Gesund sitzen und gleichzeitig beruflicher Vielfahrer sein, geht das?

14.12.2015
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In Deutschland gibt es einen sehr großen Anteil an Vielfahrern: gut jeder zweite Autofahrer hierzulande verbringt täglich mehr als 90 Minuten im Auto. Das sind dann meistens berufliche Vielfahrer wie Landärzte oder Pendler. Das lange Sitzen hat in den meisten Fällen negative Auswirkungen auf die Rückengesundheit.

Vor allem Verspannungen im Rücken, den Schultern und im Nacken sind unter Vielfahrern weit verbreitet. Das Hauptproblem ist dabei aber nicht unbedingt das Sitzen an sich, sondern wie genau gesessen wird. Wenn man dieses "Wie" verbessert, kann man auch im Auto gesund sitzen und sich von Beschwerden wie Verspannungen befreien.

Was einen guten Sitz zu einem guten Sitz macht

Die wichtigste Rolle spielt dabei der Sitz selbst. Beim Autokauf sollte also bereits auf gute Sitze geachtet werden. Den pauschal besten Sitz gibt es dabei nicht, es gibt aber einige Anforderungen, die ein guter Sitz mindestens erfüllen sollte.

Grundsätzlich wichtig für gesundes Sitzen ist eine straffe Sitzpolsterung. Eine straffe Polsterung schreckt viele Menschen aber bereits beim ersten Platznehmen ab, da eine weichere Polsterung sich zunächst wesentlich komfortabler anfühlt, weil man dabei wie im heimischen Bett im Sitz versinken kann. Auf Dauer gesehen ist eine straffe Polsterung aber wesentlich besser, da Sie dem gesamten Rücken eine gewisse Grundstabilität bietet. Die zusätzlichen Sitzelemente wie Seitenstützen brauchen eine straffe Polsterung, um den Körper ruhig zu halten und damit die vielen beim Fahren auftretenden Kräfte wie Beschleunigung, Abbremsen und Fliehkräfte abfangen zu können.

Ebenfalls wichtig ist eine ausgeprägte Ausformung des Sitzes. Wenn eine sitzende Person seitlich betrachtet wird, sollte der Sitz so konstruiert sein dass die Wirbelsäule eine leichte S-Form hat. Auch deswegen ist die straffe Polsterung wichtig, weil sie diese Grundform stabilisiert und halten kann. Ebenfalls wichtig für diese S-Form ist die Lordosenstütze. Die unterstützt den Rücken im Bereich der Lendenwirbel und kann individuell eingestellt werden. Somit können Menschen unterschiedlichster Körpergrößen die gesunde S-Form für ihre Wirbelsäule erzielen.

Einen weiteren Beitrag zur richtigen Position der Wirbelsäule leistet die Sitzfläche. Die sollte in der Höhe ausreichend verstellbar sein, um das Becken in eine gute Position zur Wirbelsäule zu bringen. Zudem ist es hilfreich, wenn die Sitzfläche auch geneigt werden kann. Damit lässt sich die Auflag der Oberschenkel optimieren. Um die Auflage noch weiter zu verbessern ist eine ausfahrbare Sitzfläche vonnöten, die die Oberschenkel noch weiter unterstützen kann.

Neben der Position von Wirbelsäule, Becken und Oberschenkel ist auch der Seitenhalt ein sehr wichtiges Thema. Der sollte durch eine gute Ausformung des Sitzes in Kombination mit straffen Polstern gewährleistet sein. Denn Seitenhalt ist nicht nur beim sportlichen Fahren wichtig, sondern in allen Situationen. Denn auch ganz normales Fahren sorgt für Querbeschleunigungen, gegen die der Körper unbemerkt anarbeiten muss. Beim fahren bekommt man das nicht mit, diese Muskelbeanspruchung findet aber dennoch statt. Ein guter Seitenhalt sorgt dafür, dass der Körper von ganz alleine in der richtigen Position bleibt. Dadurch muss der Rücken nicht mehr gegen die Fliehkräfte arbeiten und kann somit wesentlich komfortabler sitzen.

Um das wichtigste noch einmal zusammenzufassen, folgende Anforderungen sollte ein guter Sitz erfüllen:


Eine gute Sitzposition hat leider ihren Preis

Wenn man mit diesen Anforderungen einen Ausstattungskatalog für Neuwagen durchforstet, wird man schnell feststellen dass die serienmäßigen Sitze solche Möglichkeiten nicht bieten. Häufig ist es dann nötig, die Komfortsitze extra zu bestellen oder eine bestimmte Ausstattungslinie zu wählen, die diese Sitz beinhalten. Wie kommen diese Preise zustande? Auch wenn diese Sitze von außen betrachtet vollkommen normal aussehen, befindet sich in ihrem Inneren eine ganze Reihe an Elektronik. Neben den Verstellungsmöglichkeiten, die über die verschiedensten Techniken funktionieren, sind in solchen Sitzen meist auch noch eine Heizung oder eine Belüftung integriert und nicht zu vergessen natürlich die Seitenairbags.

Und diese Technik hat ihren Preis und auch Nachrüst-Sitze sind meist nicht viel günstiger als die Modelle der Hersteller. Jedoch tut man sich mit solchen Sitzen selbst und vor allem seiner Gesundheit einen großen Gefallen. Auch bei der Gebrauchtwagensuche empfiehlt es sich daher, speziell nach Modellen mit guten Sitzen zu suchen. Die meisten Online Autobörsen bieten dafür Filterkategorien an oder zeigen nur Autos mit einer bestimmten Ausstattungslinie an. Ansonsten können die Sitze auch noch im Nachhinein beim Hersteller nachgerüstet werden.

Die Hersteller entwickeln die Sitze dabei stetig weiter. So hat Opel für sein Topmodell Insignia erst kürzlich neue Sitze entwickelt, die um 40% mehr verstellbar sind als alle Vorgängermodelle und dabei trotzdem leichter und kompakter sind. Die Zeichen für die Zukunft stehen hier also gut. Wer sich in den nächsten Jahren einen Neuwagen anschaffen will, ist gut beraten ein wenig Geld in die Sitze zu investieren.

Richtige Sitzeinstellungen

Aber auch ohne die Anschaffung eines neuen Autos kann man für eine gesunde Sitzposition sorgen, ganz einfach indem der Sitz richtig eingestellt wird. Das dient nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Sicherheit im Falle eines Unfalls.

Es gibt einige Grundregeln bei der Sitzeinstellung. Die erfolgt entweder manuell oder elektronisch. Audi hat die Optionen zur Sitzverstellung sogar mit ins Navigationssystem integriert. Die Sitze lassen sich damit besonders einfach verstellen. Wie der Sitz eingestellt wird, erklären wir kurz am Beispiel eines Audi A6. Der Sitz sollte mit dem MMI so weit nach hinten verschoben werden, dass die Beine bei durchgetretenen Pedalen leicht angewinkelt sind. Zudem sollte die Sitzhöhe so hoch wie möglich eingestellt werden, eine Faustbreite Abstand zum Dachhimmel sollte aber bestehen. Auch bei eher größeren Autos wie dem A6 ist das für die Rundumsicht wichtig. Die Lehne sollte so eingestellt werden, dass das Lenkrad mit leicht angewinkelten Armen erreicht werden kann wenn die Schultern auf dem Sitz aufliegen. Dabei sollte das Lenkrad selbst verstellt werden, nicht der Sitz. Das geht beim Audi A6 noch manuell. Die Oberschenkel sollten ohne Druck auf der Sitzfläche aufliegen und die Sitzverlängerung sollte so weit ausgefahren werden, dass noch etwa zwei bis drei Fingerbreiten bis zur Kniekehle Platz sind. Die Lordosenstütze sollte über das MMI soweit ausgefahren werden, dass sie die Lenden merklich stützt. Die Seitenwangen sollten den Körper umschließen und festhalten aber nicht einengen. Wichtig ist auch, dass die Kopflehne mit dem Kopf abschließt und nicht bereits vorher.

Wer diese Grundregeln im Auto umsetzt, kann wesentlich gesünder sitzen. Wichtig sind aber auch immer genügend Pausen beim fahren für die Bewegung sowie ein Ausgleich zum vielen Sitzen. Das muss kein Leistungssport sein, aber mit ein wenig Bewegung nach langen Autofahrten lassen sich Verspannungen und anderen Rückenbeschwerden vorbeugen.

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 14.12.2015.

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Medizin, Orthopädie
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