PR: Schwerpunktthemen Fuß und Sport beim 25. Bamberger Seminar für Orthopädie und Unfallchirurgie

22.10.2015
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Zur Jubiläumstagung am 10. Oktober begrüßte der Ärztliche Kreisverband Bamberg 69 Ärztinnen und Ärzte aus ganz Deutschland. Vier Referenten gaben aktuelle Einblicke in die Behandlung von Sprunggelenksverletzungen, Trends der Fußchirurgie sowie die sportmedizinische Praxis bei Knorpel- und Wirbelsäulenproblemen von Profiathleten.

Dr. med. Florian Dreyer vom Zentrum für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie an der Schön Klinik München-Harlaching beleuchtete vielfach übersehene Verletzungen rund ums Sprunggelenk. Dazu zählen beispielsweise Peronealsehnenrupturen oder -luxationen sowie Verletzungen der vorderen Syndesmose und des Lisfranc Ligaments. Oft unentdeckt bleiben auch Innenbandrupturen, die nicht selten nur bei kompletter Zerreißung aller Anteile instabil werden. Sie können als Begleitverletzung einer Außenbandruptur auftreten und Dreyer empfiehlt in Abhängigkeit vom Verletzungsausmaß eine Behandlung mit Orthesen und Bandagen, die nicht komplett immobilisieren, um spätere Bewegungseinschränkungen zu vermeiden. „Ebenfalls häufig, aber auch häufig übersehen“ sind laut Dreyer Abrissfrakturen des Ligamentum bifurcatum, die bei konservativer Therapie das Risiko einer Dislokation und Pseudarthrose bergen. Daher sollte man mit dem Patienten eine operative Behandlung abwägen. Sehr selten sind hingegen Luxationen der Tibialis posterior Sehne, die bei rechtzeitiger Operation völlig ausgeheilt werden können. Um die in vielen Fällen übersehenen Sprunggelenksschäden zu erkennen, unterstreicht Dreyer die Bedeutung einer gründlichen Anamnese in Kombination mit einer ausführlichen Untersuchung. Im Anschluss könnten bildgebende Untersuchungen mit der richtigen Fragestellung an den Radiologen sicherer bewertet, und das Risiko übersehener Verletzungen minimiert werden.

Als zweiter Referent stellte Dr. med. Manfred Thomas von der Hessingpark-Clinic in Augsburg aktuelle Trends der Fußchirurgie vor. Minimalinvasive Operationstechniken wie Arthroskopie, Endoskopie am Vorfuß oder Osteotomien an Fersenbein und Fußwurzel würden viele Vorteile gegenüber offenen OP-Verfahren bieten. Der Patient benötigt aufgrund der kleineren Schnitte kürzere Nähte. Durch die geringen Weichteilirritationen und geringeren Schwellungen kann er den Fuß meist rasch nach der OP wieder belasten. Ein nennenswerter Nachteil ist die erhöhte Strahlenbelastung für Arzt, Patient und OP-Team durch den notwendigen Einsatz eines Fluoroskops. Ein weiterer Trend in der modernen Fußchirurgie seien bioresobierbare Implantate, also vom Körper abbaubare Schrauben, die nicht Monate nach der OP wieder entfernt werden müssen. Sogenannte Zuckerschrauben aus Polylactid setzen bei der Resorption viel Flüssigkeit frei, was zu lokaler Zystenbildung führen kann. Nicht so bei Magnesiumimplantaten, die etwas langsamer abgebaut werden und primär stabiler sind. Die Elastizität dieser Implantate ist derjenigen des Knochens bereits recht ähnlich. Aktuell viel diskutiert wird in der Fußchirurgie außerdem eine Fehlfunktion oder Insuffizienz der sogenannten plantaren Platte, die einen wesentlichen Teil der Gelenkkapsel der Mittelfußgelenke am Vorfuß darstellen. Die Mediziner C. Nery und M. Coughlin sind führend auf diesem relativ neuen Forschungsgebiet. Bei Verletzungen der plantaren Platte sollte man laut Thomas zwar die konservativen Möglichkeiten ausschöpfen, aber auch wissen, wann eine OP unumgänglich ist, beispielsweise bei Luxationen der Gelenke infolge einer Ruptur der plantaren Platte.

Über aktuelle Behandlungsmöglichkeiten von Knorpelschäden am Kniegelenk bei Sportlern referierte Dr. med. Henning Ott, Arzt am Altius Swiss Sportmed Center im schweizerischen Rheinfelden. Da Knorpelverletzungen mit langen Ausfallzeiten verbunden sind, sollte man sich bei der Wahl der Therapie besonders sicher sein, erklärt der Sportmediziner. Nicht immer ist die schnellste Option zu bevorzugen, sondern in die Entscheidungen fließen neben Art und Größe des Defekts viele weitere Faktoren ein: Wie alt ist der Sportler? Verdient er mit dem Sport seinen Lebensunterhalt? Welche Karrierepläne hat er? So ist die Mikrofrakturierung aufgrund der verhältnismäßig kurzen Ausfallzeit zwar im Spitzensport die am häufigsten angewandte Methode. Dennoch rät Ott jungen Sportlern mit einem entsprechenden Defekt zur langwierigeren Knorpelzellentransplantation (Autologe Chondrozyten-Transplantation ACT), da diese langfristig bessere Ergebnisse bringt. Für eine erfolgreiche Reha sind ein systematischer Stufenplan sowie eine gute Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Physiotherapeuten und Trainern entscheidend. Regelmäßige Funktionstests geben Aufschluss über den Fortschritt – auch für den Patienten.

Ebenfalls einen sportmedizinischen Fokus hatte der Beitrag von Dr. med. Stefan Mattyasovszky von der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Unter dem Titel „Das Kreuz mit dem Kreuz beim Sportler“ erläuterte der Wirbelsäulenspezialist, dass akute traumatische Wirbelsäulenverletzungen zwar bei Extrem- und Kontaktsportarten regelmäßig auftreten, jedoch insgesamt unter allen Verletzungen relativ selten vorkommen. Laut einer aktuellen Publikation mit Befragung von Spitzensportlern hatten in den letzten zwölf Monaten mehr als die Hälfte der Athleten regelmäßig mit Rückenbeschwerden zu kämpfen. Das sind ähnliche Verhältnisse wie in der Normalbevölkerung und auch unter Sportlern handelt es sich überwiegend um unspezifische Rückenschmerzen. Bei den spezifizierbaren Rückenleiden zählen die bandscheibenbedingten Erkrankungen zu den häufigsten Ursachen. Der Verschleiß der „Stoßdämpfer“ zwischen den Wirbeln beginnt bereits sehr früh im Jugendalter. Deshalb unterstreicht Mattyasovszky die hohe Bedeutung der Prävention vor dem Auftreten von Beschwerden. Gerade bei jungen Athleten sei dies für die spätere Laufbahn essentiell. „Deshalb sind präventive Übungen inzwischen fester Bestandteil der Trainingspläne aller Profisportler. Sie sollen eine muskuläre Balance des Rumpfes schaffen und die Muskeln als dynamische Stabilisatoren der Wirbelsäule stärken.“ Unter allen orthopädischen und unfallchirurgischen Diagnosen sollte jedoch auch die Psyche eines Sportlers nicht in Vergessenheit geraten, das weiß der Sportmediziner aus Erfahrung: „Ich kenne kaum ein orthopädisches Krankheitsbild, das so stark die Seele des Menschen widerspiegelt wie der Rückenschmerz.“

Mit den aktuellen Vortragsthemen und regen Diskussionen war das zweimal jährlich stattfindende Seminar auch im Oktober wieder eine gute Gelegenheit zur Weiterbildung, die von der Akademie für Fortbildung der Bayerischen Landesärztekammer anerkannt und zertifiziert wird. Die Organisation des Seminars hatte der Ärztliche Kreisverband an den Sponsor Ofa Bamberg übertragen. Die nächste Veranstaltung findet am 18. Juni 2016 statt.

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.10.2015.

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