Quizfall aus der Radiologie: Geistesblitze gesucht!

12.08.2015
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Hast Du den Durchblick? Für einen echten Hingucker sorgt Radiologe Dr. Martin Lorenz in seinem neuen Quizfall. Mitmachen lohnt sich, denn für jede Top-Antwort spendet DocCheck einen Euro an das Deutsche Röntgen Museum in Gedenken an Wilhelm Conrad Röntgen. Wie hoch der Betrag wird, liegt an Dir!

Tiefer Einblick in den Radiologenalltag gefällig? Dr. Martin Lorenz macht's möglich. Die folgende Anekdote hilft Dir beim Lösen des unten stehenden Falls:

„Die Terminologie medizinischer Laien treibt so manche Blüte. So hat hier der eine oder andere eine „Bolleriose“ oder im Kopf wurde mal ein „Myom“ (Musculus cerebri?) operiert. Man spricht von „dem Halswirbel“ und „dem Lendenwirbel“, und das Erstaunen ist immer groß, wenn mir der Schalk im Nacken sitzt und ich frage, welcher Halswirbel denn gemeint sei. Dann werde ich regelmäßig mitleidig bis vorwurfsvoll angesehen: „Na, Herr Doktor, das müssen Sie doch wissen“ - zeigt auf den Nacken – „DER Halswirbel. Da oben der“.
Andere anatomische Varianten sind in dieser Gegend auch nicht selten. So sprechen viele Patienten von „Magenschmerzen“ und zeigen bedeutungsvoll auf eine Region unterhalb des Bauchnabels.
Auch der Dialekt spielt eine wichtige Rolle. So möchten nicht wenige Patienten die „Rönschebladde“ zum weiterbehandelnden Arzt mitnehmen. Ältere Patienten weisen dann nicht selten die CD, die sie nach der Untersuchung bekommen, zurück, denn da sieht man nix drauf - ist eben keine Rönschebladde.

Von Röhren und Rönschen
Viele Patienten melden sich telefonisch und sagen: „ich muss in die Röhre“. Gewappnet auf diese Ansagen, versuchen unsere Damen herauszufinden, welche "Röhre" denn gemeint sein könnte. „Na, Rönschen, das ist doch alles das gleiche, junge Frau“. „Schauen Sie doch bitte mal nach, was auf Ihrer Überweisung steht. Steht da CT oder MRT?“ - Schweigen, aber „lautes“ Nachdenken. „Nein, da steht 'Kernspintigraphie', aber das machen Sie dann anscheinend nicht“.

Manchmal erscheint auch ein terminierter Patient einfach nicht. Wir versuchen dann, Patienten auf der Warteliste, die mit einem bis vier Ausrufezeichen markiert sind, anzurufen. „Was fällt Ihnen ein, mich jetzt anzurufen? Jetzt läuft meine Serie!“ – „Nee, das geht nicht, bin jetzt am Fensterputzen.“ - Highlight war die Ehefrau, die neulich sagte: „Mein Mann soll sich nicht so anstellen, streichen Sie die Untersuchung!“ - Auch in kleinen Orten ist viel los, die Mordrate zu größeren Städten müsste man mal vergleichen.

Realitäten vom „CD“
Verwicklungen kann es auch geben, wenn der Patient an der Anmeldung steht und eine „CD“ verlangt. Freundlich fragen die Damen also, um welche Untersuchung es denn ginge, von der der Patient denn gerne die CD hätte. „Das weiß ich doch nicht, aber mein Arzt hat hier angerufen und eine CD haben wollen“. Mit ein bisschen Geschick gelingt es dann meist, herauszufinden, dass der Patient wegen einer CT (nicht CD) kommt. Wenn es denn dann tatsächlich zu einer Untersuchung kommt, zu der man nüchtern sein sollte, ist es am besten, man vergewissert sich, dass die zwei bis drei belegten Brötchen am Morgen nicht unter „nüchtern“ subsummiert werden - das Saarland mit dem legendären Spruch „Hauptsach', gut 'gess“ ist nicht weit. Wenn diese Klippe umschifft ist, gilt es noch, anamnestisch die endemische Jodallergie zu eliminieren. „Da hab ich mal was gespritzt bekommen, da wurde mir sooo schlecht davon“. Geduld ist angesagt, dann stellt sich meist heraus, dass der Herzkatheter im Krankenhaus nebenan vor einem Jahr bestens vertragen wurde, das andere Ereignis ist 30 oder mehr Jahre her und fällt in die Ära der alten Kontrastmittel. Dann gibt es nur noch eine Hürde zu überwinden, nämlich die Angst vor dem plötzlichen Karzinomtod der 80-jährigen durch die Röntgenstrahlung im CT. Ist dieses Vorspiel also erfolgreich ausgegangen, bleibt am Ende nur noch die Frage des Patienten: „Und kriege ich jetzt noch eine CT von der CD für meinen Arzt?“.

Bereit? Dann löse jetzt den Spenden-Quizfall:
67-jährige Patientin, Ausschluss Sigmadivertikuklose / -itis bei Unterbauchschmerzen. Keine Entzündungswerte beiliegend. Patientin kann bei der Anamnese nicht besonders helfen, da dement. Betreuer ist zu Details überfragt, betreuender Arzt hat heute frei.
CT gesamtes Abdomen mit oralem und iv.-KM. Keine relevanten Vorerkrankungen, soweit eruierbar.


Schau Dir die Bilder hier an und löse den Fall!

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Viel Spaß beim Medmachen!

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 12.08.2015.

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