Paradoxien der Fortschritte in der Medizintechnik

22.07.2015
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Stellen Sie sich vor, Günther Jauch macht ein "Wer-wird-Millionär-Spezial" für Ärzte zu Medizinthemen und Sie müssten folgende Aufgabe lösen, um Kandidat zu werden. Wem ordnen Sie welchen Text zu?

A

Es wird  Zeit, dass die Medizin ihre einseitige Konzentration auf die technische Machbarkeit aufbricht und  sich dem kranken Menschen  auch im Sinne einer Heilkunde zuwendet, die ihn aufschließt für seine innere Befähigung, das, was  schicksalhaft da  und  nicht zu ändern ist, dadurch zu überwinden, dass es  als Bestandteil des eigenen Lebens  angenommen wird.  Erst  damit  würde sie dem kranken Menschen umfassend gerecht, weil es einem Grundbedürfnis des Menschen entspricht, die Frage nach dem Sinn zu stellen und  sich  auf Ziele  auszurichten. (…) Daher ist  es eine zentrale  Aufgabe der Medizin, dem Menschen zu helfen, von innen heraus Sinn zu stiften.

 

B

Während  des ersten Jahres, in dem wir  auf  unserer Station jedem Patienten, der mit Extrasystolen auf der CCU aufgenommen wurde, Lidocain verabfolgten, sahen wir nicht eine einzige Episode von Kammerflimmern bei einhundertdreißig aufeinander folgenden Patienten mit einem Herzinfarkt (…) Rückblickend ist  klar – obgleich ich es zu jener  Zeit nicht wahrhaben wollte -, dass wir uns in der Medizin  an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter berfanden, in dem sich die Begeisterung  viel eher  an der Anwendung neuer Technologien entzündete und weniger  der Fürsorge  der einzelnen Patienten galt.  ( …) Die Sterblichkeit bei Patienten mit akutem Herzmuskelinfarkt ging (…) auf etwa 6% zurück – ein himmelweiter Unterschied  zu der Zeit vor kaum dreißig Jahren, als noch ein Patient  von dreien seinem Herzinfarkt erlag.

 

(…) Selbstverständlich hat jeder Silberstreifen seine Trübung. Jeder Fortschritt erfordert seinen Preis. Die Medizin wurde noch stärker  depersonalisiert. Die Technologie wurde vorrangig, und die Patienten rückten auf den zweiten Platz. Ein Paradoxon meines Lebens und seine ganze Ironie ist, dass meine Forschungsarbeiten genau den Dingen Vorschub geleistet haben, die ich zutiefst missbillige.“

 

C

Heute scheint es mir  an der Zeit zu sein, das zu besorgen, was ich (…) als 'die Heimholung der Psychotherapie in die Medizin' bezeichnet habe. Dass sie an der Zeit ist, ergibt  sich daraus, dass eine ganze Fülle  seelenärztlicher Aufgaben auf den Hausarzt wartet. Noch aber ist  der medizinische Betrieb  vielfach mechanisiert und  wird  der Patient in ihm 'depersonalisiert',  ja vielfach droht  der klinische Betrieb  sogar in Routine, wo nicht in Bürokratie zu erstarren.

 

D

„Die Universitäten sind noch weit  davon entfernt, ja, entfernen sich durch explosionsartige Vermehrung  von Detailwissen ständig weiter von der Notwendigkeit, Studenten  mit dem umfassenden, nach Virchow verschütteten Wissensgut der  Naturheilkunde wieder  vertraut  zu machen. Das Lehrkonzept setzt den begreiflichen Fortschrittsdrang junger Menschen in die Perfektionierung der Medizintechnik um.

 

Perfekte Apparate-Beherrschung, Kenntnis des Angebotes naturferner Pharma-Industrie sind  wichtiger als das Wissen über Heilwirkungen des umfassenden Angebots der Natur.

Die Kriterien bei der Auswahl für das Medizinstudium sprechen den tatsächlichen Anforderungen an den echten,  der Humanität verpflichteten Arzt Hohn. Die ärztliche Kunst  wird nicht gefragt und nicht vermittelt.

 

Produziert wird  der Medizinalingenieur. Der Körper des Patienten wird  zur defekten Maschine und post  exitum zum Ersatzteillager. Man lehrt  und lernt nicht mehr, Krankheiten zu erkennen und zu heilen, sondern Symptome möglichst rasch und radikal abzudecken. Man beseitigt nicht Krankheitsursachen, sonder man sucht Beweis zu führen, dass örtliche gezielte Maßnahmen perfekt  funktionieren."

 

 

1. Josef Issels

2. Giovanni Maio

3. Bernard Lown

4. Viktor E. Frankl

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.07.2015.

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