Medikamentenabfall

05.08.2012
Teilen

Wir bekamen von einem Mann eine grössere Menge Medikamente retour. Der Mann wohnt zwar noch bei sich zu Hause, kommt aber alleine kaum mehr vor die Türe. Die Mehrheit der Medikamente bezieht er entweder direkt vom Arzt (was bei mir in der Gegend eigentlich illegal ist, leider aber von einzelnen Ärzten trotzdem praktiziert wird) oder von einem Lieferdienst – das sieht man an manchen Etiketten auf der Packung. Ganz selten braucht er sonst etwas von der Apotheke und dann bringen wir es ihm vorbei – bei einer dieser Auslieferungen haben wir auch die Medikamente zurück bekommen.

Die Menge war … überraschend. Speziell weil darunter ganz viele unangebrochene Packungen waren.

Sortis, Lansoprazol, Zaldiar, Aspirin cardio …

Der Wert der Packungen etwas über 1000 Franken.

Weil ich mit dem Herrn schon zu tun hatte (per Telefon meist), wagte ich einen Anruf bei ihm zu Hause. Ich wollte von ihm wissen, warum er seine Medikamente offensichtlich nicht nahm – und vor allem warum er sie trotzdem bezog.

Er ist ja nur bedingt einer „unserer“ Patienten, aber … das ist ein allgemeines Problem .. und hier hatte ich einmal jemanden zu Hand, den ich fragen konnte. Unverbindlich sozusagen.

Anfangs war er ziemlich beunruhigt, dass er jetzt Schwierigkeiten bekommen würde – und ich musste ihn beruhigen, dass das nicht der Fall war, dass ich einfach nur wissen wollte wieso und nur sein Bestes im Sinn habe.

Ich wollte eigentlich nur herausfinden, wieso und ob er die richtige Entscheidung getroffen hat – ja, manchmal ist es richtig, seine Medikation zu stoppen, aber …

Seine Erklärungen weshalb er sie nicht nahm:

-      er wusste nicht mehr, für was sie ihm verschrieben worden waren

-      er dachte, er brauche die Medikamente nicht wirklich

-      und er wollte den Arzt nicht enttäuschen, indem er sie nicht mehr bestellte

Ich habe dann mit ihm gesprochen über die Medikamente und das warum und wie und dass es wichtig ist, dass er sie nimmt. Auf das Zaldiar kann er verzichten, wenn er nicht so Schmerzen hat, aber für sein Herzproblem wäre es besser, wenn er vorsorgend seinen Blutverdünner und den Cholesterinsenker nimmt.

Der Arzt hat sich wahrscheinlich auch schon gefragt, warum  die Medikamente nicht anzuschlagen scheinen – anhand dessen, dass ich in den Retouren sowohl Aspirin cardio 100er und 300er gefunden habe und 2 Stärken Sortis, hat er es wohl auch schon mit einer Dosisanpassung versucht.

Es ist halt schon so: Medikamente, die man nicht nimmt, wirken auch nicht.

Ich habe ihm dann geraten einen Termin mit dem Arzt zu machen und das nochmals zu besprechen. Falls er das Gefühl hat, sein Arzt nehme ihn nicht ernst, … kann er immer noch einen anderen aussuchen.

 ...

Mehr lesen? Besucht mich auf Pharmama.ch !  

Bildquelle: Barbara Buschow

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

0 Wertungen (0 ø)
244 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Junger Mann kommt in die Apotheke: „Ich muss für meine Freundin die Pillen abholen, die sie bestellt mehr...
Mann: „Hallo, ich brauche das Medikament für meine Nase vom Rezept. Ich denke, es ist mehr...
„Das ist sie wieder!“ raunt mir Pharmaassistentin Donna zu – sie ist gerade gekommen und noch in den mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: