Wäre doch nicht nötig gewesen

04.08.2015
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Jeder freut sich über unerwartete Geschenke. Eigentlich. Es fällt mir allerdings schwer, Geschenke dafür anzunehmen, dass ich „nur“ meinen Job erledigt habe. In den meisten Fällen wird für das Geschenk von den Patienten sicherlich keine Gegenleistung in Form von bevorzugter Behandlung erwartet, doch für mich bleibt immer ein ungutes Gefühl. War es aus Dankbarkeit oder Kalkül?

Als ich noch im Krankenhaus gearbeitet habe, gab es natürlich auch immer mal wieder Aufmerksamkeiten der Patienten. Eine Packung Pralinen, Kaffee für die Teamküche, ein paar Euro für die Kaffeekasse, manchmal auch ein Wein oder ein paar Blumen. Schon damals fiel es mir anfangs schwer, Geschenke anzunehmen, weil ich keinen Grund darin gesehen habe.

Ich hatte schließlich nichts Außergewöhnliches gemacht, sondern „nur“ meinen Job so gut wie ich konnte erledigt. Aber ich konnte auch verstehen, dass die Patienten uns manchmal eine kleine Freude machen wollten. Da man die meisten auch nie wieder gesehen hat, war es wirklich ein Zeichen reiner Dankbarkeit.

In der Praxis ist das natürlich anders. Die meisten der Schenkenden sind Stamm-Patienten, und sie schenken auch oft regelmäßig etwas. Von ein paar wissen wir schon, dass diese kleinen Aufmerksamkeiten nicht ohne Grund kommen. So bekommen die Schwestern in einem Fall regelmäßig große Pakete vom Bäcker, damit das Ehepaar schneller an Termine beim Doktor rankommt. Unsere Schwestern lassen sich aber nicht bestechen und vergeben die Termine so schnell wie möglich, aber ohne jemanden zu bevorzugen. Das hat auch schon einmal zu unschönen Szenen am Telefon und am Tresen geführt. Das Wort Kuchen ist bei den Diskussionen nie gefallen, aber es war unterschwellig mit da.

Noch schwieriger finde ich dann Geschenke, die nicht das Team der Praxis als Ganzes bekommt, sondern die speziell zum Beispiel für meine Person bestimmt sind. Bekomme ich mit, dass mir ein Patient etwas schenken möchte, versuche ich immer, das gleich dem ganzen Team zu widmen, oder sage solche Sachen wie: „Danke für die Pralinen, die Schwestern und ich werden uns sehr darüber freuen.“

Das klappt manchmal aber nicht, und dann überlege ich oft, ob es nicht besser wäre, Geschenke ganz abzulehnen. Aber das wäre auch sehr unhöflich den Patienten gegenüber, fürchte ich. Nichtsdestotrotz kann ich mich manchmal nicht dem Eindruck erwehren, dass das Geschenk nicht ganz uneigennützig war und von mir nun etwas erwartet wird.

Vielleicht täuscht auch mein Eindruck, aber ein ungutes Gefühl bleibt. Natürlich freue ich mich auch über Geschenke, aber in diesem Arzt-Patienten-Setting finde ich sie etwas heikel. Kann aber auch sein, dass ich in dem Punkt etwas überempfindlich bin.

Bildquelle: Franklin Heijnen, flickr / CC by-sa

Artikel letztmalig aktualisiert am 06.10.2015.

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Medizin, Allgemeinmedizin
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Gast
soweit sind wir schon. Wir bezeichnen uns als Jober. Was wir tun ist in unsren eigenen augen ein Job. Und nach der Schicht stenpeln wir und gehen Heim. wer einst den begriff Dienstleister einführte kann sich glücklich schätzen und lacht sich auch bestimmt in den Faust und sagt sich jetzt haben sie es endlich kapiert. Bleiben Sie gesund Dr. med. Faribors Marktanner.
#18 am 06.10.2015 von Gast
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Gast
Menschen, die Ihre Arbeit (besonders) gut machen, finden in der Regel, es sei selbstverständlich dies zu tun, weil ihr Berufsethos ihnen dies gebietet. Derjenige, der Empfänger dieser Leistung ist, weiß jedoch, entweder aus leidvoller Erfahrung oder durch ein nur geringes Maß an nötiger Phantasie, dass es auch anders ginge. Im Falle von medizinischen Berufen, gerade in der Klinik, kommt noch hinzu, dass die Patienten sich häufig in emotionalen Ausnahmesituationen befinden, Angst haben, sich unsicher und ausgeliefert fühlen, vieles nicht einordnen können. Wenn dann jemand die Operation nicht nur technisch erklärt, sondern sich Zeit nimmt, ein paar Witze macht, einen differenziert und gut berät und sich deutlich mehr Mühe gibt, als er (oder sie) müsste, dann ist es meiner Meinung nach menschlich, als Patient dies als große Wohltat zu empfinden, dankbar zu sein und diese Dankbarkeit zum Ausdruck bringen zu wollen.
#17 am 30.08.2015 von Gast
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Leiter
Klingt nach schlechtem Gewissen,ganz so als ob sie wüssten das sie es nicht verdienen.just kidding!! Der Job besteht aus der immer gleichen Routine,sehen sie die ganzen Hochstapler bspw.,die bisweilen ein Jahrzehnt leitend Dienst geschoben haben etcetc. Hawaii-Job Arzt?Jetzt erst Recht!
#16 am 30.08.2015 von Leiter (Gast)
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Gast
[Kommentar von der Redaktion entfernt.]
#15 am 18.08.2015 (editiert) von Gast
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Wie heißt es ja so schön: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft..:-) Also wie andere schon sagten: ¡Keine pompösen Geschenke! Einmal hatte ich bei meinem Zahndoc einen kleinen Gag mitgebracht: Ein Bild aus dem Internet ausgedruckt mit einer passenden lustigen Bildunterschrift dazu..:-) Der ZA und sein Team (zumindest die, die dabeiwaren) fanden es witzig!..:-D
#14 am 12.08.2015 von Johann St. (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Beschenken Sie doch jedes Mal einen netten Menschen, zum Beispiel Kindergärter, Hausmeister, Klavierlehrer, Putzfrau. Auch diese wurden bereits entlohnt, freuen sich aber bestimmt über ein kleines (!) Zeichen der Wertschätzung. Vielleicht fühlt es sich dann nicht mehr so komisch an.
#13 am 08.08.2015 von Gast
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Gast
PatientInnen zahlen die unpersönliche Krankenversicherung, aber der Wunsch, eine kleine persönliche, liebevoll ausgesuchte Aufmerksamkeit für den/die Arzt/Ärztin zu geben - vielleicht für eine gelungene Therapie, das Herausfinden eines besser verträglichen Medikamentes - sollte nicht unterschätzt werden. Es ist für viele PatientInnen ein Bedürfnis, sich auf diesem Wege zu bedanken. Schließlich geht's hier um das kostbare Gut des Lebens. Und wenn die Ärzte den Patienten helfen, es länger und besser leben zu können, dann ist das völlig in Ordnung. Und das sage ich als Patientin.
#12 am 08.08.2015 von Gast
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SK75
Als Nichtmediziner meine ich: Egal ob Job oder Berufung- die Praxisleistung wird „normal“ vergütet. Alles andere fällt aus meiner Sicht unter Nebeneinnahmen. Aber wieso gibt es diese Nebeneinnahmen? Vielleicht weil der Mythos „Halbgott in Weiß“ heute mehr denn je lebt!? Wenn Mediziner über Berufung reden/schreiben, dann sollten sie dabei doch bitte nicht vergessen, dass man sich gern zu Höherem berufen fühlt. Allein schon wegen Status/Ansehen und Vergütung. Die Mediziner leben zudem gern auch in einer (fast) reinen Medizinerwelt- man schaue sich Partnerschaften, Familie und Freunde an. Soviel Reflektion erfährt der Durchschnittsmediziner wahrlich nicht, denn u.a. medizinisches Personal und Pharmavertreter bauchstreicheln ihn um das eigene Ein-/Auskommen sicher zu stellen. So schreitet der Mediziner durchs Leben- umgeben von einer Erwartungshaltung die ihn in den Götterolymp hebt. Bitte keinen Aufschrei! Selbst kritische Patienten sehen in schlimmen Situationen den Arzt als letzte Instanz vor Gott, der vielleicht doch noch was richten kann… Dankbarkeit- in welcher Form auch immer- bringe ich vor allem denen gegenüber zum Ausdruck, für deren Vergütung ich nicht (von vornherein) bezahlt habe. Ansonsten wüsste ich nicht, ob mein Gemüsehändler an meiner Gesundheit nicht mehr positiven Anteil hat als (m)ein Arzt…
#11 am 08.08.2015 von SK75 (Gast)
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Heilpraktikerin
Ich denke, dass unangenehme Gefühl kommt, weil man in Deutschland das Beschenktwerden nur an bestimmten Terminen wie Geburtstag, Hochzeitstag etc kennt. Viele Menschen wissen eigentlich um die Art des Geschenkes und wahre Dankbarkeit ist subjektiv. Den Satz "wäre doch nicht nötig gewesen" mag ich als Marokkaner nicht, denn ob es nötig ist ist nicht die Frage sondern ob ich jemanden eine Freude machen möchte, wann immer ich es möchte. Und mir danach ist. Ich verstehe aber, dass Uhren, Schuhe etc einen komischen Beigeschmack hinterlassen. Lernen Sie es zu genießen, meist ist es wirklich nur eine tief empfunden Freude auch Sie zu erfreuen.
#10 am 08.08.2015 von Heilpraktikerin (Gast)
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Beobachter
#8 Es wie ist wie überall. Bei manche Ärzte entsteht der Eindruck, sie übten ein Job aus. Bei viele scheint es aber eine Berufung zu sein.
#9 am 07.08.2015 von Beobachter (Nichtmedizinische Berufe)
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Der Arzt
Bei uns hier "erledigt" der Arzt keinen "Job", das sind Bezeichnungen aus einer anderen Kultur.
#8 am 07.08.2015 von Der Arzt (Gast)
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Gast
Die meisten Patienten verspüren Dankbarkeit, wenn der /ihr Arzt sich mit seinem Team für die Genesung freundlich und verständnisvoll helfend einbrachten.Dankbarkeit ist ein Urverhalten menschlichen Zusammenlebens und somit gehört es auch heute noch zum normalen Umgang mit einander dazu. Wir Ärzte haben es mit kranken Menschen zu tun, denen wir von Berufswegen helfen , kompetent begleiten mit Wissen und Erfahrung. Unser Beruf ist auch für die meisten Ärzte (Kolleginnen und Kollegen) auch Berufung, d. h. sie setzen sich darüber hinaus auch für ihre Patienten ein. Hier Dankbarkeit abzuweisen kann einen Patienten auch weh tun, denn es ist für diesen Personenkreis auch ein Bedürfnis. Dies kann ein Wort sein,aber auch eine persönliche kleine Gabe, die aber nicht als Honorar bzw. als Bestechung gedeutet werden sollte.Größere Geschenke,die nicht unserer Tradition und unseren Regeln entsprechen, sollten immer darauf geprüft und auch abgelehnt werden. Ich denke, dass die Kollegen/innen dies auch einschätzen können.
#7 am 07.08.2015 von Gast
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Gast
Ich muss leider häufig Patientin sein, darum bekommen meine Ärzte im Sommer ein Schälchen Erdbeeren oder mal eine kleine Honigmelone, und zu Weihnachten backe ich Kekse oder Plätzchen (dann aber für die ganze Praxis). In der kühleren Jahreszeit gibt's gelegentlich selbstgemachte Kekse für die Schwestern weil ich weiß, dass das Körbchen nach 15 Minuten alle ist. Kleinigkeiten eben, und alles in handelsüblichen Mengen. Alles, was über einen Blumenstrauß hinausgeht, finde ich unpassend. Und als Arzt oder Ärztin würde ich wirkliche Geschenke von Wert rundweg ablehnen. Ob nun der Verdacht auf "Bestechung" bestünde oder nicht. Ich möchte der Praxis ja nur für die freundliche und gute Behandlung danken und mich so erkenntlich zeigen. Ich nenne es Menschlichkeit.
#6 am 06.08.2015 von Gast
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Gast
Nach jahrelanger Schufterei in der Klinik, bei der wir als Ärzte nicht mal einen lauen Händedruck bekamen und die Pralinen usw. grundsätzlich bei den Schwestern und Hebammen hängen blieben, freue ich mich jetzt in der Praxis durchaus über Wertschätzung meiner und zwar explizit meiner Arbeit. Das kann ein nettes Wort sein oder, für diejenigen, deren Ding viele Worte nicht sind, auch die Schoko Maikäfer, den ich dankend für die Kinder mit nach Hause nahm. Ich rede hier jedoch immer von Kleinigkeiten und nicht von hochpreisigen Geschenken!
#5 am 06.08.2015 von Gast
  3
Gast
Frau Dr. Geschenke sind selten geworden und sprechen eindeutig für Sie, ich würde nur drauf achten, dass sie (selten) nicht VOR der Behandlung angeboten werden :-)
#4 am 05.08.2015 von Gast
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Das fällt uns auch sehr schwer, ganz besonders wollen die Patienten meine mitarbeitende Ehefrau beschenken, sie empfindet das auch als sehr peinlich, letztens kam ein ausländischer Patient machte seine Tasche auf und zog zig Kosmetikartikel und sagte: Hier alles für sie gekauft, Lippenstifte, Perfum und Mascara. Eine andere Patientin kam mit einem Ring, den sie von einem Schmuckdesignerin in Düsseldorf hatte, als meine Frau sagte, Nein ich trage keine Ringe, sagte sie, dann kaufe ich Ihnen Schuhe:)) In unseren Ländern oder hier auf dem Lande ist noch üblich, dem Hausarzt frische Eier oder Gemüse aus eigenem Anbau zu bringen, aber in der Praxis und dann solche persönlichen Sachen empfinden wir als sehr unangenehm. Auch wenn wir keine Beamte sind, fühlen wir uns dabei nicht gut, dann auch das Abweisen der Geschenke führt zu einer Unannehmlichkeit.
#3 am 05.08.2015 von Dr. med. Nader Aslamjar (Arzt)
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Gast
Mein Tipp: Geschenk entgegennehmen, um den Schenkenden nicht zu brüskieren - Schenken macht schließlich Freude. Und gleichzeitig sagen: "Das nehme ich gern und gebe es in unsere Weihnachtsverlosung, die wir immer mit dem ganzen Praxisteam machen. Darüber wird sich jemand von uns sehr freuen." So rückt das Team in den Focus. (Das klappt natürlich nur, wenn es so eine Verlosung wirklich gibt, in der zum Beispiel auch die Mitbringsel der Pharmareferenten landen...)
#2 am 05.08.2015 von Gast
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Sabine Härter
Als Patient gesprochen: Ich denke, Sie werden Ihre Stamm-Patienten aufgrund der langen Betreuungszeiten kennen und auch einschätzen können, ob damit neben Dankeschönsagen noch was anderes bezwecken will. Und falls Sie zu einem Ja kommen, dann sprechen Sie diese doch direkt darauf an, dass der Zweck nicht erfüllt werden kann. Klärung ist immer besser als Verdachte. Ansonsten eine Lächeln und ein Dankeschön, wenn Ihre Arbeit durch eine nette Kleinigkeit gewürdet und damit auch gelobt wird. Als Angestellte bekommt man vom Chef ja auch ab und zu Boni, wenn man/frau gut war.
#1 am 05.08.2015 von Sabine Härter (Gast)
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