Algifor-Sirup (Oder: worüber man sich natürlich auch aufregen kann)

04.01.2016
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Von einem Freund (Danke Andreas Kyriacou) auf Facebook aufmerksam gemacht auf diesen Post:

Amavita ist die Migros-Apotheke.
Algifor junior ist ein fiebersenkendes Schmerzmittel für Kinder.
Ich stand heute in einer Amavita-Apotheke hinter einem Mann, der diesen Sirup für sein Kind kaufen wollte. Die Apothekerverkäuferin kam hinter den Thresen mit einem verpackungsmässig leicht anderen Sirup Algifor junior. Man habe den anderen gerade nicht Lager, dies hier sei der rezeptpflichtige Sirup, der aber komplett identisch sei mit dem nicht-rezeptpflichtigen.
Ich glaubte zuerst an einen Altjahresscherz, aber die Blicke und Gesten der Apothekerin waren von einer Aura umgeben, die liess keine Widerrede zu.
Ob die Preise der beiden inhaltlich identischen, aber verpackungsmässigen unterschiedlichen Sirups wohl gleich sind. Wenn nein, wäre ich versucht von einer riesengrossen Schweinerei zu sprechen, wenn ja, wozu die Rezeptpflicht?

Ja: das ist schon eine Riesengrosse Schweinerei, wenn es von einem Produkt 2 Varianten gibt? Es sind die hier:

algifor2x
links das freiverkäufliche (erkennbar an dem “C” darauf) – mit Dosierspritze: Preis ca. CHF 11.50.-

rechts das rezeptpflichtige (mit “B” gekennzeichnet) und Dosierlöffel*. Preis: CHF 9.80.- PLUS die Checks von 4.30.- und 3.- die wir für rezeptpflichtiges, das ganz von der Krankenkasse übernommen wird bekommen.

Und jetzt zum Aufreger: Der freiverkäufliche Sirup hat Lieferprobleme! Sehr nett von der Apothekerin, dass sie dann den rezeptpflichtigen anbietet und abgibt – zum Preis vom freiverkäuflichen.
Weshalb gibt es überhaupt 2 Versionen? In der Schweiz wird ein Medikament nicht mehr von der Krankenkasse übernommen sobald für etwas Werbung gemacht wird, deshalb gibt es von manchen Medikamenten 2 Versionen (darüber habe ich hier mal geschrieben: Co-Marketing Produkte was und wieso) Das kommt noch häufiger vor. Beim Algifor Sirup ist einfach speziell, dass die SL-Version (die, die von der Krankenkasse übernommen wird) rezeptpflichtig ist. Das sieht etwas kurios aus, aber nicht wirklich ein Aufreger – von anderen Medikamenten wie Pantozol bekommt man halt einfach nur weniger Tabletten, aber es ist auch dasselbe wie das rezeptpflichtige. Der Unterschied liegt in diesem Fall in den (etwas) unterschiedlichen Indikationen. Der rezeptfreie ist auch nur für die Kurzzeitige Anwendung gedacht.

Beim SL-Produkt wird der Abgabe-Preis durch den Gesetzgeber bestimmt. Beim freiverkäuflichen kann die Firma den Einkaufspreis und die Apotheke anhand von dem den Abgabepreis selber bestimmen.

Es gibt in der Schweiz einen einzigen Ibuprofen-Sirup. Eben den (oder: die) Algifor. Ich bin sehr froh, dass es den gibt! … Und es gibt tatsächlich eine Untergrenze am Preis, wo das für die Pharmafirma unwirtschaftlich wird das herzustellen. Den Preis für den Algifor-Sirup finde ich in Ordnung … und zwar sowohl für den Rezeptpflichtigen (mit dem wir dann eine Menge mehr Aufwand haben, das mit der Kasse abzurechnen etc.) als auch für den freiverkäuflichen. Der Preis, der hier noch für einen Dafalgan Sirup verlangt werden darf (CHF 2.25.-) wo es nur eine Version gibt … da lohnt es sich bald nicht mehr den für die Schweiz herzustellen (und wir machen finanziell “rückwärts” wenn das auch noch via Krankenkasse abgerechnet wird).

Übrigens: Amavita Apotheken gehören nicht zur Migros sondern zur Galenica, denen gehören auch die Coop-Vitality-Apotheken und die Sunstore … ein Riesen-Moloch die ausser den vielen Apotheken einen eigenen Grossisten (Zulieferanten) und Pharmafirmen (Vifor) haben …

Aber: das macht in Bezug auf die Apothekerin und das Algifor keinen Unterschied. Das hätte ich genau so gehandhabt (wobei: wir haben noch). In der Schweiz darf ich ja als Apothekerin in “begründeten Ausnahmefällen” rezeptpflichtiges auch mal ohne Rezept abgeben. Was echt toll ist … auch in so Situationen.

*Das mit dem Dosierlöffel finde ich übrigens nicht gut gelöst und unsinnig. Es ist doch auch beim rezeptpflichtigen wichtig, dass das richtig dosiert wird … und ein Löffel ist immer ungenauer als eine Dosierspritze.

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.01.2016.

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Pharmazie
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