„Das ist doch kein Beinbruch.“ Oder doch?

04.09.2015
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Eine Schenkelhalsfraktur bei einem Siebzehnjährigen. Keine OP-Möglichkeit. Kann das gut gehen?

Ein Siebzehnjähriger wird von der Familie gebracht. Nach hartem Sturz auf einen Stein schmerzt ihm die linke Hüfte. Er kann nicht mehr auftreten. Im Röntgen zeigt sich tatsächlich eine Schenkelhalsfraktur, und auch wirklich nur diese. Das Becken ist noch heil, es gibt keinen Anhaltspunkt für einen Knochentumor oder sonstige knöcherne Anomalien und die Fraktur steht nicht schlecht, es gibt momentan keine wesentliche Dislokation. Ich wollte es erst nicht glauben, aber die Symptomatik war typisch. So, wie man es von all den älteren, osteoporosegeplagten Patienten zuhause gewohnt ist.

Intensives Gespräch mit der Familie, sechs aufmerksame Gesichter: die Eltern, eine Tante, der erwachsene Cousin, einer der größeren Brüder und natürlich der Patient selbst. Die Familie macht einen gut organisierten, auch gebildeten Eindruck. Aber für eine Operation ist, wie immer, kein Geld da. Weder für die weite Reise dahin, wo es das richtige Osteosynthesematerial gibt, noch für die Behandlungskosten. Was dann? Wir sprechen alles detailliert durch. Soll der Junge in die Extension auf Station? Oder letzte Möglichkeit: ein Becken-Bein-Gips für viele Wochen? Es dauert eine Weile, bis sich die Familie entschieden hat. Der Gips ist die Methode der Wahl.

Wollt ihr das wirklich? Und es wird nur klappen, wenn der Gips stabil bleibt, der Junge nicht damit zu sitzen versucht, 8-12 Wochen liegen, ist euch das klar? Sie haben es sich überlegt und entschieden. Wir schaffen das, ist die Botschaft. Der Gips, Uraltmethode, völlig out eigentlich, da, wo ich herkomme, wird angelegt. Letzte Tipps gegeben. Gebeten, bei Problemen wieder zu kommen (eine Reise von 5-7 Stunden. Und tragen müssten sie den Jungen. So, wie sie ihn schon hergetragen haben und wieder nach Hause tragen werden). Gipskontrolle in 3-4 Wochen (in Anbetracht der Distanzen). 

Vier Wochen später: die Familie bringt den Jungen zur Kontrolle. Der Gips ist gepflegt, sauber, stabil. Der Junge guter Dinge. Die Familie optimistisch. Dieser Patient hat wirklich Glück, was die menschlichen Rahmenbedingungen angeht. Das könnte gut werden.

Bildquelle (Außenseite): Ted Eytan, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.09.2015.

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Arzt
richtig #4 den "Beckenbein-Gips" nimmt man bei der Obeschenkelschaftfraktur, hier gibt es im Gegensatz zum Kopfbereich keine Durchblutungsprobleme. Leichter Druck bei unverschobener medialer SH-Fraktur ist ein Knochenbildungsreiz, genau deshalb vermeidet man eine längere komplette Entlastung bei diesem Frakturtyp.
#8 am 13.09.2015 von Arzt (Gast)
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@ #2 Gast - Das nenne ich unverstandene DocCheckBlog-Beiträge, verständnislose Exportstrategie und fragwürdige Entwicklungshilfe für Afrika: Einfach dem afrikanischen Buschkrankenhaus eine umstrittene und eher nutzlose Melmak-Ultraschalltherapie andrehen, die nicht mal routinemäßig von hiesigen Krankenkassen erstattet wird, weil sie höchst umstritten ist! "Methoden, um die Frakturheilung zu stimulieren, sind begrenzt. Experimentelle und klinische Ansätze wie beispielsweise Ultraschall konnten nicht überzeugen." (Univ.-Prof. Dr. Gerold Holzer, Universitätsklinik für Orthopädie, Medizinische Universität Wien). http://orthopaedie-unfallchirurgie.universimed.com/artikel/pharmakologische-intervention-bei-frakturheilung
#7 am 10.09.2015 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Lieber Dr. Reichle, vielen Dank für Ihren aufmerksamen Kommentar. Bei dem Bild handelt es sich lediglich um ein Schmuckbild, welches die Redaktion ausgewählt hat und nicht um den tatsächlichen Gips aus dem Blogpost. Ihre DocCheck News Redaktion
#6 am 10.09.2015 von DocCheck News Redaktion (Mitarbeiter von DocCheck)
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Dr. Stefan Graf
Als Nicht-Mediziner kann ich die Aussichten der alten konservativen Methode nicht beurteilen. Mich mahnt der Artikel zur Bescheiden. Aller Ungereimtheiten im deutschen Gesundheitssystem zum Trotz sollten wir uns öfter mal ins Bewusstsein rufen, welch eine Luxus es ist, in Deutschland krankenversichert leben zu dürfen - ein Luxus, an den wir uns nicht nur beim Lesen eines solchen Berichtes (vielen Dank dafür) erinnern sollten.
#5 am 10.09.2015 von Dr. Stefan Graf (Gast)
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Gast
Auch bei Alten gibt es die Möglichkeit einer konservativen Behandlung bei der medialen eingestauchten praktisch unverschobenen SH-Fraktur. Das wird in der Regel NICHT eingegipst und nach spätestens 3 Wochen vorsichtig teilbelastet. Wenns schief geht, auch bei sek. Kopfnekrose, die es auch bei Kindern gibt, Op, Kopfprothese.
#4 am 09.09.2015 von Gast
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Gast
Lieber Gast, danke für die Werbung für Melmak, aber vielleicht lesen Sie doch nochmal den Text! Es geht hier um die Behandlung in Afrika! Die Familie musste den Patienten stundenlang zum Arzt TRAGEN!!!!! Von welchen KK und Bau BGs reden Sie bitte! Die Ärztin in Afrika berichtet hier über einen, nach unserem Verständnis, unkomlplizierten Fall, der aber DORT zur Katasprophe für den Betroffenen wird! Erstmal richtig lesen, bevor man das Vorgehen beurteilt!
#3 am 09.09.2015 von Gast (Mitarbeiterin Industrie)
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Gast
Ich frage mich, weshalb nicht zusätzlich die Behandlung mit Ultraschall eingesetzt wird. U. U. tragen die Kosten hierfür auch die KK, bzw. die Bau BGs. Die Heilung bei Brüchen wird um ein Drittel verkürzt bei minimalen Aufwand. http://www.melmak.com/
#2 am 09.09.2015 von Gast
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Entscheidend für die Frage der konservativen Nachbehandlung ist der Frakturtyp. Ohne Bilder ist keine Aussage möglich. Der abgebildete Gips ist in Spitzfußstellung, das ist nicht schön, warum wurde überhaupt der Fuß mit einbezogen? Dafür gibt es keinen Grund. Aber ob es sich um einen - vermutlich norwendigen - Becken- Bein Gips handelt, ist nicht erkennbar.
#1 am 09.09.2015 von Dr. med. Eckart Reichle (Arzt)
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