Nicht nur der Leistenbruch...

06.08.2015
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Patienten in diesen Teilen der Welt lassen sich oft Zeit, bis einige Befunde zusammen gekommen sind, die dann in der Klinik abgearbeitet werden könnten...

Von weit her, aus dem Nachbarland, ist Arthur angereist.

Zunächst hat der knapp Fünfzigjährige  sich in der Augenklinik vorgestellt, am linken Auge ist der Katharakt operiert worden, nun steht noch die Versorgung eines riesigen Leistenbruchs an.

Ein Teil des Dickdarms mitsamt dem Blinddarm befindet sich im Hodensack. Die Operation beansprucht einige Zeit, bis die seit Jahren gedehnten, von Bindegewebe verfestigten Strukturen wieder leidlich so gerichtet sind, wie sie gedacht sind.

Arthur erholt sich gut, aber am dritten Tag hat er plötzlich hohes Fieber. Der erste Gedanke in diesem Teil der Erde geht in solchen Fällen in eine bestimmte Richtung, besonders, wenn wie bei Arthur die Wunde völlig unauffällig ist: der Bluttest ergibt eine Malaria. Nach Beginn auch dieser Therapie geht es ihm bald besser, das gewohnte sonnige Lächeln bei der Visite ist wieder hergestellt.

Zwei Tage später fasst sich Arthur ein Herz und fragt, ob man vielleicht auch einmal schauen könnte, warum der Urin schon seit längerem blutig sei?

Im Ultraschall zeigt sich, dass er einen 3 cm großen Blasentumor hat. Einen Urologen gibt es weit und breit nicht, eine Vorstellung in der Landeshauptstadt oder in seinem Heimatland, falls dort ein Urologe aufzutreiben wäre, will sich Arthur überlegen, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass die Familie auch noch diese Kosten aufbringen kann. Auch ich habe noch nie einen Blasentumor operiert, und eine eigentlich vorher obligate Histologie und im Fall eines bösartigen Tumors die Durchführung des Staging, um zu sehen, ob es bereits Metastasen gibt, sind hier nicht möglich.

Die Möglichkeit bleibt, die Handynummer des Patienten zu notieren, wenn er nicht zu weit weg wohnt, und ihn zu benachrichtigen, wenn einer der immer mal vorbei kommenden Gastärzte sich die Operation vorstellen kann.

Einen Tag lang wirkt Arthur bedrückt, dann hat er sein strahlendes Wesen wiedergefunden. Mit Fragezeichen im Herzen müssen wir ihn entlassen. Aber zumindest die Operation des Leistenbruchs ist gelungen und die Wunde völlig reizlos verheilt, was bei einem Befund dieses Ausmaßes nicht selbstverständlich ist.

Bildquelle (Außenseite): Murugash Suppiah, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 31.08.2015.

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...und da wundern wir uns, dass Menschen von dort zu uns nach Deutschland kommen wollen, wo die Gesundheitsindustrie in Saus und Braus gedeiht? Die reiche Bundesrepublik muss deutlich mehr für die Stärkung der Gesundheitssysteme in Afrika tun.
#1 am 31.08.2015 von Dr. Bergis Schmidt-Ehry (Arzt)
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