Entspannungsübungen

09.01.2016

Und dann hatte ich also meinen ersten Nachtdienst und dachte: „Ahhh, das wird bestimmt schwer. Jetzt kommen die ganzen Notfälle.“ Am Tag zuvor schaute ich abends nochmal nervös meine Bücher durch und betrat schließlich möglichst kompetent aussehend die abendliche Notaufnahme.

Erstmal passierte nichts und ich ging hin, um irgendwelches Blut auf den Stationen abzunehmen. Gegen 22.30 Uhr rief man mich an, ich solle mal zurückkommen. Patient mit Brustschmerzen. „Uhhh“, dachte ich mir, „Vielleicht ein Herzinfarkt oder eine Lungenembolie.“

„Kabine 1“, rief die Aufnahmeschwester und ich ging hinein. Da saß also der Patient in Kabine 1 auf der Trage rum, baumelte mit den Beinen und ich stellte mich freundlich vor: „Zorgcooperations, Hallo“ „Kevin“, sagte der Patient. „Äh, ja. Kevin. Was ist denn das Problem?“


„Ja“, sagte Kevin, „wenn ich mich so im Sessel zuhause zurücklehne, dann habe ich so Schmerzen. Hier!“, er wedelte mit seiner Hand in Richtung rechte Brustkorbhälfte, „seit einem halben Jahr habe ich das.“ Ich sagte erst mal nichts und Kevin erzählte mir noch, dass er deswegen auch schon beim Hausarzt gewesen sei, aber der habe gesagt, da wäre nichts und habe ihm geraten, mit Pilates anzufangen.

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Irgendwie brachte mich das aus meinem Anamnesekonzept, weshalb ich erst mal dumm fragte: „Und haben sie angefangen mit Pilates?“ „Trage ich Makeup oder was?!“ „Hmhm, haben sie denn jetzt aktuell Schmerzen?“ „Nö.“

„Und warum kommen sie JETZT gerade hier ins Krankenhaus?“ „Na, der Hausarzt macht ja nichts.“ „Hmhm“, sagte ich und untersuchte meinen Patienten, der aber echt nichts hatte. Dann schrieb ich zur Sicherheit ein EKG, welches ich bestimmt als Superstandard-EKG an ein Lehrbuch hätte verkaufen können. Ein Labor nahmen wir auch ab, aber das war das schönste Labor, das ich jemals gesehen hatte.

Ein Röntgenbild habe man schon vor einem Monat gemacht, sagte Kevin. Da entschuldigte ich mich höflich, schlug vor es noch mal bei einem Orthopäden zu versuchen und schickte ihn wieder heim. Fast hätte ihm vorgeschlagen, doch mal mit Pilates anzufangen.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 14.01.2016.

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Medizin, Innere Medizin
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