PraenaTest: Ein sicherer Test nur für die Schwangere

02.08.2015
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Ich beginne meine Recherche über den PraenaTest® auf der Homepage des Anbieters LifeCodexx. In der Rubrik „Für Schwangere“ stoße ich gleich zu Beginn auf diesen Satz: „Der PraenaTest® kann dazu beitragen, Ihnen diese Sorgen zu nehmen. Er ist eine sichere und für Ihr ungeborenes Kind ungefährliche Untersuchung.“ [1] Eine ungefährliche Untersuchung? Für mich klingt das wie purer Zynismus.

Ungefährlich ist dieser Test nur für gesunde Kinder, für alle anderen, die eine Chromosomenaberration aufweisen, bedeutet der Test (meist) das Todesurteil. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass sich der Test steigender Beliebtheit erfreut. Gleichzeitig ist auch klar, dass über 90 % der Frauen bei dessen Kind eine Trisomie 21 diagnostiziert wird, das Kind abtreiben lassen. [3]

Weiter ist auf der Seite zu lesen: „Der PraenaTest® kann ab der vollendeten neunten Schwangerschaftswoche die Trisomie 21 (Down-Syndrom), 18 und 13, das Klinefelter-, Turner-, Triple X- und das XYY-Syndrom bei Ihrem ungeborenen Kind feststellen. Auf Wunsch bestimmt er auch das Geschlecht Ihres Kindes.“ [1] Vor allem Kinder mit Trisomie 13, aber auch Trisomie 18, haben eine (sehr) geringe Lebenserwartung, aber ein Todesurteil muss dies noch lange nicht sein. Wie letztes Jahr im „Tagesspiegel“ zu lesen war überlebt 1 von 12 Kindern mit Trisomie 18 oder 13 das erste Lebensjahr. Manche werden noch älter. Die anderen aufgelisteten Erkrankungen sind nicht mit einem Todesurteil gleichzusetzen und diese Menschen können ein erfülltes und glückliches Leben führen. Entschließen sich Familien für ein behindertes Kind, so gaben „97 Prozent an […], sie seien glücklich und dankbar für das kranke Kind.“ [2] Ob der Test wirklich Sorgen nimmt, oder eher Ängste schürt steht auf einem anderen Blatt. Frauen sind sich oft der Tragweite nicht bewusst und haben nicht unbedingt überlegt was sie denn wirklich tun, wenn das Kind behindert ist. Die Beratung seitens der Ärzte unterliegt keiner Qualitätskontrolle.

Sicherheit des Tests

Der PraenaTest hat eine hohe Sensitivität und Spezifität. Aber eine absolute Garantie gibt der Test natürlich nicht. Und so führt ein positives Ergebnis dazu, dass doch invasiv untersucht werden muss. Mit allen Risiken und psychischer Belastung für die Schwangere. Außerdem erfasst der Test nur freie Chromosomenaberrationen. Keine Mosaike oder strukturelle Aberrationen wie Translokationen. Falsch-positive Ergebnisse können ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.

Inklusion und Pränataldiagnostik

Der PraenaTest® hat einzig und allein die Aufgabe zu selektionieren. Im Studium habe ich noch gelernt, dass Screeningverfahren nur dann erlaubt sind, wenn Betroffenen eine Therapie der Erkrankung angeboten werden kann. Dies ist in allen o. g. Fällen nicht so. Zudem finde ich, dass die Ausweitung der Pränataldiagnostik  die Debatte um Inklusion ad absurdum führt. Sie widerspricht den Zielen der Inklusion und verstärkt die Diskriminierung Behinderter [5]. Einen sehr richtigen Satz habe ich von Pränatalmediziner Hagemann gelesen, der gegenüber der dpa sagte: „Die Tests beinhalteten nur eine begrenzte Menge an Informationen. Sie können nur etwas zu den genetischen Dispositionen aussagen, aber nichts über eine Bewertung des ganzen Kindes und seiner Lebensqualität.“ [4]

Wir werden natürlich nie in einer Welt ohne Behinderungen leben, da viele Behinderungen ja durch Unfälle oder degenerative Erkrankungen entstehen. Aber dadurch, dass wir Behinderung schon von Anfang an als Makel ansehen, den es zu entfernen gilt, wird sich auch der Umgang mit diesen Behinderten verändern. Hier schließt sich meiner Meinung nach auch der Kreis zum Thema Sterbehilfe.

Wie bekannt wurde, prüft nun der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), ob der PraenaTest® eine Regelleistung der Krankenkasse werden soll. Für mich unverständlich. Ich persönlich möchte mit meinen Kassenbeiträgen keine Selektion Behinderter fördern. Das Augenmerk sollte vielmehr auf Inklusion und Unterstützung der betroffenen Familien liegen. Aber bald wird sich wohl eine Familie rechtfertigen müssen, warum sie sich für ein behindertes Kind entscheidet.

Büchse der Pandora?

Wie schon oben zu lesen ist, lässt sich das Geschlecht ebenfalls durch den Test bestimmen. Ist es also nur eine Frage der Zeit, bis sich weitere Merkmale bzw. weitere Krankheitsdispositionen bestimmen lassen werden? Wird so nicht der Weg zum Designerbaby geebnet? Die Entwicklung erinnert mich an den Film Gattaca. In dem Film geht es, um aus Wikipedia zu zitieren, darum, „dass man das menschliche Erbgut wie ein Buch lesen und Veranlagungen für alle erdenklichen Krankheiten, geistige und physische Fähigkeiten, sowie die durchschnittliche Lebenserwartung  daraus ermitteln kann. In dieser Gesellschaft haben nur mittels Gentechnik künstlich ausgewählte Menschen die Möglichkeit eines beruflichen Fortkommens. Bei der Geburt des Protagonisten Vincent Freeman liest die Krankenschwester nach einem Bluttest vor, dass Vincent eine genetische Disposition für ein schwaches Herz und damit eine niedrige Lebenserwartung habe.“ [6]

Das mag überzeichnet sein, aber nur die Zeit wird zeigen, ob sich die Befürchtungen erfüllen.

Quellen:

1) http://lifecodexx.com/

2) http://www.tagesspiegel.de/wissen/kinder-mit-trisomie-13-und-18-fuer-tot-erklaert/10661536.html

3) http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=42683

4) http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51427

5) http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/GID/223/dokumentation/pr%C3%A4nataldiagnostik-untergr%C3%A4bt-inklusion

6)https://de.wikipedia.org/wiki/Gattaca

Bildquelle: Maria_Kolyadina / thinkstock

Artikel letztmalig aktualisiert am 31.08.2015.

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Gast
Ich denke das die Verfasserin oder der Verfasser sich noch nie in so einer Situation befunden hat. Meiner Meinung nach sollte man wenn man ein Thema aufgreift objektiv bleiben und das für und wieder abwägen. Der Beitrag spiegelt lediglich eine Meinung wieder und natürlich wird wieder ein worst case Zenario eingebaut... -_- ich bin froh, dass es solche Tests gibt. Das Geschlecht darf vor der 14ssw nicht bekannt gegeben werden und wenn jemand wirklich so rabiat ist und sein Kind deshalb unbringen wird - findet dieser jemand auch im Ausland eine Möglichkeit aber solche dummen Minderheiten kann man wohl nie ganz wegradieren.
#43 am 21.06.2016 von Gast
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Gast
Sehr guter Bericht!
#42 am 31.08.2015 von Gast
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Gast
#40 so ein Quatsch á lá Tränendrüse, Väter werden dabei nicht gefragt und müssen auch nicht gefragt werden. Natürlich ist immer ein anderer Schuld. Bei der sog. "Beratungspflicht" kann die Frau da sitzen und schweigen, das reicht. Die "Pille danach" ohne Rezept ist die nächste Steigerung! Nur wenn eine Wunschmutter kein Trisomie-Kind möchte, wird von den vielen Kinderfeindinnen die rote Karte gezogen und "Ethik" bemüht! Es geht abwärts mit unserer Gesellschaft und viel wollen das auch. Der einzige "genetische Trost" ist, dass kinderlose Mütterfeinde wie die mit Verdienstmedaillen überschüttete Alice Schwarzer sich selbst nicht fortpflanzen.
#41 am 16.08.2015 von Gast
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Gast
@39: Mit Verlaub: meines Wissens nach finden die meisten Abtreibungen NICHT auf Wunsch der Frauen statt. Sie werden vielmehr von den Männern (Kindsvätern, eigenen Vätern) dazu gedrängt / genötigt. Statistisch - und auch in meinem persönlichen Umfeld kann ich das mehrfach bestätigen. DAS ist der Grund, weshalb so viele Frauen sagen: mein Bauch (und das, was drin ist) gehört mir, und ich will darüber selbst bestimmen, und dieses Recht auch mit Zähnen und Klauen verteidigt wissen wollen. (Allerdings ist es über das Ziel hinaus geschossen, gegen den Willen des Kindsvaters abzutreiben, was leider ebenso vorkommt, nur meines Erachtens erheblich seltener). Ich selbst bin Abtreibungsgegnerin, aber ich könnte nie eine Frau verurteilen, die sich dazu aus schwerwiegenden Gründen entscheidet (schwere gesundheitliche Gründe, Vergewaltigung o.ä.). Ich glaube, niemand kann sich anmaßen, eine solche Entscheidung fällen zu können, wenn er selbst nicht in dieser Situation ist.
#40 am 12.08.2015 von Gast
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Rosi Tiefenbach
Ich sehe das so, manche (kinderlosen) Frauen sind inzwischen so kinderfeindlich, dass sie zwar die Abtreibung mit Zähnen und Klauen verteidigen, sehr erfolgreich, wie man sieht, auch auf AOK-Kosten, wenn nun aber eine normale Frau ausdrücklich ein Kind wünscht, dann muss sie dafür bestraft werden, dass sie auch ein sehr krankes Kind nehmen muss und auf gar keinen Fall eine Trisomie abtreiben darf.
#39 am 11.08.2015 von Rosi Tiefenbach (Gast)
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Gast
Einem Kommentator 11 Zeilen zu widmen, ihn aber zu löschen, habe ich ehrlich gesagt noch nie erlebt :-)
#38 am 11.08.2015 von Gast
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Neuro?Logisch!
@#35: Ich habe nichts weiter gelöscht. Der Hinweis ist unter Kommentar #30 zu finden.
#37 am 09.08.2015 von Neuro?Logisch! (Gast)
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Dieter Schöbel
dann darf also auch der Dr.Schätzler keine Antwort bekommen?:-)
#36 am 09.08.2015 von Dieter Schöbel (Gast)
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Gast
Hier geht es um den PraenaTest; was bitte soll ausgewogen sein, wenn der Hinweis für die Sicherheit des Testes bei negativem Ausfall sehr sehr zuverlässig sein soll, GELÖSCHT wird?
#35 am 09.08.2015 von Gast
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Neuro?Logisch!
S.g. Herr Dr(?). Galenus, in meinem Blog steht mir frei zu löschen was ich möchte. Wenn Sie sich die Kommentare dieses Beitrags anschauen, werden Sie zu dem Schluss kommen, dass diese sehr ausgewogen sind. Ihre Kommentare lösche ich aus Prinzip, da sie wie beim Schwindel unwissenschaftlich und polemisierend sind. Informieren Sie sich doch bitte über die Publikationen der Kollegen am Schwindelzentrum in München, dann können wir weiterreden. Ich möchte Ihnen hier keine Plattform für pseudowissenschaftliche Theorien bieten, deswegen habe ich die Kommentare im Schwindelblog gelöscht. Meine Meinung ist weiterhin, dass Schwindel keine Domäne der Orthopäden ist. Bei mehr als 90% der Patienten, die mit zervikogenem Schwindel vorstellig werden, findet sich eine andere Diagnose. Es ist jedermanns gutes Recht Abtreibung zu bewerten, wenn sein Welt- und Menschenbild ein anderes ist. Toleranz ist keine Einbahnstraße.
#34 am 09.08.2015 von Neuro?Logisch! (Gast)
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Gast
Ich bin froh, dass es diesen für Mutter und Kind risikofreien Test gibt und meine Krankenkasse die Kosten übernahm. Allerdings hätte ich im Falle einer Kostenübernahmeablehnung den Test selbst bezahlt. Gab er uns doch ein 99%iges Sicherheitsgefühl, ein Baby ohne Trisomie zu bekommen. Mit 44 Jahren und familiärer Vorbelastung ist das Risiko doch bei weitem erhöht. Im Falle eines positiven Testes hätten wir uns gegen das Kind entschieden. Diese Entscheidung sollte jeder für sich selbst treffen und von anderen umbewertet bleiben. Und was das Geschlecht angeht, kann man auch wir in unserem Fall auf die Information verzichten und auf das Ergebnis nach der Geburt warten. Ich brachte spontan nach Steißgeburt ein gesundes Mädchen zur Welt.
#33 am 09.08.2015 von Gast
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Wunschmutter
zu#16 Antwort zu "wohin soll das führen": zu weniger kranken Menschen"!
#32 am 08.08.2015 von Wunschmutter (Gast)
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Inklusion und Pränataldiagnostik sind nicht das Gegenteil voneinander. Vermutlich wird die Zahl behinderter Menschen in dieser Gesellschaft eher zu-als abnehmen, weil viele Menschen überleben,für die es früher weder Medikamente noch Therapien gegeben hätte. Es ist also keinesfalls so, daß wir uns auf dem Weg in die " behindertenfreie Gesellschaft" befinden. Aber genauso,wie wir uns bei schwerstkranken Menschen am Ende ihres Lebens oder bei Extremfrühchen mit starken Hirnblutungen fragen MÜSSEN, was im Sinne des Betroffenen und seiner Lebensqualität ist( " Leben" ist mehr als ein Blutkreislauf), müssen wir uns das auch bei Trisomie 13 Kindern fragen bzw zulassen, daß sich die Eltern diese Frage stellen. Eine Entscheidung GEGEN das Kind kann durchaus eine Entscheidung FÜR das Wohl des Kindes sein! Warum wünschen wir uns für uns selbst wohl alle ein Ende OHNE intensivmedizinische Betreuung?! Behinderung als solche ist kein Wert, sondern die Lebensqualität TROTZ Behinderung.
#31 am 08.08.2015 von Eva Julia Fischer (Zahnärztin)
  2
Wunschmutter
zu#20 @Eva Julia Fischer, Sie meinen sicher, auf eine früheren Zeitpunkt, nicht einen späteren Zeitpunkt. zu#19 der link ist extrem negativ gegen den Test eingestellt und vergisst den Wert bei negativem Ausfall, der 100% sicher sein soll. Also eine große Beruhigung für alle Mütter spätestens ab 30. Für eine Abtreibung wegen möglicherweise falsch positiven wird man ganz sicher eine zusätzliche (invasive) Absicherung verlangen. Der Test reduziert also eher alle weiteren Untersuchungen, wenn er negativ ist. Wer grundsätzlich nicht abtreiben will, kann selbstverständlich auf all das verzichtenn, siehe #28, für dieses Recht haben Frauen nun schon Generationen gekämpft, auch bei gesunden Embryos. Wo bleibt hier der Protest, ihr Kinderlosen? Trisomie ist über 30 bei Frauen SEHR HÄUFIG bis über 50%, nur entsorgt das "die Natur" bis auf wenige Ausnahmen (keine Befruchtung oder Nidation), die soll dann der Test erfassen.
#30 am 08.08.2015 von Wunschmutter (Gast)
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@ #26 von Gast: Wie soll ich das verstehen? Dürfen sich Neurologen nur noch ausschließlich zu ihrem ureigenen Fachgebiet äußern und müssen sich ausgerechnet von Ihnen in ihrer freien Meinungsäußerung beschneiden lassen? Was ist das, bitteschön, für eine Debattenkultur? MfG zum Nachdenken!
#29 am 08.08.2015 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
Scheinheilig "normale" Abtreibung zu akzeptieren, nur nicht bei "Trisomie", was üblicherweise schon die "Natur" selbst macht.
#28 am 08.08.2015 von Gast
  1
Gast
zu#5 einen "Geschlechtstest" in den ersten 12 Wochen GIBT ES NICHT. Das ist noch Zukunftsmusik und allenfalls bei künstliche Befruchtung denkbar. Für mich trotzdem ein absolut untaugliches Argument, sich gegen die Frühdiagnostik einer extrem schweren Erkrankung wie der Trisomie auszusprechen.
#27 am 08.08.2015 von Gast
  3
Gast
Was hat das mit Neurologie zum tun?
#26 am 08.08.2015 von Gast
  6
Mord ist per Definition etwas anderes und es zeugt schon von einer ziemlichen Arroganz oder Naivität Pauschalurteile über Menschen zu fällen, die in den allermeisten Fällen eine solche Entscheidung nicht leichtfertig treffen.
#25 am 07.08.2015 von Eva Julia Fischer (Zahnärztin)
  3
Gast
Ungerecht ist der Mord an den Kindern, denn das ist es streng genommen. Keiner fragt die Kinder
#24 am 07.08.2015 von Gast
  22
Einen Abbruch vornehmen zu lassen, weil man sich mit der ( lebenslangen) Pflege eines behinderten Kindes überfordert fühlt? Eine Nichtübernahme der Kosten geht zu Lasten der sozial Schwächeren( alle anderen werden diesen Test privat bezahlen, wenn sie Falle einer Behinderung die Schwangerschaft infrage stellen würden) und dieser Umstand ist eine Form von Ungerechtigkeit. Das Recht auf Wissen und das Recht auf Nicht- Wissen darf nicht am Einkommen festgemacht werden. Ich erwarte mit fast 42 Jahren( etwas überraschend) mein 5. Kind und ich werde es so nehmen, wie es kommt, aber es steht weder mir oder (sonst irgendjemandem )ein Urteil darüber zu, wie Eltern mit einer möglichen Behinderung umgehen. Das ist eine möglicherweise lebenslange Extremsituation......
#23 am 07.08.2015 von Eva Julia Fischer (Zahnärztin)
  5
Was ich in dieser Diskussion vermisse,ist die Differenzierung zwischen zwei- aus meiner Sicht grundsätzlich verschiedenen- ethischen Fragestellungen.Einerseits die Frage bei persönlicher Betroffenheit: Kann ich/ wir das schaffen? Traue ich mir das zu? Welche Konsequenzen ergeben sich für das Kind, die Geschwister? Was passiert, wenn ich nicht bin?.... Und andererseits die Frage an uns als Gesellschaft: Weshalb wollen wir diesen Test(nicht)? Wollen wir ihn aus wirtschaftlichen Gründen um Kosten zu sparen? Dürfen solche Überlegungen überhaupt eine Rolle im Zusammenhang mit Gesundheit und Leben spielen?...... In einem Land, daß eine Fristenlösung vorsieht, kann man nicht gegen einen solchen Test sein. Warum sollte es gerechtfertigt sein, einen Abbruch vornehmen zu lassen( und ebenfalls von der Allgemeinheit bezahlen zu lassen!), weil die( momentane!) wirtschaftliche Situation der Frau nicht geeignet für ein Kind erscheint und es gleichzeitig nicht gerechtfertigt sein,
#22 am 07.08.2015 von Eva Julia Fischer (Zahnärztin)
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Gast
Auch ich habe einen behinderten Bruder. Aber - durch Sauerstoffmangel bei der Geburt. Meine Familie war nicht finanziell abgesichert; trotzdem hat meine damals noch im Studium zur Dolmetscherin befindliche Mutter sich alles nur erdenkliche einfallen lassen, um ihn zu fördern. Erst ein Professor der Haunerschen Kinderklinik in München hat ihr viele Jahre später erstaunt erklärt, so ein Kind habe er noch nie gesehen (weil mein Bruder durch diese intensive Arbeit vieles kann, was andere wie er geistig und (leicht) körperlich Behinderte nicht können). Die Folgen: die Familie ist zerbrochen, meine Mutter musste ihr Studium ein Semester vor Ende abbrechen und ist trotz lebenslanger Berufstätigkeit heute auf Grundsicherung angewiesen. Trotzdem ist sie für die Behinderung meines Bruders dankbar. Man entwickelt dann ungeahnte menschliche Tiefe und Fähigkeiten. Test hin oder her: manche Dinge sind "Schicksal". Auch wenn wir es gerne hätten, haben wir nicht über alles die Kontrolle! That's life.
#21 am 06.08.2015 von Gast
  4
Schwieriges Thema...... Ich bin FÜR die Übernahme der Kosten durch die GKV, obwohl ich mir darüber im Klaren bin, daß derartige Kostenübernahmen in den seltensten Fällen aufgrund philanthropischer Überlegungen stattfinden..... Schon heute besteht im Rahmen der Ultraschalluntersuchung bei der Vorsorgeuntersuchung die Möglichkeit Auffälligkeiten beim Ungeborenen festzustellen und ggf weitere Diagnostik zu betreiben. In letzter Konsequenz heißt das doch nur, daß sich der Zeitpunkt eines Abbruchs ( sofern gewünscht) auf einen späteren Zeitpunkt verschiebt. Ob das die bessere Lösung ist?
#20 am 06.08.2015 von Eva Julia Fischer (Zahnärztin)
  7
Gast
Ergänzend der folgende Link zur Aussagekraft des Tests. http://www.aerzte-fuer-das-leben.de/aefdl_neues-29-07-15-kommentar-praenataltest.html
#19 am 06.08.2015 von Gast
  8
Gast
Denkt hier denn niemand an die Frauen? Sie sind es doch die sich zeitlebens um die Kinder kümmern. Die Männer gehen fein arbeiten oder verlassen die Familie. Den Frauen winkt ein hohes Armutsrisiko weil sie noch nicht mal mehr Teilzeit arbeiten können. So selbstsüchtige Dinge wie Lebensplanung möchte ich hier gar nicht ansprechen. Und gesunde Geschwister sind auch vernachlässigbar... Ich liebe meine Kinder und wenn einem was passiert dann werde ich mich hingebungsvoll darum kümmern bis ans Ende meiner Tage. Aber alles was man vorher ausschließen kann ist für die Betroffenen ein Segen
#18 am 06.08.2015 von Gast
  7
Gast
....und gleichzeitig will der GKV-SV Hausgeburten bei low-risk- Frauen nach ET nicht mehr bezahlen.... Schon klar wohin die Reise geht.
#17 am 06.08.2015 von Gast
  0
Gast
Ich bin ebf. der Meinung, dass ein solcher Test NICHT von den KK bezahlt werden soll., da sich anschließend keine therapeutischen Konsequenzen ergeben. Die einzige Konsequenz ist die Abtreibung. Wenn eine Frau diese absolute Sicherheit zur Gesundheit ihres Kindes braucht, sollte sie besser keins benommen: die allermeisten Behinderungen geschehen aufgrund von Unfällen und späteren Erkrankungen. Was macht eine Mutter dann? Gibt sie das Kind dann wieder zurück? Kinder zu bekommen ist mit Risiken verbunden. Wenn wir eins eliminiert haben, tauchen fünf neue auf. Wo soll das hinführen?
#16 am 06.08.2015 von Gast
  20
Gast
Sind es schlimmer Gedanken weil man sich über etwas Gedanken machen muss, was ohne die diagnostischen Möglichkeiten nicht notwendig wäre? Oder weil der Mensch eine hirnloses Triebtier ist, nur auf seinen Vorteil bedacht ist und die neuen Möglichkeiten hemmungslos nutzen wird? Mit einem positiven Menschenbild kommt man auch zu positiven Gedanken.
#15 am 06.08.2015 von Gast
  5
Ich persönlich habe ganz schlimme Gedanken bei dieser pränatalen Diagnostik. Eltern, die wissen, sie kommen nicht mit einem solchen behinderten Kind zurecht, kann ich verstehen. Das kann nicht jeder. Geht es aber auf eine Selektion hinaus, weil insbesondere im Vordergrund steht, welche volkswirtschaftliche Leistung zu erwarten ist, könnte es sein, daß ich mich noch anders zu Wort melde.
#14 am 06.08.2015 von Dr. med. Martin Lorenz (Arzt)
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Vielleicht kann man eines Tages mal durch einen entsprechenden Test vorhersagen, ob ein männlicher Embyo eine Glatze oder einen Bauch bekommen wird. Vielleicht kann auch mal vorhersagen, ob er mal ein Colon-Ca. bekommen könnte, das Mädchen einen Eierstockkrebs. Die Medizin ringt seit vielen Jahren, eigentlich schon immer darum, Menschen zu retten, die schwer erkrankt sind. Stecken evtl. andere Interessen dahinter, Menschen, die absehbar kostenintensiv krank auf die Welt kommen, gar nicht erst auf dieser landen lassen zu wollen? Was ist das wirkliche Ziel dieser Untersuchungen? Die Eltern, die es nicht ertragen, ein Kind mit Trisomie 21 oder schlimmeren Krankheiten auf die Welt kommen zu lassen oder eine Politik, die "Folgekosten" solcher Geburten vermeiden möchte?
#13 am 06.08.2015 von Dr. med. Martin Lorenz (Arzt)
  11
Gast
Habe einen behinderten Bruder. Dem Verfasser dieses Artikels wünsche ich mehr Praxisbezogenheit, z.B. einen behinderten Menschen durch das Leben zu begleiten unter teilweiser Aufgabe der eigenen Lebensplanung und nicht so eine philosophische, theoretische Einstellung.
#12 am 06.08.2015 von Gast
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J.H
Lieber Verfasser! Als Vater von 4 Kindern, nun 24, 21, und 18 Jahre alt, bewundere ich immer wieder die Erziehungsleistung meiner Frau. Unser ältester Sohn hat ein Handicap, eine unterdurchschnittliche Begabungsausstattung und Verhaltensauffälligkeiten. Sie hat sich immer mit viel Zeitaufwand um ihn gekümmert und dabei zwangsläufig den anderen Kindern, 3 Töchter, dabei ein Zwillingspärchen weniger Zeit geben können. Frühförderung, Hausaufgaben, Unterstützung in allen Belangen waren ein tagesausfüllendes Programm. Jetzt, wo unser Sohn erwachsen ist und Eltern von Kindern ohne Handicap loslassen können und dürfen, bestimmen die Sorge, wer kümmert sich um ihn, wenn wir mal nicht mehr können oder da sind? Sind es die Schwestern? Eine soziale Einrichtung? Wird er Kontakte zu anderen haben? Kann er sich selbst um alles kümmern auf Dauer? Unser Sohn hatte das Glück, in eine Familie mit finanziellen Möglichkeiten und maximalem Förderungswunsch in einer Großstadt aufwachsen zu können. Daher meine ich: Jede Frau und jedes Paar soll für sich selbst entscheiden dürfen, ob es ein Kind mit Handicap haben und aufziehen möchte.
#11 am 05.08.2015 von J.H (Arzt)
  1
Gast
Wir bestimmen doch nun schon lange wann und wie viele Kinder wir bekommen und von wem. Warum dann auch nicht welche? Wir überlassen es doch auch immer weniger dem Schicksal wann wir sterben. Klar kann man sich auch mit dem abfinden, was das Schicksal bietet. Das hat sich in der Evolution nur bisher nicht durchsetzten können. Wir haben nur das eine Leben und wollen es bitteschön gern selbst bestimmen.
#10 am 05.08.2015 von Gast
  16
Gast
Entgegen des Kommentars #5 ist es heute nicht erlaubt vor der 12. Woche über das Geschlecht des Kindes zu informieren. Das darf erst nach der 12. Woche geschehen.
#9 am 05.08.2015 von Gast
  2
Gast
Wenn der Test Kassenleistung wird, fühlen sich viele (die meisten?) Ärzte verpflichtet, Schwangeren den Test anzubieten. Wird es dann auch so sein, dass Schwangere unterschreiben müssen, wenn sie den Test nicht machen lassen, damit der Arzt später nicht haftbar gemacht werden kann? Mein Patenkind war behindert. Er hatte eine Muskeldystrophie Duchenne und starb mit 20 Jahren. Er hat unsere Großfamilie bereichert. Als meine Schwester ein drittes Kind erwartete wurde sie von verschiedenen Seiten unter Druck gesetzt einen Test machen zu lassen. Sie hat es nicht getan, da sie sich auf jeden Fall gegen eine Abreibung entschieden hätte. Sie hat sehr unter dem Druck gelitten. Sie haben ein gesundes und fröhliches Mädchen bekommen.
#8 am 05.08.2015 von Gast
  10
Gast
Die größte Sorge einer werdenden Mutter (ich war selbst zum Glueck auch zweimal eine) ist doch, dass das Kind nicht gesund sein könnte. Zeigen Sie mir die Paare, auch die mit einer eigenen Beeintraechtigung, die sich ein von der Natur benachteiligtes Kind wünschen. Es gibt noch so unendlich viele Moeglichkeiten von "Behinderungen", die mit dem Test nicht erfasst sind - und die vermutlich nie allesamt erfasst werden koennen. Mit welchem Recht muten Sie der Solidargemeinschaft unglaubliche Kosten zu, die durch einen solchen Test vermieden werden können? Mit welchem Recht muten Sie Eltern ein derart schwieriges Leben zu? Mit welchem Recht muten Sie den schwerst betroffenen Kindern ein Leben zu, das in der Tat keines ist? Kassenleistung - darüber muss man nachdenken, denn das kommt doch auf den Preis des Tests an. Wenn die Gesellschaft dann nach einigen Jahren feststellen muss, dass sie zu wenig Menschen mit koerperlichen oder geistigen Einschraenkungen hat, wird der Test wieder verboten.
#7 am 05.08.2015 von Gast
  16
Wenn der Test Kassenleistung wird, dann besteht die Gefahr, dass jede Familie, die sich gegen die Selektion entscheidet, als schuldig im Sinne von Belastung der Gesellschaft angesehen wird. Solange Inklusion oft nur eine politische Phrase ist, gibt es keine FREIE Entscheidung der Familien. Vorher dürfte diese Debatte aus ethischer Sicht überhaupt nicht geführt werden. Ich halte diese Art der Testung gefährlich für die Entwicklung unserer Gesellschaft als Ganzes, da sich der Wert des Menschen bzw. das Recht auf Leben letztlich nach dem Grad seiner Perfektion richtet.
#6 am 05.08.2015 von Eva Li (Heilpraktikerin)
  17
Gast
Dass das Geschlecht des Ungeborenen innerhalb der ersten 12 SS-Wochen der Schwangeren mitgeteilt wird, finde ich problematisch. Denn auch bei uns gibt es Frauen, die, - aus welchen Gründen auch immer - einen Jungen erwarten möchten. In Amerika wünschen 80% der IVF-Patientinnen ein Mädchen, da oft (viel) pflegeleichter (diese Erfahrung habe ich auch gemacht ;-) und gemäss amerikanischer Statistik mit grösserem Lebenserfolg verbunden. Die Geschlechterselektion sollte man m.E. der Natur überlassen, ansonsten steuern wir dahin, wo sich asiatische Länder schon heute befinden: zu wenige Frauen, zuviele Männer, und die Leidtragenden sind Frauen, z.B. durch eine hohe Rate an Vergewaltigungen; diese enden oft tödlich für die Frau.
#5 am 05.08.2015 von Gast
  8
Gast
In einer ideallen Welt wäre Inklusion voll gelebt, Behinderte würden von der Gesellschaft nicht behindert werden und Familien mit behinderten Kindern hätten volle Unterstützung in allen Bereichen. In dieser Welt würden sich wahrscheinlich auch Familien leichter mit einer Entscheidung für oder gegen ein behindertes Kind tun. Da wir aber nicht in einer solchen Welt leben, sich Gesellschaft und Staat äußerst zurückhaltend zeigen und die Eltern finanziell und emotional alleine gelassen werden, kann ich jeden verstehen, der eine solche Verantwortung nicht tragen kann.
#4 am 05.08.2015 von Gast
  3
Gast
Lieber Neuro?logisch!, wir könnten jetzt bestimmt stundenlang über dieses Thema diskutieren, aber ich gehe davon aus, dass weder Sie noch ich in der Situation sind, ein behindertes Kind groß zu ziehen. Deswegen finde ich es schwierig anderen Menschen einen Weg im Leben vor zu geben! Dieser Test ist freiwillig und jede Familie sollte auch persönlich nur für sich selbst entscheiden! Wir haben aber kein recht, Frauen aus einkommensschwächeren Familien diesen Test zu verweigern. Wenn, dann ist der Test für alle da. Deswegen sollten auch die Krankenkassen die Kosten tragen.
#3 am 05.08.2015 von Gast (Mitarbeiterin Industrie)
  13
Neuro?logisch!
Auch zu Beginn gesunde Kinder können krank werden, die man dann in den Tod begleiten muss. Ist deren Leben dann nicht lebenswert? Es sind genauso Menschen,wie die ungeborenen Kinder. Sicher ist es schwierig für die Familien.Aber statt Menschen zu unterstützen sich anderer Menschen zu entledigen, sollte der Staat betroffene Familien viel mehr unterstützen. Aber das lohnt sich in der heutigen Zeit wohl nicht.
#2 am 04.08.2015 von Neuro?logisch! (Gast)
  28
Gast
Ich finde, jede Frau bzw. jede Familie sollte für sich selbst entscheiden, ob sie ein behindertes Kind großziehen möchte. Das Kind hat keine gute Lebensqualität, wenn es in einer Familie aufwächst, die es abgetrieben hätte, wenn sie die Diagnose im Vorwege bekommen hätten. So ein Kind wird nicht geliebt. Wie könnte es dann glücklich sein? Zudem bin ich der Meinung, dass man keinem Menschen, der es nicht will, zumuten sollte sein Kind bspw. bei einer Trisomie 13 oder 18 jahrelang in den Tod zu begleiten. Auch die Eltern sind Menschen, die vielleicht andere Kinder haben, die dadurch vernachlässigt werden. Und auch psychisch sind viele von ihnen, vor allem Nicht-Mediziner, leider nicht in der Lage mit so einer Situation fertig zu werden. Es sollte unbedingt zur Kassenleistung werden, denn sonst entsteht das Problem, dass sich nur wohlhabende Familien frei entscheiden können, ob sie bereit sind, ein behindertes Kind auf zu ziehen oder nicht und das erscheint mir alles andere als fair!
#1 am 03.08.2015 von Gast
  19
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