Das Geld ist weg

03.11.2015
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Alle Jahre wieder ist er fällig: der Kammerbeitrag. Doch was habe ich von den Unkosten?

Eine nicht vermeidbare Zahlung, die jedes Jahr aufs Neue fällig ist, ist der Mitgliedsbeitrag zur Ärztekammer. Und jedes Jahr ist das der Posten in meinen Zahlungsverpflichtungen, der mich am meisten ärgert, weshalb ich auch dazu neige, ihn erst zum letztmöglichen Zeitpunkt erst nach entsprechender Mahnung zu überweisen.
 Warum er mich ärgert?

Weil ich mich jedes Jahr aufs Neue frage, warum ich mehrere 100 Euro zahlen muss, wenn ich für jede Leistung der Ärztekammer, die ich gegebenenfalls in Anspruch nehme (Facharztprüfung, Fortbildungszertifikat, Weiterbildungsbefugnis usw.), extra zur Kasse gebeten werde – und das nicht zu knapp. Dabei führt sich diese Behörde kleinkarierter und bürokratischer auf als manches Amt.

Okay, ich erhalte wöchentlich das Deutsche Ärzteblatt und einmal im Monat das Rheinische Ärzteblatt ungefragt frei Haus. Beide wandern bei mir in neun von zehn Fällen ungelesen auf dem direkten Weg vom Briefkasten zum Altpapier. Der Inhalt interessiert mich selten, da er sich vor allem an niedergelassene Ärzte richtet und die Fortbildungsthemen auch nicht ansatzweise in mein Fachgebiet fallen – oder falls sie es doch einmal tun, für mich in der Regel „olle Kamellen“ sind, da sie bereits früher in echten Fachzeitschriften abgehandelt wurden. Man hat noch nicht einmal die Wahl, ob man die Zeitschriften vielleicht nur online (nicht) lesen möchte, um so den Kammerbeitrag zumindest potentiell zu senken und dabei sogar die Umwelt zu entlasten.


Ansonsten fühle ich mich durch die Ärztekammer in der Regel unterrepräsentiert. Ich habe stets den Eindruck, dass die dortigen Funktionäre stärker die Interessen der niedergelassenen als der im Krankenhaus angestellten Ärzte vertreten, obwohl letztere inzwischen 51 % aller berufstätigen Mediziner stellen.

Wahrscheinlich haben aber meine Kammerbeiträge wenigstens dabei geholfen den Palazzo Protzo in der Düsseldorfer Tersteegenstraße mit zu finanzieren. Darauf kann man doch stolz sein, oder?

Hurra!

Bildquelle (Außenseite): Dave, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 10.11.2015.

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@ #11 Meines Wissens bleibt bei Berufsaufgabe (d.h. bei Rückgabe der Kassenzulassung) zwar die Kammermitgliedschaft bestehen aber die Beiträge dazu entfallen. So war es zumindest bei mir (Zahnmediziner) nachdem ich von dem Bürokratieirrsinn und Verwaltungswahnsinn genug hatte und meinen Laden verkauft habe.
#12 am 29.11.2015 von Dr. Marco Mundorff (Zahnarzt)
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Gast
Ich kann noch verstehen, dass ich einen Kammerbeitrag zahlen muss, wenn ich als Ärztin tätig bin, auch wenn ich dafür, wie viele sagen, keine wirklichen Leistungen erhalte. Was mich aber wirklich ärgert ist, sollte ich meine Berufstätigkeit als Ärztin aufgeben (weshalb auch immer) und in einem ganz anderen Beruf tätig sein, kann ich nicht einfach meine Kammermitgliedschaft kündigen, sondern ich zahle ein Leben lang. Das ist für mich unverschämt.
#11 am 12.11.2015 von Gast
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Doris Haase
Alle Jahre wieder... wird auch der Beitrag zur Psychotherapeutenkammer fällig. Dieser liegt in Niedersachsen bei 460 Euro, sogar für mich als Rentnerin mit einem geringen Zuverdienst im Bereich Lerntherapie! Die Psychotherapeutenkammer kümmert sich durchaus um die Interessen ihrer Mitglieder, d. h. der Psychotherapeuten, die von den Krankenkassen anerkannt sind, aber nicht um die Interessen derjenigen Therapeuten, die beim Psychotherapeutengesetz "hinten runtergefallen sind". D. h. auch nicht um die Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung im psychotherapeutischen Bereich. Sicher, man kann sagen, das ist nicht die Aufgabe der Kammern, aber das eine oder andere könnten sie vielleicht schon bewirken... Doris Haase
#10 am 12.11.2015 von Doris Haase (Gast)
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Wer "mehrere 100 Euro" als Ärztekammer (ÄK)-Beitrag zahlen muss oder "einen Kurzurlaub finanzieren könnte," der verfügt auch über ein ansehnliches Arzteinkommen, denn die ÄK-Beiträge sind einkommensabhängig gestaffelt. Die Landes-ÄK sind ebenso wie Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) "Körperschaften Öffentlichen Rechts". Sie handeln in staatlichem Auftrag, vergleichbar mit Finanzbehörden oder der Bankenaufsicht BaFin. Deshalb sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft wenig flexibel. Alle Landes-ÄK und die Bundesärztekammer (BÄK) sind auf Grund des Mehrheitswahlrechts fest in der Hand des Marburger Bunds (mb) - angestellte Ärzte stellen 51 % aller berufstätigen Mediziner. "Dass die dortigen Funktionäre stärker die Interessen der Niedergelassenen" vertrete, wäre mir vollkommen neu: Urodoc, verwechseln Sie das nicht mit den KVen und der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung)?
#9 am 11.11.2015 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
@ Dr. Wittstamm: Der Kammerbeitrag ist zumindest bei mir so hoch, dass ich davon einen Kurzurlaub finanzieren könnte, womit er gefühlt sinnvoller angelegt wäre.
#8 am 10.11.2015 von Gast
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UroDoc
@ #4: Wurde denn im Gegenzug der Kammerbeitrag gesenkt?
#7 am 10.11.2015 von UroDoc (Gast)
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Der Kammerbeitrag beträgt weniger als 1 % des Jahreseinkommens. Das ist nicht wirklich viel. Die Frage ist doch, was wir dafür bekommen, und das scheint gefühlt auch bei mir herzlich wenig. Das Mindeste, was wir hier erwarten können, wäre aber eine jährliche verständliche transparente Darstellung der Einnahmen und Ausgaben. Dafür sollten sich unsere Kammervertreter mal stark machen.
#6 am 10.11.2015 von Dr. med. Franz-Josef Wittstamm (Arzt)
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Gast
Sorry, ich meinte natürlich ich bekomme die Printversion nicht mehr dafür PDF
#5 am 09.11.2015 von Gast
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Gast
Die Printversion des Ärzteblattes (Deutschland und Bayern) bekomme ich beide seit einigen Monaten ohne größere Problem nach Antrag als PDF oder E-Book. Ansonsten erscheint mir unsere Standesvertretung auch als Behörde mit Dienst nach Vorschrift: Wartezeiten auf Bearbeitung des FA Prüfungstermins 5-6 Monate, Weiterbildungsbefugnis noch länger und völlig realitätsfremde Entscheidungen.
#4 am 09.11.2015 von Gast
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Gast
ich wünschte dieser Beitrag könnte bei Entscheidungsträgern etwas bewirken.
#3 am 09.11.2015 von Gast
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Gast
Sehr geehrter Herr Kollege, mit diesen Zeilen sprechen Sie sichern nicht nur mir aus der Seele. Besonders wenn man von den Ärztekammern Entgegenkommen benötigt (z.B. bei der Mitteilung eines Prüfungstermins o.Ä.) bekommt man doch stark den Eindruck, dass man es nicht mit einem Organ der Selbstverwaltung zu tun hat, sondern vielmehr mit einer Behörde. Und als solche sehe ich die Ärztekammer mittlerweile auch an. Das hilft mir tatsächlich, denn was erwartet man von einer Behörde? Genau, das Verhalten, das die Ärztekammer typischerweise an den Tag legt! (O-Ton hierzu: "Nein, die Voraussetzungen für die Weiterbildungsbefugnis kann ich Ihnen nicht nennen, da müssen Sie schriftlich anfragen!- Nachdem ich 5 Mal weiterverbunden worden war..."
#2 am 09.11.2015 von Gast
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Als ich noch alle zwei Jahre die Ermächtigung für ambulante Anästhesie Krankenhaus beantragen und hierzu im Katastrophenanzug bei der KV anrücken musste, habe ich mich gefragt, ob ich mich von der Obrigkeit und ihren kaffeduftenden Hofschranzen als Bittsteller schikanieren lassen oder ihnen einfach die Brocken vor die Füße schmeißen sollte. Ich habe es dann für meine operativen Kollegen und deren Patienten ertragen und anschließend solange vom Teakholz-Ambiente der KV geträumt, bis mir im Mini-Lagerraum-Arztzimmer meiner Intensivstation die nächste Infusionskiste auf den Kopf knallte. Verwaltungsbürokratie als Selbstzweck - darin war unsere verfasste Ärzteschaft schon immer führend und zu allen Opfern bereit, egal was es kostet.
#1 am 09.11.2015 von Dr. med. Gerhard Kaysser (Arzt)
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