Learning by Doc-ing: Radiologische Praxisfälle

12.08.2015
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Durchleuchte die Geschichte des 19-jährigen Patienten mit klassischer Boxerfraktur und finde heraus, was geschehen ist. Dr. Martin Lorenz zeigt in einem weiteren Quizfall anschaulich, worauf man im Patientengespräch achten muss. Welche Details der Unfallhistorie sind für die Behandlung ausschlaggebend? Jetzt Medmachen und Fall lösen.

Ein kleiner Tipp vorweg: Lies Dir die Anekdote "Die ganze Story" aus dem Radiologen-Alltag on Dr. Martin Lorenz durch.

Die ganze Story
„Wir befinden uns an der Universität Marburg, anno 2002. Unter meinen früheren Oberärzten war ein eher kleiner, dürrer, unscheinbarer Kerl, der den BMI des Chefs statistisch ins Mittelfeld zog, meist schlecht rasiert, oft fettige Haare und unordentliche Frisur, ein Leisetreter und sehr untergeben gegenüber Professoren. Ganz unbescheiden dagegen gab er immer damit an, als Pionier der Windkraft Millionen mit seinen Einlagen gemacht zu haben.
Hatte einen Hang zum Fatalismus, und selten sah man seine Mundwinkel nach oben gerichtet. So sehr er also als Persönlichkeit umstritten sein mochte, es ist ein glänzender Radiologe und war ein Arbeitspferd und der einzige Oberarzt einer universitären Abteilung, der sich nicht mit wissenschaftlichen oder pseudowissenschaftlichen Begründungen zu gut 30% der Realversorgung entzog und sich in seinem Büro verschanzte. Ein namhaftes radiologisches Lehrbuch aus dem amerikanischen Sprachraum hat er in mehreren Ausgaben wohl überwiegend in seiner Freizeit übersetzt. In seinem kleinen Kopf mit den fleischigen Lippen ist eine ganze radiologische Bibliothek eingebrannt, selbst seltenste Details waren in Millisekunden abrufbar.


Bei Röntgendemos für die „klinischen“ Fächer musste man als Assistenzarzt massenhaft kiloschwere Röntgentüten auf- und abhängen, denn er bestand immer darauf, dass „die ganze Story“ präsentiert wird, bei unfallchirurgischen Bildern z.B. vom frischen Bruch bis zum Z.n. Metallentfernung. Mit seiner „ganzen Story“ trieb er die Assistenzärzte in die Verzweiflung, denn Vor- und Nachbereitung einer Demo dauerte mindestens ½ Stunde. Bald verstand ich, dass man so unendlich mehr Bilder sieht und „die Story“ versteht, als wenn man das nicht so macht. Und selbst dem letzten Unfallchirurgen konnte man klarmachen, dass die Osteosynthese damals vielleicht nicht ganz so optimal war, was immer wieder zu hochroten bis lividen Gesichtsverfärbungen des damaligen Unfallchirurgie-Chefs führte, bevor er die ganze Demo zusammenbrüllte.  

„Die ganze Story“ hat sich in mein Gehirn wiederum auch eingebrannt und führte in denjenigen Zeiten, als wir noch ein konventionelles Archiv hatten, zu einem regen Treppauf- / Treppab unseres Assistenzpersonales ins Archiv, denn seitdem will auch ich immer „die ganze Story“.“

Der Fall: Jetzt Medmachen und die ganze Story lösen
Der Patient hat mit seinen zarten 19 Jahren bereits eine beeindruckende „Unfallhistorie“ vorzuweisen. Unter anderem hatte er zu einer Zeit, da die Knochen noch sehr plastisch waren, anamnestisch eine Fraktur des Köpfchens vom 5. Mittelhandknochen – man sieht eigentlich fast nichts mehr davon. Als ich ihm sagte, dass man diese Fraktur auch „Boxerfraktur“ nennt, huschte ein kurzes Erröten über seine Wangen. Aktuell kommt er zum Röntgen der gleichen Hand, weil er am Vortag mit geballter Faust in vertikaler Richtung auf eine Tischplatte geschlagen hat.
Schmerzen D III und IV am MHK-Köpfchen. Zwischenzeitlich „sei noch mal was gewesen“ mit der Hand. Er sei aber damals „ein bisschen von der Rolle gewesen“, daher wüsste er es nicht mehr ganz genau.

Warum wird der vom o.g. Oberarzt einst Gepiesackte misstrauisch, will „die ganze Story“ und fordert im früher behandelnden Krankenhaus die alten Bilder an?“


Schau Dir die Bilder hier an und löse den Fall! Für jede Top Antwort spendet DocCheck einen Euro an das Deutsche Röntgen Museum in Gedenken an Wilhelm Conrad Röntgen.

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Artikel letztmalig aktualisiert am 12.08.2015.

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