Wie ich die Morgenbesprechung komplett verkackte.

12.12.2015
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Dann saßen wir also alle im in diesem abgedunkelten Besprechungsraum und die offizielle morgendliche Besprechung begann. Der Radiologe warf im Sekundentakt Röntgenbilder an die Wand und fällte ebenso schnell sein radiologisches Urteil.

Dann rief der gastroenterologische Oberarzt die geplanten Untersuchungen in den Raum und rief außerdem: „Frau zum Hum – Leberpunktion! Moment. Das haben wir doch schon letzten Monat gemacht!“ „Jaaaa“, sagte ich, denn für Frau zum Hum war natürlich ich zuständig, „letztes Mal war die Patientin ja noch in Behandlung und hat Cortison bekommen. Da hat man nicht so viel gesehen in der Biopsie. Gerade steigen die Leberlaborwerte wieder und deshalb haben wir eine neue Biopsie angeordnet.“ „Aber das ist doch nicht unbedingt nötig. Sie sollten erst mal den Langzeitverlauf abwarten“, sagte der Chefarzt jetzt missbilligend. „Eigentlich hatte ich das mit Herrn Dr. Grumhz schon so besprochen“, wies ich nun auf den anderen gastroenterologischen Oberarzt hin, der heute natürlich krank war. „NEIN! Das machen wir jetzt nicht!“ erklärte der anwesende Gastroenterologe erbost und strich die Punktion vom Programm.

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Kurz darauf ratterte auch schon der Chefkardiologe das kardiologische Untersuchungsprogramm herunter: „Frau Zimml, Herzkatheter. Hm? Warum bei Frau Zimml Herzkatheter?“

Frau Zimml war natürlich ebenfalls meine Patientin und ehrlich gesagt konnte ich mich nicht wirklich daran erinnern, warum Frau Zimml einen Herzkatheter haben sollte. Am Abend zuvor hatte mein zuständiger kardiologischer Oberarzt zwar noch gesagt: „Und bei der Frau Zimml, da machen wir einen Herzkatheter.“

Aber dann war er weggelaufen, ohne dies genauer zu erläutern und  ich hatte noch nicht mal eine Anforderung dafür ausgefüllt. Irgendeine freundliche Schwester hatte alles trotzdem gleich angemeldet, was prinzipiell ja sehr nett war. Dummerweise hatte Frau Zimml keine passenden Vorerkrankungen oder Beschwerden, an die ich mich erinnern konnte, die einen Herzkatheter rechtfertigen würden und die ich auf gut Glück dem Chefkardiologen vorn mit der Liste und dem fragendem Blick zuwerfen hätte können.

„Hmmm, das weiß ich auch nicht“, sagte ich also etwas diffus. Mein zuständiger kardiologischer Oberarzt war zwar nicht krank und tatsächlich anwesend, sah aber unauffällig in eine andere Richtung und schien sich auch nicht mehr recht daran zu erinnern, warum in aller Welt, er am Vorabend noch diese Herzkatheteruntersuchung bei Frau Zimml gewollt hatte. „Äh ja“, sagte der Chefkardiologe, „dann streichen wir das mal aus dem Programm.“

So habe ich an einem einzigen Morgen wieder einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Am nächsten Tag war dann mein ursprünglicher, gastroenterologischer Oberarzt wieder da und fragte mich, warum wir denn die Leberpunktion bei Frau zum Hum bitte nicht gemacht hätten?!

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 14.12.2015.

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Medizin, Innere Medizin
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Gast
....Arzt-Zombies ohne Hirn fallen früher oder später auf. Ein tolles Beispiel, wie man eben NICHT sein sollte als Arzt. Bitte "die Zunge tief ins Hirn tauchen", bevor man spricht, Anweisungen gibt oder befolgt.
#4 am 22.12.2015 von Gast
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Gast
Ich denke diese Situation ist vielen von uns bekannt: die Art und Weise wie eine oberärztliche Entscheidung zu einer weiterführenden Diagnostik zustande kommt zu hinterfragen und auch diesen Prozess zu dokumentieren klappt leider nicht immer so gut. Da die Verweildauern immer kürzer werden und sowohl Patienten, als auch Vorgesetzte und Krankenkassen auf immer kürzere Liegezeiten drängen müssen solche Entscheidungen auch immer schneller getroffen werden. Optimalerweise wird schon am Aufnahmetag von der Notaufnahme aus in Rücksprache mit dem Oberarzt die komplette weitere Diagnostik organisiert, angemeldet und aufgeklärt bevor der spätere Stationsarzt auch nur von seinem neuen Patienten erfahren hat. Aber nur weil der spätere Stationsarzt am Entstehungsprozess der Entscheidung nicht beteiligt war und sich vielleicht gedacht hat, er könne die Gründe hierfür später bei der Oberarztvisite erfragen heisst das nicht automatisch dass diese Entscheidungen falsch sind.
#3 am 22.12.2015 von Gast
  1
Gast
Da möchte ich nicht Patient sein!
#2 am 20.12.2015 von Gast
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Gretchen
Aach, ich dachte schon, jetzt kommt was richtig Schlimmes! ..Das ist bestimmt jedem schon mal passiert, Kopf hoch! :)
#1 am 20.12.2015 von Gretchen (Gast)
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