an Apple a day...

12.08.2015
Teilen

Am 19.6.2015 gab das Bundesgesundheitsministerium zum wiederholten Male ein Statement zum Thema Wettbewerb im Gesundheitswesen heraus. Darin heißt es unter Anderem: „Wettbewerb im Gesundheitswesen nützt den Patientinnen und Patienten. Sie erhalten so eine größere Wahlfreiheit und am Ende eine bessere Behandlung.“

Und weiter unten: „Um ihre Mitglieder zu halten, müssen sich die Krankenkassen um eine qualitativ hochwertige Versorgung bemühen [...].“

Seit dem Jahr 2007 versucht der Gesetzgeber den Wettbewerb der gesetzlichen Krankenkassen untereinander zum Wohle der Patienten zu stärken. Doch während er damit wohl in erster Linie den Wettbewerb um eine bessere medizinische Versorgung unserer Alten und Kranken zum Ziel hat, interpretieren unsere Krankenkassen das Thema Wettbewerb offensichtlich ganz anders.

Besucht man die Internetauftritte unserer größten gesetzlichen Krankenkassen, beschleicht einen unwillkürlich der Eindruck, dass Alter und Krankheit hier so gut wie keine Rolle mehr spielen.

Alles hip, alles stylisch. Und das Beste: Eine Vielzahl an Angeboten, wie ich mir auch als nicht-Kranker von der Kasse jede Menge Geld zurückholen kann. Wahre Prämien-Paradiese tun sich da auf:

Die AOK Nordost hat unlängst eine neue Wettbewerbsrunde eröffnet: Erste Krankenkasse zahlt für Apple Watch – so titelte FAZnet am 6.8.2015. Und SPON hat gleich bei allen einschlägigen Wettbewerbern nachgefragt, wie's denn bei ihnen damit steht.

Gut, würde ich sagen. Denn Gerüchten zu Folge will die größte deutsche Krankenkasse den Kauf einer „Apfeluhr“ mit sage und schreibe 250 € bezuschussen, da kann die AOK mit ihren vergleichsweise lächerlichen 50 € gleich einpacken...

Ohne Worte!

Während ich tagtäglich damit beschäftigt bin, Schwerstkranke mit einer Monatspauschale von nicht mal 30 € mit Inkontinenzprodukten zu versorgen, während Zahnersatz und Hörgeräte bei nicht so begüterten Rentnern unerschwinglicher Luxus sind, während also die Versorgung von Kranken und Alten immer weiter zusammengespart wird, liefern sich unsere Krankenkassen einen Wettbewerb darum, wer den höchsten Zuschuss für eine Apple Watch gewährt?
Sieht so das viel beschworene Solidaritätsprinzip aus? Eine „qualitativ hochwertige Versorgung“?

Ich bin immer noch in der GKV versichert und spreche mich entschieden dagegen aus, dass meine Beiträge für Lifestyleprodukte, Yogakurse oder Bobbycars ausgegeben werden!

Bildquelle: Sharon Bronte / thinkstock

Artikel letztmalig aktualisiert am 21.08.2015.

48 Wertungen (4.96 ø)
3106 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Patient u. Beitragszahler
Konkurrenz belebt das Geschäft???? Unser Gesundheitssystem ist und bleibt haarsträubend, und solange Lobbyisten mehr zu sagen haben, als Vernunft und Menschlichkeit, wird sich daran nichts ändern - auch nicht mit der 100sten "Gesundheitsreform". Die Krankenkassen(-verbände) gehören mit zu den größten Knallern. Was in einem Ort/Bundesland problemlos genehmigt wird, wird im nächsten strikt abgelehnt - von der selben Gesellschaft. Der eine Patient bekommt wichtige Arzneien oder Pflegemittel nicht, der andere eine sonderbare Gutscheine oder Geschenke, die die "Solidargemeinschaft" finanziert. Wieviele Vorstände und Verwaltungswasserköpfe finanziert werden müssen, in diesem System, das alles andere als solidarisch ist, will man da schon gar nicht mehr wissen.
#3 am 21.08.2015 von Patient u. Beitragszahler (Gast)
  0
Gast
Eine solide Grundversorgung für alle Kranken erachte ich als wichtig. Natürlich ist es gut, wenn jeder für seine Gesunderhaltung etwas tut, aber dafür Geld von den Kassen finde ich nicht richtig. Das Bewusstsein für eine gesunde Lebensführung ist bei vielen noch nicht angekommen. Vorbeugen ist besser als heilen. Ich sehe die Verantwortung dafür bei jedem persönlich. Nur einen Yogakurs oder andere Kurse zu besuchen, weil diese von der Kasse bezahlt werden, ist der falsche Ansatz. Vor allem bringt dies nichts, wenn man sonst nichts macht. Ich bin auch der Meinung, dass man die Beiträge viel sinnvoller nutzen kann. Unsere Beiträge sollten dort ankommen wo sie wirklich gebraucht werden bei den Patienten.
#2 am 20.08.2015 von Gast
  0
Ja, das ist schon verrückt. Auf der einen Seite wird an nötigen aber nicht "hippen" Dingen gespart, auf der anderen Seite gibt's Geld für Apple Watch (und fairerweise muss man erwähnen: jede Art von Fitness-Tracker) und Homöopathie.
#1 am 20.08.2015 von Christian Becker (Apotheker)
  1
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Obwohl unser Berufsstand ja häufig etwas konservativ und verstaubt daherkommt, macht der technische Fortschritt auch mehr...
Warum?
 Meine Krankenkasse hat den Zusatzbeitrag erhöht, genau so wie fast alle Kassen, aber eher unauffällig mehr...
Liebes DAK Fachzentrum Bremen, liebe Arzneimittelfachgruppe, dank eures geballten Fach- und Sachverstandes habe mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: