Früh übt sich

03.11.2015
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Ich hatte in den letzten Wochen die Möglichkeit, in KiTas und Schulen zu gehen und dort über den Beruf des Arztes und Medizin zu sprechen. Es war zwar etwas anstrengend, das neben der Sprechstunde zu bewältigen, aber auch sehr schön zu sehen, was es für tolle, interessierte junge Menschen bei uns gibt.

Bei den ganz Kleinen im Kindergarten habe ich vor allem darüber gesprochen, was ein Arzt so bei der Untersuchung der Kinder macht, warum Spritzen manchmal sein müssen, was man mit einem Stethoskop und einem Otoskop macht und wie eine Blutentnahme funktioniert. Außerdem haben wir im Rahmen einer Projektwoche der Kindergärten über Gesundheit und gesunde Ernährung gesprochen. Es war schön, zu sehen, wie unbefangen und interessiert die Kinder an den Vorgängen ihres Körpers waren und auch schon viel zu gesunder Ernährung wussten. Ich hoffe, dass kontinuierlich wiederholte Grundlagen zu gesunder Ernährung und Normalfunktionen des Körpers gut verinnerlicht werden und zu einer möglichst gesunden Lebensweise im Erwachsenenalter führen.

Natürlich sind die im Kindergarten beigebrachten Verhaltensweisen wichtig, nützen aber nicht viel, wenn die Eltern und das familiäre Umfeld den Großteil der Zeit eine völlig andere Lebensweise vorleben. Wie groß der Einfluss der Familie und der unmittelbaren Umgebung auf die Entwicklung der Kinder und ihrer Wehwehchen sind, sehe ich auch immer wieder in Praxis. Eltern, die zum Beispiel über ein gesundes Maß auf ihre Körperfunktionen als Zeichen einer eventuell nahenden Krankheit fixiert sind und hinter jedem Schnupfen gleich eine schwerwiegende Krankheit vermuten, übertragen das auch auf ihre Kinder. Selbst wenn die Kinder dann bereits Jugendliche oder junge Erwachsene sind und selbst entscheiden können, wann sie krank sind und wann nicht, legen sie dasselbe Verhaltensmuster an den Tag, wie sie es von ihren Eltern jahrelang vorgelebt bekommen haben.

Bei den etwas älteren Jugendlichen in den Schulen habe ich vor allem über die Anforderungen des Medizinstudiums und das Berufsbild des Arztes gesprochen. Das Interesse an Medizin ist unter den Abiturienten von Morgen immer noch ungebrochen. Im Vergleich zu meiner Vorstudienzeit finde ich es erstaunlich, wie genau und gut viele Schüler im Hinblick auf ihr gewünschtes Studium schon informiert sind. Da wurden schon mehrere freiwillige Praktika gemacht, ein genauer Plan für das Studium inklusive aller Famulatur-Orte steht schon lange fest. Ob das immer nur ein Vorteil ist, wenn man schon mit 17 die nächsten 10 Jahre seines Lebens komplett ausgeplant hat, weiß ich nicht.

Ich habe während meiner Studienzeit jahrelang als Tutor in der Physiologie mit jüngeren Studenten gearbeitet und sie in den Praktika und Seminaren betreut. Hier fiel mir immer wieder auf, je verbissener Studenten an ihrem Studienplan festhielten, desto schwerer fiel es ihnen, mit Rückschlägen, verpatzten Testaten oder Klausuren oder auch nur einem ausgefallenen Lernnachmittag umzugehen. Mehr als einmal musste ich Studenten trösten, weil sie in einem Testat durchgefallen waren, ein Testat, was man jede Woche ablegen und wiederholen konnte und nur das Praktikum zum Inhalt hatte. Was für andere Studenten zwar ärgerlich, aber nicht weiter tragisch war, wurde für die „durchgeplanten“ Studenten gleich zu einer mittleren Katastrophe.

Ich bin froh, dass ich mit 17 noch überhaupt nicht wusste, dass ich einmal Medizin studieren werde. Auch im Studium habe ich zwar gemerkt: Ja, das möchte ich machen. Aber auch was den Facharzt angeht, war ich bis zum Schluss recht offen, bis ich mich entschieden habe. Meine Entscheidung bereue ich bis heute nicht, bin aber dankbar, viel Stress im Studium und vorher nicht gehabt zu haben, weil ich eben nicht ganz so verbissen und durchgeplant an die Sache herangegangen bin. Etwas mehr Lockerheit bei allem gebotenen Ernst und Durchhaltevermögen, das man bei diesem Studium und Beruf braucht, tut den meisten gut. Das habe ich in den Schulen immer versucht, zu vermitteln. Das und auch, dass der Beruf des Arztes – trotz aller Schwierigkeiten – einer der, wie ich finde, schönsten Berufe ist.

Bildquelle: Palm, thinkstock

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.11.2015.

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Gast
In welchem Rahmen sind Sie zu den Kindern und Jugendlichen gegangen? Ich bin Assistenzärztin und würde das auch gerne mal machen.
#4 am 08.11.2015 von Gast
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Das 20 Jahre nach der maximalen Katastrophe eines vormals nicht katastrophierenden zu lesen - nämlich 3 x durchs Physikum gefallen zu sein - stimmt mich sehr nachdenklich und traurig. Allen, die sich für diesen Beruf entscheiden, sei mehr Glück gewünscht. Wenn ich bei jedem durchgefallenen Testat gleich geweint hätte, wäre ich nie angetreten. Und es sei gesagt: das Leben geht weiter.
#3 am 06.11.2015 von Alfred Frohn (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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Weil Sie die Studierenden ansprechen, die "kleine Probleme" ganz furchtbar empfinden, wir nennen das bei uns in der Lehre an der UNI "Katastrophieren". Viele haben noch nicht wirkliche Katastrophen (große Probleme) erlebt, sodass sie schon "Kleinigkeiten" als Niederlage empfinden. Auch perfekt zu sein, ist eine grundsätzlich anzustrebene Tugend, die man aber nie vollkommen erreicht! Wenn man nun in der Veterinärmedizin ein fast schon "pathologischer" Perfektionist ist (7 Tierarten mit unterschiedlicher Anatomie, Physiologie, Pharmakologie,..), dann führt das ebenfalls zum "Katstrophieren". In der Humanmedizin gilt das gleiche für Fachdisziplinen. Perfektionisten sehen in keinem Fach den Horizont oder eine Grenze, logisch, sie gibt es ja auch nicht. Und damit muss man lernen zu leben. Ein alter Spruch über Noten sagt: "Das Genügend ist das Sehr Gut des ökonomischen Studenten!" Wobei in Österreich die Noten so sind: 1= Sehr Gut, 2=Gut, 3=Befriedigend, 4=Genügend, 5=Nicht Genügend.
#2 am 05.11.2015 von Univ. Doz. Dr. Alexander Probst (Tierarzt)
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E.F.
Ein großes Danke! Ich lese das hier gerade vor einer Klausur und ja es stimmt, manchmal sollte man sich tatsächlich einfach etwas zurücknehmen und sich etwas, weniger Druck machen!
#1 am 04.11.2015 von E.F. (Gast)
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