rettungswache. Die Schwestern flüchteten dann auch zügig und unsere neue Mitpatientin hörte schließlich auf zu schreien.

Vermutlich waren wir – das gemeine Volk – kein guter Ansprechpartner. Stattdessen begann sie ihren überdimensional großen Koffer auszupacken und laut Schranktüren auf und zu zu schlagen. Mit Licht natürlich. Man musste ja sehen, wo man alles hinverstaute. Die Nachtschwester kam nochmal und erklärte der Dame, dass sie ja auch noch morgen auspacken könne. „Wie? Ich bin doch leise!“

Ja, fast. Wir machten dann das Licht aus, aber das half nicht viel. Dann riefen wir abwechselnd: „Frau Gomzombol!“ – Ja ja, so schnell lernt man die Namen randalierender Mitpatienten – „Hören Sie auf Ihren Koffer auszupacken!“
„Nein, ich muss meine Socken finden!“


„Frau Gomzombol, machen Sie das Licht wieder aus!“
„ICH BIN DOCH LEISE!"
„NEIN! SIND SIE NICHT. GEHEN SIE SCHLAFEN!“
„MEINE SOCKEN!“
„GAAAARGHLL!“


Am nächsten Tag war dann plötzlich auf wundersame Weise ein Speziellundnurfürprivatpatientenzimmer frei.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 09.02.2016.

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Gast
Dass Privatpatienten auch gewisse Extraleistungen (tägliche Chefvisite, mehr Service, kürzere Wartezeiten bei Elektivbehandlungen, Ein-Bett-Zimmer falls verfügbar,.....) für sich beanspruchen weil sie dafür ja schließlich auch dementsprechend bezahlen ist natürlich legitim. Allerdings ist das kein Freifahrtsschein für unanständiges, egoistisches und rücksichtloses Verhalten. Wenn man so erlebt wie "hirnprivat" manche Leute dem Personal, Mitpatienten (und auch anderen Privatpatienten) gegenüber auftreten könnte man meinen ihnen würde die ganze Klinik gehören... Und wenn wir schon beim Thema bezahlen sind.... auch gesetzlich Versicherte bezahlen für ihren Versicherungsschutz, und das nicht zu knapp. Dass die Versicherungen das Geld lieber für ihren Wasserkopf, Werbung, Telefonterror usw. ausgeben anstatt die medizinische Versorgung der Versicherten angemessen zu vergüten ist weder die Schuld der Kliniken noch die der Kassenpatienten.
#4 am 12.02.2016 von Gast
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Gast
mach mal eine Psychoanalyse. Auch im Krankenhaus finanzieren Privatpatienten die Kassenpatienten mit, wenn auch grundgesetzwidrig, das sie gar nicht gefragt werden. Also auch deinen Angestelltengehalt.
#3 am 11.02.2016 von Gast
  2
Gast
Leider nichts wirksames! bist du bei der aok oder sind sie privat? wenn mir einer sagt, er sei privat versichert, erwidere ich: Macht nichts, ich behandle sie trotzdem. (Schreibt ein privatversicherter)
#2 am 11.02.2016 von Gast
  4
Gast
haben Sie was gegen Privatpatienten?
#1 am 10.02.2016 von Gast
  6
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