Als Zahnärztin für German Doctors auf den Philippinen unterwegs – Part I

09.11.2015
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Im letzten Sommer war ich für sechs Wochen als Zahnärztin für die German Doctors auf den Philippinen im Einsatz. Jeden Tag fuhren wir mit der „Rolling Clinic“ in ein anderes Dorf irgendwo in den Bergen. Weit, weit weg von jeglicher Zivilisation und ich fühlte mich, als wäre ich in der Nähe von Schneewittchen und den sieben Zwergen, hinter den sieben Bergen.

Wie durchfuhren Flüsse, nahmen Straßen, von denen ich es nie für möglich gehalten hätte, dass diese überhaupt passierbar sind: schlammig, mit tiefen Spurrillen, schwer beschädigt bis hin zu nicht existierend. Schwierig für Mann und Maschine zu bewältigen – in diesem Fall war die Maschine unser allradangetriebenes „Pick-up-Monster“. Manchmal mussten wir sogar auf Motorräder umsteigen, die an den Seiten angebaute Flügel hatten, um unsere Ausrüstung und unser Team zu transportieren.

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Das Team von Mindanao und Mindoro war bei meiner Arbeit eine großartige Hilfe. Ohne deren Hilfe und die ein oder andere Schulter zum ausheulen hätte ich das nie geschafft.

Unsere tägliche Routine bestand darin, früh morgens zwischen fünf und sechs Uhr von krähenden Hähnen, bellenden Hunden aufgeweckt zu werden, um dann, nach einem schnellen Frühstück, auch schon an den jeweiligen Einsatzort zu fahren.

Wir behandelten sowohl lebensbedrohliche als auch allgemeine Erkrankungen. In meinem Fall ging es den ganzen Tag darum, kariös zerstörte, tief abgebrochene und schmerzende Zähne zu entfernen. Das war unter den vorhandenen Bedingungen nicht immer einfach. Aber auch, wenn die Ausstattung vor Ort – im Vergleich zum europäischen Standard – nicht immer optimal ist, kann man trotzdem mit den einfachsten Mitteln unsere Arbeit angehen.

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Jeden einzelnen Tag durchlebte ich die ganze Bandbreite der Gefühlswelt und ich möchte euch mehr darüber erzählen, damit ihr verstehen könnt, was in einem vorgeht und wie es hinter den Kulissen aussieht, wenn man für eine Nichtregierungsorganisation (NRO) wie die German Doctors mit der rollenden Klinik unterwegs ist.

Enthusiasmus und Resignation

Als ich auf die Philippinen flog, um da das erste mal freiwillig in einem Entwicklungsland zu arbeiten, wusste ich nicht wirklich, was auf mich zukommen wird. Ich wusste nur, es wird hart werden, auf allen Ebenen. Ich bekam die Chance, etwas von meinem Glück im Leben zurückgeben zu können und durch meine beruflichen Fähigkeiten Menschen zu helfen, die diese Hilfe dringend benötigen.

Ich hatte genau das gleiche Gefühl, das ich hatte, als ich frisch von der Universität ins Alltagsleben gestolpert bin: Ich wollte jedem helfen, jedem mein Wissen vermitteln und damit die Welt verbessern.

Indem ich Zähne entfernte statt sie zu reparieren, habe ich die Patienten mit der absoluten Basisversion der heutigen westlichen Zahnmedizin behandelt. Aber für die Menschen vor Ort ist es die allergrösste Hilfe, die sie bekommen können. Jeder Einzelne schätzte es sehr, dass ich vor Ort war um, einen, manchmal zwei, drei oder noch mehr Zähne zu entfernen und ihnen damit den Schmerz zu nehmen.

Für mich als Zahnärztin war es sehr schockierend, soviel zerstörte Zähne auf einmal in einem Gebiss zu sehen. Festzustellen, dass Kinder schon am Morgen zu viele Süßigkeiten bekommen, weil diese preiswerter sind als so manches Grundnahrungsmittel, das eigentlich benötigt werden würde. Herauszufinden, dass manche nicht einmal eine Zahnbürste geschweige denn Zahnpasta besitzen, weil die Leute sich diesen „Luxus“ nicht leisten können.

 

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Jeden Morgen bevor wir mit unseren Behandlungen begonnen haben, wurden von unseren Assistenten Vorträge darüber gehalten, wie man richtig Zähne putzt, was man tun kann, um Zähne gesund zu erhalten und dies auch am Modell gezeigt.

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Wenn ich dabei in die Gesichter der Menschen geschaut habe, kam es mir oft so vor, als würden sie das alles nicht verstehen, was wir da erklären. Sie hören überhaupt nicht zu. Es ist ihnen egal. Andere Dinge, wie zum Beispiel die Sorge darüber, wo und wann man das nächste mal etwas zu essen herbekommt sind einfach viel wichtiger für sie. Denn viele Leute, besonders kleine Kinder, hungern und sind unterernährt.

Aus meinem Enthusiasmus zu Beginn des Einsatzes wurde so etwas wie Resignation. Ich realisierte, dass ich die Welt nicht verändern konnte. Ich kann lediglich einen kleinen Beitrag leisten, um sie für den Moment ein klein wenig angenehmer für sie zu machen.

Es wird lange dauern, bis sich durch stetige Aufklärung kleine Dinge in ihrem Leben verändern. Aber möge es auch nur die kleinste Veränderung sein, sie ist es wert.

Hier geht's zum Blog der Toothfairy und der German Doctors!

Bildquelle (Außenseite): Simon Row, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 08.12.2015.

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Zahnmedizin
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ein toller Beitrag... Dankeschön dafür. ..
#7 am 05.12.2015 von Torsten Hnyk (Rettungsassistent)
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Gast
Danke für den Beitrag. Ich kenne das neue Problem schlechter Zähne aus Indien, wo früher traditionell mit Zweigen vom Nimh Baum oder anderen speziellen Zweigen die Zähne morgens gereinigt wurden. Heute noch haben die meisten Inder (im Panjab zumindest) perfekte Zähne, während die Zähne bei Kindern extrem schlecht sind. Zahnbürsten werden benutzt bis die Borsten nicht mehr da sind, und Kindern wird die neue Art der oralen Hygiene nicht vermittelt.
#6 am 02.12.2015 von Gast
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Hallo an alle und ganz lieben Dank für die netten Kommentare! Den Artikel habe ich in meiner 'Aufarbeitungsphase' geschrieben ... Die Frustration hat sich gelegt und ich bin mir bewusst, dass wir jedem Einzelnen geholfen haben :) und das fühlt sich gut an! Ich hoffe ich freut euch schon auf den Part II und III liebe Grüße The Tooth Fairy
#5 am 02.12.2015 von Winnie Skupin (Zahnärztin)
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Diese Gefühl kenne ich. So ging es mir das1. Mal in Mindanao . Die Entschädigung kam durch die Dankbarkeit der Menschen und die Freundlichkeit mit der wir aufgenommen wurden. aber es stimmt, mit dieser Hilfe hast Du zum Glück dieser Menschen beigetragen. Mach's nochmal und Du wirst sehen Du Fühlst Dich hinterher richtig gut. Ich war 4x da und es war jedes Mal ein tolles Erlebnis und Labung der Seele!
#4 am 01.12.2015 von Dr Matthias Silbermann (Zahnarzt)
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Jeder Mensch sollte die Welt mit seinem Leben ein ganz klein wenig besser machen… Frances Hodgson Burnett (1849 - 1924), aus »Der kleine Lord« Und mit dem was Du da tust liebe Zahnfee wird sie eben ein klein wenig oder sogar ganz schön viel besser. Denk doch mal an Deinen letzten Patienten mit den mörderischen Zahnschmerzen. Das grundlegende Problem der Armut wird natürlich durch Eure Arbeit nicht verschwinden. Aber den Menschen hilft es doch - den Schmerz behandeln, Aufklären wo es nur geht und ich bin mir sicher, dass bei dem einen oder anderen was hängen bleibt Kein Grund also zum Resignieren - ganz im Gegenteil. Meinen Respekt und Dank für die tolle Arbeit.
#3 am 30.11.2015 von Dr. Michael Scheel (Arzt)
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Jede noch so kleine Aufklärung und Hilfe ist für diese Menschen ein Gewinn ! Ich findes es ganz toll was ihr da macht ! Vielen Dank dafür.
#2 am 30.11.2015 von Anke Vormann-Stahl (Arzthelferin)
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Gast
Selbst wenn nur einer von allen ein bisschen was dazugelernt hat ( das ist ja nicht auszuschließen ), ist für diesen einen Menschen schon was gewonnen. Auch noch so kleine Erfolge sollten nie vergessen werden:-)
#1 am 30.11.2015 von Gast
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In meinem ersten Artikel über meine Arbeit für die German Doctors habe ich euch etwas über Enthusiasmus und mehr...

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