Heilpraktiker ins RECHTE Licht gerückt?

21.07.2015
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Ich halte es für äußerst fragwürdig und unwissenschaftlich, wenn heutige komplementärmedizinische Diagnose- und Therapieansätze oder Berufe pauschal mit nationalsozialistischer Ideologie in Verbindung gebracht werden.

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Mein Kommentar,  als Zahnarzt seit  1982 approbiert und als Heilpraktiker  seit 1997:  Wenn Herr van den Heuvel für die Ärzteschaft reklamiert,  sich "längst mit  den braunen Flecken ihrer Vergangenheit  auseinanderzusetzen " und dies als lobenswert  gegenüber  der Heilpraktikerschaft  hinstellt, wuchert er  in einer Art und Weise mit einem"Verdienst", so dass ich als Pionier der Erforschung der Verantwortlichkeiten von Zahnärzten im Nationalsozialismus (http://www.dr-guggenbichler.de/veroffentlichungen/zahnmedizin-unter-dem-hakenkreuz/) nur fordern kann, der ganzen Wahrheit  die Ehre zu geben. Und  die besteht darin:

Die Vertreter der Medizin und der Standespolitik der Nachkriegszeit haben  sich vehement einer  Aufarbeitung der NS-Vergangenheit widersetzt. Erst  mit dem Gesundheitstag 1980 erlangten die Projekte zur Aufarbeitung der Medizin unter  dem Nationalsozialismus einige Öffentlichkeit.

Ich  halte es für  äußerst fragwürdig und unwissenschaftlich, in dieser Art und Weise  heutige  komplementärmedizinische Diagnose- und  Therapieansätze  sowie Berufsbilder pauschal mit nationalsozialistischer Ideologie in Verbindung zu bringen.

 

Denn Lars E. Sievert stellte z.b. als Fazit seiner  Untersuchung über die medizinethischen Postulate der "Neuen Deutschen Heilkunde" fest, dass "die Interpretation der Quellen von Seiten der Nationalsozialisten oft  mit den Grundintentionen der Verfasser dieser historischen Quellen nicht (! d. V.)  übereinstimmen ".  Wer somit der Naturheilkunde insgesamt eine ungebrochene Kontinuität der Weltanschauung unterstellt, verschweigt, in welchem Maß während des NS-Regimes  naturheilkundliche Ansätze deformiert wurden.

 

Unter den damaligen Nicht-Schulmedizinern waren viele jüdische Ärzte . Die nationalsozialistische Propaganda hat dies aus naheliegenden Gründen   verschwiegen. Zu den radikalen Kritikern der Schulmedizin in der Weimarer Zeit gehörte eben nicht nur der später als Nazi-Ideologe berüchtigte Erwin Lieksondern  auch  jüdische Ärzte wie  Bernhard Aschner, Richard Koch und  Georg Honigmann oder  auch der Chirurg August Bier, der sich für die Homöopathie einsetzte.

 

Im  "Norddeutschen Ärzteverband für physikalische und diätetische Therapie"  waren z.B. bis  1933 mehr als die Hälfte aller Mitglieder Juden. In der Schriftleitung der von Honigmann 1928 gegründeten  Zeitschrift "Hippokrates- Zeitschrift für Einheitsbestrebungen der Gegenwartsmedizin"  waren jüdische Ärzte ( Aschner und Dr. Otto Leeser) in der Mehrzahl. Selbst  berühmte und angesehene Vertreter der "Schulmedizin " wie   Ferdinand Sauerbruch  oder  Ludolf von Krehl vertraten die Auffassung, dass praktische Heilkunst mehr als  nur Naturwissenschaft sein müsse.

 

So wie die Nazis "jüdisch-marxistischen Elementen" unter den Beamten und Ärzten Berufsverbot erteilten,  entfernten sie als "Juden" und "Marxisten " eingestufte  Kollegen aus den Reihen biologisch arbeitender Ärzte, z.B. den Arzt und Reichstagsabgeordneten Julius Moses  und den  jüdischen Arzt Emil Klein, der bereits in der Weimarer Republik den Lehrstuhl für Naturheilkunde in  Jena innehatte. 

 

Es muss nicht alles falsch sein, was NS-Anhänger  getan oder gesagt haben. Sebastian Haffner schrieb: "Ein Vergnügen ist es wahrhaftig nicht, sich auf Hitler als politischen Denker  so weit einzulassen,  wie es eine kritische Auseinandersetzung nun einmal erfordert. Trotzdem scheint es notwendig, (...) weil, solange das Irrige in diesen Gedanken nicht klar vom mehr oder weniger Zutreffenden geschieden ist, das Richtige in Gefahr ist,  tabuisiert zu werden,  nur weil  es auch  Hitler  gedacht hat. Aber zwei mal zwei bleibt vier, obwohl auch Hitler  zweifellos zugestimmt hätte. (...) Dass Hitler falsch gerechnet hat, schafft die Zahlen nicht ab."

 

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 02.09.2015.

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Medizin
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Gast
Ich empfinde den Artikel von Herrn van den Heuvel haarsträubend. Wenn wir es drauf anlegen, können wir Menschen in Allem Gutes oder Schlechtes finden. Warum schaffen wir es nicht, zusammenzuarbeiten, voneinander zu lernen? Warum dieses aufgeblähte Ego-Gehabe, das wir doch gar nicht nötig hätten? Einander die Hand reichen. Sich akzeptieren. Lernen. Wachsen. Es gibt in allen Berufen Stümper und wahre Könner. Der Mensch ist ein vielschichtiges Wesen. Wie wird heute so oft "labidar" vom "ganzen Menschen", von " Körper, Seele und Geist" dahergeredet? Den Körper decken wir sehr gut ab, wie aber die anderen Instanzen abdecken? Hier leistet die Naturheilkunde und auch die energetischen Heilweisen Großes. Und gemeinsam mit der genauso wichtigen und eher am Körper orientierten Schulmedizin erreicht man das Eigentliche: Heilung in der Ganzheit. Wann begreifen alle Beteiligten dies endlich, anstatt sich mit Schlammschlachten zu bekämpfen?
#1 am 20.08.2015 von Gast
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