Pausenzeichen

10.11.2015
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Das Reisen zwischen den Welten ist dynamisch. Auf eine Zeit hier folgt wieder eine Zeit dort. Dieser Rhythmus soll auch beibehalten werden...

Mama Daktaria macht Pause. Und der Schwerpunkt liegt auf „Pause“, nicht etwa der Flucht aus den Umständen, was mir kürzlich im Kommentar empfohlen wurde.


Ein einziges Mal, vor einigen Jahren, habe ich tatsächlich die Flucht ergriffen. In dem damaligen Kontext sah ich, zwischen den selbstbewussten einheimischen Männern vor Ort eingeklemmt, keinen Freiraum mehr für meine Arbeit. Ich reiste früher ab als geplant. Damals musste ich der Tatsache ins Auge sehen, schließlich doch überflüssig zu sein. Denn auch die einheimischen Kollegen und CO’s – so es denn welche gibt – sind kompetent, vor allem, was den dortigen Kontext angeht.

Ihr Wissen und ihre Praxiserfahrung sind ungleich breiter und vielfältiger als unsere eher spezialisierte Kompetenz. Wie soll es sonst auch gehen, einen Nachtdienst in allen Disziplinen durchzuziehen und vom Gynnotfall bis zum pädiatrischen und chirurgischen, ganz zu schweigen von dem internistischen Notfall, alles zu managen, was anfällt. Wenn also schliesslich genügend Personal vor Ort ist, das den Laden versorgt, ist es Zeit zu gehen.

Meine in regelmässigen Abständen durchgeführten Einsätze in Afrika südlich der Sahara sind inzwischen vertrautes Gelände. Zumeist ist der Kontext einer, der mir viel Freiraum lässt, weil einfach keine Kollegen oder COs vorhanden sind oder solche, die noch eine Portion Ausbildung wünschen und/oder brauchen. Dann sind die einheimischen Mitarbeiter froh, dass man sich dorthin aufgemacht hat.

Nachdem ich inzwischen mit vielen Wassern gewaschen bin, was Auslandseinsätze angeht, sehe ich manches gelassener als noch vor einigen Jahren. Ich möchte diese Einsätze nicht missen, denn ich halte einerseits den Ausbildungsaspekt für essentiell, andererseits sind mir die Menschen und Umstände ans Herz gewachsen sind. Afrika ist grauenvoll und wunderbar zugleich. Auch in der ärztlichen Arbeit, und die Freude der Patienten, denen geholfen werden kann, ist mit nichts aufzuwiegen.

Jetzt  taucht Mama Daktaria wieder für eine Weile in die festgezurrten Strukturen Deutschlands ein und wird sich an den maßlosen Ansprüchen und der Ungeduld mancher hiesigen Patienten reiben. Sie wird jedoch auch unser von allen Seiten kontrolliertes und so gut aufgestelltes System schätzen. Ein System, in dem nicht jeder auf Kosten der Patienten tun oder lassen kann, was er will, aber so viel mehr getan werden kann, wenn nötig.

In der Tat ist der nächste Einsatz bereits geplant, insofern darf ich sagen: auf Wiederlesen, Fortsetzung folgt…

Bildquelle (Außenseite): Annie Roi, flickr

 

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 27.11.2015.

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Gast
Liebe Mama Daktaria, ihre Kolumne wird mir fehlen, sie wirkt so echt und lebendig und ja schaurig, schön und faszinierend. Es gefällt mir, dass Sie wissen, dass alles, was wir tun letztendlich keine "gute Tat" ist, weil wir es ja letztlich für uns selbst tun. Jeder, der in der sogenannten Entwicklungshilfe tätig ist, tut gut daran zu verstehen, dass vor allem er selbst profitiert von seinem Aufenthalt, seinen Erfahrungen und Begegnungen, die häufig um so viel lebendiger und authentischer sind, als das, was wir hier zuhause er"leben. Woran liegt das? Ist man in Afrika wirklich näher dran an dem, was wirklich wichtig ist? Oder geht das hier auch? Schön wär' s doch. Auf jeden Fall Danke nochmal für Ihre Berichte und wie schön, dass wir teilhaben können, konnten.
#1 am 14.11.2015 von Gast
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