Kreative Süchtige

19.07.2015
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Fällt das Wort „Suchterkrankungen“, denken die meisten zunächst an die „typischen“ Süchte: Alkohol, Nikotin, härtere Drogen, vielleicht noch Spiel- oder Esssüchte. An Medikamentenabhängigkeiten denkt man erst danach, zumal auch das betroffene Patientenklientel ein vollkommen anderes ist.

Mitten in der Nacht von Sonntag auf Montag um 3:45 Uhr klingelt mein Telefon. Das ist natürlich nicht ungewöhnlich, wenn man Bereitschaftsdienst hat. Diesmal ist es eine 40-jährige Frau. Sie hätte solche Ängste und Beklemmungen, wäre total unruhig, würde anfangen zu hyperventilieren. In einer Woche stünde ein großer Umzug an und sie wisse nicht, wie sie das alles schaffen solle. Ich frage am Telefon gleich nach Vorerkrankungen, regelmäßige Medikamenteneinnahme, nein nichts. Sie hätte so eine „Angstattacke“ vor Jahren schon einmal gehabt und da habe ihr eine Beruhigungsspritze wunderbar geholfen. Ob ich bitte, bitte vorbeikommen könne, sie hielte es nicht mehr aus. Da sie wirklich sehr belastet klingt, schäle ich mich zähneknirschend aus meinem warmen Bett und fahre zu ihr, in den 7 Kilometer entfernten Ort.

Ich werde in einem großen, gut eingerichteten Haus reingelassen. Kindersachen stehen herum, die Dame des Hauses emfpängt mich. Ihr Ehemann würde noch schlafen, er müsse früh raus. Äußerlich ist sie wirklich sehr unruhig und etwas fahrig und zittert. Vitalzeichen sind soweit in Ordnung. Ich frage sie nun nochmals nach Vorerkrankungen wie Depressionen, Angsterkrankungen etc.

Auf einmal rückt sie raus, ja sie sei schon seit Jahren an Depressionen erkrankt und habe bis vor kurzem drei verschiedene Antidepressiva eingenommen, unter anderen Venlafaxin und Escitalopram. Ihr Psychiater hätte sie vor kurzem abgesetzt. Auf meine Frage, ob sie denn nicht einen Notfallplan für solche Anfälle wie diesen inklusive Bedarfsmedikation mit ihrem Psychiater abgesprochen habe, antwortet sie nur, dass sie einen solchen Anfall bisher nur einmal vor ein paar Monaten hatte (am Telefon waren es noch Jahre gewesen). Damals hätte ihr auch jemand eine Spritze zu Beruhigung gegeben. Nun gut, sage ich, ich könnte Ihnen jetzt auch eine Spritze geben, ob sie das möchte?

Sie fängt an, herumzudrucksen, ach momentan hätte sie auch solche Angst vor Spritzen, ob sie denn nicht lieber Tabletten bekommen könne? Am besten als Rezept, damit sie „was für den Notfall“ da habe! Ihr Mann könne gleich zur Apotheke fahren und es holen, solange hielte sie es noch aus. Oder aber Diazepamtropfen, ginge das auch?

Ich hatte die ganze Zeit schon ein komisches Gefühl, bei dieser „Bitte“ wurde ich doch sehr hellhöhrig. Ein Rezept für das stark abhängig machende Diazepam? Ohne mich. Zum Glück habe ich immer zwei Tabletten Diazepam im Koffer. Davon bekommt sie eine. Genug, um sie über die restliche Nacht zu bringen, sodass sie sich morgen bei ihrem Hausarzt oder Psychiater vorstellen kann.

Diese Antwort passt ihr erwartungsgemäß gar nicht. Sie versucht noch, verschiedene Erklärungen zu finden, warum sie das Rezept nun doch sofort braucht, aber ich lasse mich nicht erweichen. Beim Aufnehmen der Daten fällt mir auf, dass ihre Hausärztin meine alte Arbeitsstelle ist. Leider war sie nie bei mir in Behandlung.

Am nächsten Tag gehe ich in meiner alten Praxis vorbei und erwähne, dass ich Frau Sowieso im Notdienst hatte und ob sie in der letzten Zeit mal in der Praxis gewesen sei? War sie. Drei Tage vor meinem Anruf. Sie wollte unbedingt ein Rezept für Diazepam haben, was ihr aber verwehrt wurde. Sie hat nämlich bereits eine Vorgeschichte und war jahrelang von Codein-Hustentropfen abhängig, und war dafür von Arzt zu Arzt gezogen, bis es irgendwann auffiel.

Nun scheint sie das Medikament gewechselt zu haben, die Methoden sind die gleichen geblieben. Leider macht es ihr das momentane Gesundheitssystem auch leicht, bei verschiedenen Ärzten, wenn sie sie alle nicht kennen, ihre „Drogen“ zu bekommen. Auch wenn die meisten Kollegen sicherlich viel vorsichtiger mit der Verordnung von Diazepam sind, als zum Beispiel von Codein-Tropfen, fürchte ich, dass sie mittlerweile ihre Wege und Mittel kennt.

Zum Beispiel das Rausklingeln des Bereitschaftsarztes mitten in der Nacht. Beinahe hätte ich ihr auch ein Rezept ausgestellt, weil ich der Diskussion müde war und einfach nur noch in mein Bett zurückwollte. Ich bin mir relativ sicher, irgendeiner wird schon auf sie reinfallen und ihr ihr gewünschtes Rezept ausstellen.

Nun zieht sie auch noch 400 km von hier weg. Das heißt, dort kennt sie keiner. Dort wird sie ihr Spiel wieder von vorne beginnen und eine ganze Weile damit Erfolg haben, bis es auffliegt. Dass sie das machen wird, ist klar, eine Krankheitseinsicht hat sie nie gehabt. Ich fürchte, eine lange Leidensgeschichte liegt noch vor ihr.

Bildquelle: Jan Jablunka, flickr / CC by

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.09.2015.

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#35 am 14.01.2016 von DocCheck News Redaktion (Mitarbeiter von DocCheck)
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Gast
kein Arzt kann mir mehr helfen denn ich bin fertig mit der welt
#34 am 13.01.2016 von Gast
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Gast
Ich bin auch so eine leiderBulimie ist mein freund
#33 am 13.01.2016 von Gast
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moralischer mentor
zu Kommentar #27:Ärzte sind Dienstleister der Gesundheitsdienstleistungsindustrie, sog. Patienten sind Kunden der Dienstleister,bezahlen viel dafür,das ist keine wohltätigkeit, Dienstleister handeln im besten eigenen interesse. Das immer zum wohle des Patienten gehandelt werden muss,konnte bislang aber nicht flächendeckend durchgesetzt werden,
#32 am 28.08.2015 von moralischer mentor (Gast)
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moralischer mentor
Der 'Patientin' einen kalten Entzug aufzuzwingen ist ein Fehler,hohe Letalität des wahrscheinlichen Krampfens + Sturzschäden.Die Abhängigkeit wurde gesehen. Die autorin gibt einen leichtfertigen Eindruck ab, mit einer nachreifung ist aber sicher zu rechnen,falls noch eigene probleme im eigenen leben erscheinen.Bewusstere menschen hätten wohl nicht roboterhaft auf eine einhaltung der regeln bestanden,rational und lege artis war dieses verhalten nie.Ärzte müssen zusehen,das ihre emotionalen bedürfnisse ausserhalb des berufes befriedet werden,die 'kreative süchtige' (wie bitte?) hätte daran auch sterben können,von einer instabil erscheinenden Ärztin gemaßregelt zu werden.
#31 am 28.08.2015 von moralischer mentor (Gast)
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Gast
Letzten Endes eine Tbl BZO geben, reicht aus, um am nächsten Tag der Pat. die Chance zu geben, sich bei einem Suchtarzt vorzustellen. @ Diskussion. Ich war früher auch der Meinung Junkies sind "Erfahrungsgeile Idoten, die selbstverschuldet darauf hängen geblieben sind". Dank der Suchtarbeit hat sich mein Bild komplett geändert: Viele sind Opfer sozialer Umstände und aber auch psychiatrischer Grunderkrankungen. Es gibt (fast) kein Mißbrauch ohne psychiatrischen Hintergrund. Oft in der Persönlichkeit begründet, nehmen dann hektische Menschen "Downers", Antriebsverminderte "Uppers". THC, Spice, BZO eher für paranoide und oder Schizophrene Pat. Letztlich ist die Behandlung der Grunderkrankung ausschlaggebend. Und hier versagt meiner Meinung nach auch das StGB: Es zielt auf die Symptome des Süchtigen ab, also auf die Ergebnisse der Grunderkrankung (Diebstahl, Betrug, BTM dealen, besitzen), aber eine vernünftige Drogenpolitik - auch mit Entkriminalisierung - gibt es nicht.
#30 am 13.08.2015 von Gast
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Gast
Neben meinem Studium arbeite ich auch noch weiterhin als Krankenpfleger auf der pschiatrischen Suchtstation. Was Sie hier schildern, ist ein "Klassiker". Diese Pat. ist einfach Benzoabhängig. Wenn die Abfluten kommt der Suchtdruck. Und offenbar hat sie sich ihre normalen Quellen schon verbrannt, sonst würde sie den Nachtdiensttrick nicht machen. Ich finde es gut, dass sie nicht eingeknickt sind. Viele ärztliche Kollegen sind mit Tilidin, leichten Schlafmitteln und Lyrica sehr unreflektiert in der Vergabe/Verschreibung. Der dezente Hinweis "Ziehen Sie einen Entzug in Erwägung!" (auch wenn es nicht der erste oder auch nicht der letzte ist) hätte vielleicht noch ein wenig gefruchtet.
#29 am 13.08.2015 von Gast
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Gast
Man hätte der Frau Diazepam geben sollen.Sie braucht es zum Leben wie Brot zu essen.
#28 am 30.07.2015 von Gast
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Gast
Zu #26: Vielleicht sollte man sich eher mit dem Problem auseinander setzten, dass Jugendliche so leicht an Alkohol komme und nicht daraus schlussfolgern, dass dann alle Drogen (auch noch auf Kosten der Krankenkasse) zu verschreiben sind. Ärzte sind dazu verpflichtet im Interesse ihrer Patienten zu handeln, das heißt nicht, dass man ohne nach zu denken, jedem Wunsch der Patienten nachgeht! Ärzte sind keine Dienstleister und die Patienten nicht Kunden, die wunschlos glücklich sein müssen!!!
#27 am 30.07.2015 von Gast
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Gast
So einen gequirlten Mist habe ich noch nie gehört. Liebe Kollegen sind sie doch mal ehrlich zu sich selbst! Wieviele unter ihnen sind den selbst von Substanzmittelmißbrauch betroffen? Bei Alkohol wird nicht so ein Aufstand geprobt, den kann ja jeder Jugendliche ohne Schwierigkeiten um Supermarkt kaufen und sich problemlos für 5€ das "Hirn wegsaufen". Aber Alkohol ist ja die Volkstroge und gehört bei vielen zum guten Ton. Wenn nun die Patienten von irgendwelchen berauschenden Medikamenten abhängig sind, ist dies ihre Entscheidung. Genau wie bei jedem x-beliebigen Menschen der Alkohol mal mehr oder weniger konsumiert....., denn es ist auch seine freie Entscheidung und der Alkohol wird nicht unter Rezeptpflicht gestellt. Also hört auf die Patienten zu diskriminieren und zum Lügen zu zwingen, entweder der Knoten der Vernunft platzt oder nicht. Solange sie nicht Therapiebereit sind, kann man nicht durch Zwang helfen, therapieren und die Leute diskriminieren. Sonst sind wir wieder ganz schnell beim Thema Beschaffungskriminalität!!!
#26 am 27.07.2015 von Gast
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Gastfolger
Dennoch: a) Die meisten Psychopharmaka-Entwicklungen waren Produkte des Zufalls UND dessen vielfache Nachahmung bis hin zur Enantiomerentrennung. Gezielte Forschung ist äußerst kostspielig, um neue Therapieansätze mitbed. durch das IQWIG zur Marktreife zu bringen. b) Die gegenwärtigen Psychopharmaka sind (relativ gesehen) „schlecht": Bezüglich Wirksamkeit, Verträglichkeit/UAWs, Therapieabbrüchen, häufig nötiger Polypharmazie, kaum überschaubare Interakt. und nicht zuletzt: Absetzen bei (in den meisten Fällen notwendiger) Langzeitbehandlung (mehrere Jahre: hier keine RCTs, keine Metaanalysen, lediglich Einzelfallberichte oder klinische Erfahrung). Letztere hat in de Leitlinie „Depression“ ein Ausschleichen über mind. 6 Monate empfohlen bei geringem Evidenzgrad. Sehr viele Depressive nehmen Antidepressiva lebenslang. Inwiefern führen ADs in unseren Gehirnstoffwechsel wirklich zu dauerhaften Adaptationsprozessen, sind komplizierter zu entziehen als ein altbekanntes „Suchtmittel“? ff#25
#25 am 26.07.2015 von Gastfolger (Arzt)
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Gastfolger
3. Das menschliche Gehirn ist und wird noch viele Jahre das wohl geheimnisvollste, komplizierteste und medizinisch-wissenschaftlich am wenigsten verstandene Organ des Menschen bleiben. Die Zusatzweiterbildung „Suchtmedizinische Grudversorgung“ in ihrer Theorie (state of the art) und Ausrichtung (Umgang und Verordnung mit/von BTM unter Vermeidung rechtlicher Fallstricke vor dem Hintergrund insb. Opiatabhängiger / „Substitution“ vs. „Beikonsum“ / Wie spreche ich mit substanzabhängigen Patienten, ohne ihn bloßzustellen oder selbst als „Dealer“ missbraucht zu werden, "Motivierende Gesprächsführung") respektierend: Das kann lediglich eine Basisanleitung für den medizinischen Alltag bieten, um die nötige Sorgfalt in der Indikationsstellung bzw. den „geeignetsten“ Moment zu einer Entgiftung bei einem substanzabhängigen Patienten herbeizuführen und wahrzunehmen. Gerade das i.v.-Opiat-Klientel ist hochkompliziert für jede Praxis. Weiter bei #25
#24 am 26.07.2015 von Gastfolger (Arzt)
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Gastfolger
Sehr geehrter Herr Kollege „Gast“, vielen Dank zu Ihren ausfühlichen und in medizinischen, psychiatrisch, psychologisch und gesundheits- und gesellschaftspolitisch treffenden Ausführungen. Ich möchte noch einen besonderen Unterschied hinzufügen, den zwischen Theorie (der Schulmedizin) und Praxis: 1. Einfluss der Pharmaindustrie auf die Verschreibung (wie genannt zuletzt Z-Substanzen) 2. Das Gegenteil: Schlagzeilen über Missbrauch von Medikamenten, der jedoch als „Hype“ übertriebe Wirkung zeigt und Angst beim Verordner erzeugt (trotz weniger Fallzahlen und völlig überhöhte Dosen im Missbrauchsfall, Beispiel: Pregbalin seinerzeit). Da wird vom Psychiater (!) dem ängstlich-depressiven Patienten doch tatsächlich weiter eine Dauermedikation mit einem BZD vorgezogen. Das kennt er schließlich schon sehr lange und hat keine Angst vor Regressen. (Für mich ein Paradoxon, aber ein Beispiel aus der Realität). Weiter #24
#23 am 26.07.2015 von Gastfolger (Arzt)
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Gast
Dank der cleveren Kollegin, die die Pat. durchschaut hat blieb es aber bei einer Injektion OHNE BTM Rezept ( nicht mit MIR!) . Dafür ist sie ja auch nicht "zuständig". Original aus dem Artikel. Noch "besser" finde ich den oft von Kollegen gegenüber Patienten geäußerten Satz: Dafür werde ich nicht bezahlt! So....würde DIESER Artikel hier auch veröffentlicht werden? Wir Ärzte müssen ALLE verstehen, was Suchtkrankheiten sind, sie wie einen Myocardinfarkt ernst nehmen & behandeln. Präventiv wirken - wir sind ja für Tbl.-Abhängigkeit verantwortlich! - UND sie nicht -wie geschehen- als außerirdische igitt Monster zu verspotten! Nicht vergessen: Ärzte sind ja mit Abstand die Nr.1 der Medikamenten -Abhängigen. Ich denke das erklärt schon die Berührungsängste/Kompensationsversuche (verspotten/diskriminieren) einiger Kollegen. Wichtig: das ist m.E. eine Minderheit. Die meisten sind uninformiert bzw. desinteressiert. Vielleicht konnte ich einen kleinen Impuls geben. Danke
#22 am 25.07.2015 von Gast
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Gast
3. Der wichtigste Punkt: der Grund , warum mich der Artikel ärgert & warum ich so schreibe: Akzeptanz (das ist das Minimum) , "Selbstverständlichkeit", Empathie? Süchtige sind der Bodensatz der Gesellschaft. Ich weiß nicht , ob Pädophile tatsächlich noch dahinter liegen. Eine irgendwie geartete Akzeptanz seitens der Gesellschaft habe ich mir abgeschminkt (wird es wohl niemals geben) genauso wie depressiv Erkrankte nicht wirklich einen Fortschritt in der Betrachtungsweise in den letzten Jahrzehnten gemacht haben. Jetzt der Unterschied: Wir Ärzte! Depressionen sind für uns Allgemeinmediziner dank guter Lobby Arbeit (Pharma) schon Richtung Krankheit gerückt. Aber Sucht? Man stelle sich vor, die Kollegin aus dem Artikel wäre zu einer Pat. mit einem selbstverschuldetem (!) -weil Raucherin - Bronchial-Ca im Endstadium gerufen worden. Dann hätte diese "Kreatur" mit Tricks und Lügen versucht, ein BTM Rezept für ein Opiat zu erschleichen.......leider doch #22
#21 am 25.07.2015 von Gast
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Gast
Conclusio: 1. Prävention: ich weiß, dass ich in der glücklichen Lage bin , jahrzehnte- lang meine "Pat. -Familie" zu kennen und so mit Zeit und Empathie sehr selten auch B. und Z. Medikamente begrenzt verordnen kann. In einer anderen Situation sollte man extrem restriktiv sein aber dennoch geeigneten Pat. (vgl. Zeit & Empathie) die Medik. verordnen. Vor einer Radiatio bzw. Chemo nehme ich mir doch auch die Zeit mit dem Pat. die Schritte durchzugehen - ähnlich folgenschwer kann auch der Einsatz eines potentiellen Suchtmittels sein! 2. Suchtkliniken: ich kenne trotz fortlaufender intensiver Recherche nur 2 Kliniken in Deutschland in die ich v.a. C2 Abhängige einweisen kann. Grund: a. "Image" s.3.(wichtigster Punkt) b. Finanzen: die sogar Guideline mäßig erfassten Standards können nur in Privatkliniken umgesetzt werden. Ich werde meinen inzwischen zum Artikel ausgearteten Kommentar in #20 zu Ende bringen. Versprochen:-)
#20 am 25.07.2015 von Gast
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Gast
Weiter zur Diskriminierung von Süchtigen , hier Medikamente. Exemplarisch: ich überweise eine Diabetikerin mit schwerer diesbezügl. PNP zu einem darauf spezialisiertem Neurologen (und Psychiater!). Die ersten Vorstellungen (Evaluierung und Einstellung auf die übl. , moderne Schmerz -Kombi ) verlaufen sehr positiv. Gutes Arzt/Pat. Verhältnis. Dann findet er heraus, dass die Pat. bei sehr starken Schmerzen ein Codein/Paracetamol Kombi-Präparat einnimmt( hatte sie bei einer Kur verschrieben bekommen, ich hatte es nach langer Intervention als N1 weiter- verordnet. Folge: Eine cholerisch/arrogante "Belehrung" der inzwischen zum "Fixer vom Bahnhof Zoo" mutierten Pat. und Abbruch der Therapie. (Übrigens lag in diesem Fall - auch das gibt es mal - keine Suchterkrankung vor !). Allein der Verdacht lässt also Kollegen schon so reagieren..........
#19 am 25.07.2015 von Gast
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Gast
Ich hatte gerade #17 abgebrochen, um mehr Platz zur Äußerung meiner Unverständnis , die der Artikel bei mir auslöste zu haben. Also: wie unten aus- geführt ist die Suchtveranlagung eine "körperliche" Erkrankung . Sprechen wir über die Abhängigkeit von rezeptpflichtigen Medikamenten, haben die Manifestation zu fast 100% WIR selber , also iatrogen ausgelöst. Deswegen ist es m.E. doch eine unreflektierte Dummheit , sich in diesem Artikel zu brüsten , einem lügendem, tricksendem "Junkie" nicht auf dem Leim gegangen zu sein OHNE Ursachen und v.a. Therapie zu beleuchten. Die in meinem Kommentar #17 geäußerte Diskriminierung von Suchtkranken beobachte ich in meiner internistischen Praxis (mit Interesse-/Ausbildungsbedingt) psychologisch/psychiatrischen Hintergrund extrem häufig. ...weiter #19
#18 am 25.07.2015 von Gast
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Gast
Der Artikel und die meisten Kommentare zeigen erschreckend evident die massive Problematik bei der Behandlung von Suchtkrankheiten. Der Kommentar von "Gast" #8 führt m.E. als einziger in die richtige Richtung. Ich würde zwar weniger von "kriminalisieren" sprechen, eher "diskriminieren" bzw. "fehlinterpretieren". Konkret: Wir (sog. Schulmediziner) sehen in Suchtkranken : Schwächlinge, Trickser, Lügner - ja und z.T. auch Kriminelle - die durch eigenes Verschulden in diese Situation gekommen sind. "Kein Charakter". Das ist doch die gleiche Einstellung, die z.B. depressiven Pat. noch teilweise entgegen gebracht wird: faul, Charakter schwach, disziplinlos etc. Wir wissen es doch heute besser: im MRT können eindeutig die Hirnareale mit dem organisch bedingtem Dopaminmangel , der für die Suchtveranlagung ver- antwortlich ist, nachgewiesen werden! Sicherlich - von der Veranlagung bis zur Manifestation ist es oft ein weiter (psychischer) Weg .... (wg. der Kommentar- länge mehr dazu später)
#17 am 25.07.2015 von Gast
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An der Tatsache, dass wir in Deutschland geschätzt etwa 1,9 Millionen Medikamentenabhängige haben, somit deutlich mehr als Alkoholabhängige, davon 90 % benzodiazepinabhängig, ist der ärztliche Berufsstand nicht ganz unschuldig, indem er recht unkritisch diese Medikamente verschreibt und wenig über die Gefahren aufklärt. Auch der Umgang mit neuen Medikamenten ist nicht ganz unkritisch, diese werden massenweise verschrieben um dann festzustellen, dass es eine Abhängigkeitspotential gibt. Zuerst waren es die Barbiturate, dann die Benzodiazepine und zuletzt die Z-Drugs (Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon), die zunächst als unkomplizierte und nicht abhängigmachende Schlafmittel angepriesen wurden um dann nach ein paar Jahren festzustellen, wie viele Patienten abhängig geworden sind und die Patienten wiegten sich in der Sicherheit mein Arzt hat es mir verschrieben, dann wird es schon in Ordnung sein.
#16 am 25.07.2015 von Stefan Werner (Arzt)
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Eine Dauerbehandlung eines suchtkranken Patienten, mit seinem Suchtmittel, wie hier vorgeschlagen, kann aus psychiatrischer Sicht nicht das primäre Ziel sein und sollte nur in Ausnahmefällen, wo es keinen anderen Weg gibt, erwogen werden. Im Übrigen ist kein Medikament für diese Anwendung zugelassen, wer also Benzodiazepine oder Zolpidem über die Kurzzeitanwendung von in der Regel zwei Wochen hinaus verschreibt ist, bei einer Off-Label Anwendung auch mit den entsprechenden juristischen Risiken. Eine Persönlichkeitsentwicklung unter Anwendung von Benzodiazepinen oder Alkohol findet auch unter Psychotherapie leider nicht mehr statt. Im Gegenteil: Das Suchtmittel verhindert eine Persönlichkeitsentwicklung. Unterhalten Sie sich mal mit einem 28 jährigen, der seit 10 Jahren regelmäßig THC oder Alkohol oder Benzodiazepine konsumiert, der ist von seiner Persönlichkeitsentwicklung stehengeblieben und innerlich höchstens 18.
#15 am 25.07.2015 von Stefan Werner (Arzt)
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Die Aussage man sei als Arzt im Notdienst für das Suchtproblem nicht zuständig ist zwar nachvollziehbar, aber vielleicht auch ein wenig einfach. Der Suchtkranke kann in dem Zustand seiner Erkrankung den Konsum nicht mehr steuern und tut alles um an Nachschub zu kommen. Dass er dabei den Rettungsdienst missbraucht und anfängt zu tricksen bis in den Bereich der Illegalität ist weder der Ausdruck einer besonderen Kreativität noch einer Bösartigkeit oder Neigung zur Delinquenz, sondern Folge der Suchterkrankung mit all ihrer Not. Auch wenn man als Notarzt das Problem in der Nacht nicht lösen kann und der Suchtkranke häufig uneinsichtig oder ablehnend gegenüber professioneller Hilfe ist, kann es nicht die Lösung sein, sich als Arzt als nicht zuständig für die Erkrankung eines Patienten zu erklären, zumindest ein Hinweis auf Hilfe sollte drin sein.
#14 am 25.07.2015 von Stefan Werner (Arzt)
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Ein paar Aussagen hier im Blog kann ich als Psychiater und Leiter einer Suchtfachklinik so nicht stehen lassen. Die Behauptung ein Entzug sei zwar unangenehm, aber ungefährlich trifft bei dem hier diskutierten Fall mit einer Benzodiazepinabhängigkeit nicht zu. Genau so wie beim Entzug von Alkohol oder auch den sogenannten Z-Drugs (Zolpidem und Zopiclon, die meistverordneten Schlafmittel in Deutschland) kommt es zu Entzugskrampfanfällen, die potentiell lebensbedrohlich sein können. Ein solcher Entzug muss daher stationär in einer psychiatrischen oder internistische Klinik durchgeführt werden, alles andere ist fahrlässig und lebensgefährlich.
#13 am 25.07.2015 von Stefan Werner (Arzt)
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Gast
@ #8 Zitat: ..(..) Nach einigen Jahren der Persönlichkeitsentwicklung, Veränderung der Lebensumstände und Psychotherapie ist dann ein Abdosieren dieser sehr gut wirksamen und verträglichen Medikamente möglich, ganz ohne prohibitionsbedingte "Leidensgeschichte". .(..) Ähhhm... das mag funktionieren, wenn der Patient bereitwillig und kontinuierlich in (psycho-)therapeutischer Behandlung ist. Das lehnen aber gerade die bereits Süchtigen oft ab. Und anstatt einer Persönlichkeits-ENTWICKLUNG gibt es häufiger eine negative Persönlichkeitsveränderung, unter der dann die ganze Familie (besonders die Kinder!) zu leiden haben. Richtiger wäre es, süchtigmachende Medikamente so weit wie möglich zu vermeiden und die Adhärenz (auch Psychotherapieempfehlungen) genau zu beobachten.
#12 am 23.07.2015 von Gast
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cand. med. TF
Hallo Herr Scheer, vielen Dank für ihre Antwort. Jetzt bin ich ein wenig schlauer.
#11 am 23.07.2015 von cand. med. TF (Gast)
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Zum Thema Schweigepflichtverletzung: Die Schweigepflicht gilt grundsätzlich auch unter Ärzten, wobei bei einer Gemeinschaftspraxis in der Regel von einer stillschweigenden Einwilligu ng der Patienten zum Informationsaustausch ausgegangen werden kann. Gelockert oder sogar aufgehoben ist die Schweigepflicht bei der Zusammenarbeit mit einem mit- weiter- oder nachbehandelnden Arzt. Nach der Verhaltensordnung der Ärztekammer besteht zwischen diesen Ärzten eine Pflicht zur Zusammenarbeit, was auch den Informationsaustausch umfasst. In der Regel kann in solchen Fällen, insbesondere wenn der Informationsaustausch für den Patienten erkennbar ist und er nicht ausdrücklich etwas anderes erklärt hat oder sich dem mit- weiter- oder nachbehandelnden Arzt entzieht, von einem stillschweigenden Einverständnis ausgegangen werden. Nach dem Besuch des Notdienstes ist de Hausarzt grundsätzlich der weiterbehandelnde Arzt. Das man bei einem persönlich gut bekannten Kollegen diesen Informationsaustausch auch mal im persönlichen Gespräch sucht, ist grundsätzlich nicht verboten! .
#10 am 23.07.2015 von Christian Scheer (Arzt)
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Gast
Ich selbst habe leider schon die Erfahrung gemacht das Ärzte der Notversorgung schon so mißtrauisch gegenüber Patienten bei Schmerzmitteln sind, dass so mancher wirklich leidende Patient ohne Mittel blieb. Eine Behandlung zu unterlassen weil man nie 100% Sicherheit hat ist nicht der richtige Weg!
#9 am 23.07.2015 von Gast
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Gast
Würden wir Süchtige nicht kriminalisieren und erwachsene Bürger nicht derart bevormunden, wie sie ihr Leben führen bzw. was sich sich zuführen dürfen, fiele der Riesenaufwand für alle Beteiligten fort. Glaubt die Autorin, es macht der Patientin Spaß, nachts, vom Entzug geplagt, den Notdienst beanspruchen und ein Lügentheater vorspielen zu müssen, statt sich einfach wie jeder Alki im Supermarkt einzudecken oder es zumindest regulär, dauerhaft vom Arzt verschrieben zu bekommen? Eine geregelte Dauerbehandlung mit Opioiden, Benzos etc. wäre für viele psychisch erheblich leidende Patienten genauso angebracht, wie es bei Schmerzpatienten mittlerweile allgemein anerkannt ist. Nach einigen Jahren der Persönlichkeitsentwicklung, Veränderung der Lebensumstände und Psychotherapie ist dann ein Abdosieren dieser sehr gut wirksamen und verträglichen Medikamente möglich, ganz ohne prohibitionsbedingte "Leidensgeschichte". Bereits die heutige, stark verbesserungsfähige Substitutionstherapie zeigt das.
#8 am 23.07.2015 von Gast
  8
Gast
Die "junge Ärztin" und ihre "alte Praxis" verstoßen gegen die ärztliche Schweigepflicht.
#7 am 23.07.2015 von Gast
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Gast
Als Tierärztin ist mir das Problem bekannt. Katzen mit epileptischen Anfällen werden mit Diazepam behandelt, da bei dieser Tierart keine Gewöhnungseffekte auftreten. Es ist bereits das eine oder andere Mal vorgekommen, dass mir eine epillepsiekranke Katze auf mein Verlangen zur Nachkontrolle nicht vorgestellt werden konnte, oder eine ganz andere Katze vorgestellt wurde. Auch Sylvisterangst beim Hund wird gerne mit Diazepam bahndelt. Hier verschreibe ich jedoch nur noch die Rectal Tubes in der Hoffnung, dass die Hemmschwelle zum Missbrauch etwas höher ist. Ein weiteres Problem sind extrem Bodybuilder mit einer kastrierten Hündin, die zu Harnträufeln neigt. Harnträufeln wird normalerweise mit Caniphedrin behandelt. Wie der Name schon sagt enthält es Ephedrin, welches dann missbraucht wird. Solche Fälle werden mit einer Krankenkassenkarte leider nicht erfasst.
#6 am 22.07.2015 von Gast
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cand. med. TF
Nur mal so am Rande gefragt: Haben nicht sowohl sie als behandelnde Ärztin, als auch die ehemaligen Kollegen aus der Arztpraxis, gegen ihre ärztliche Schweigepflicht verstoßen? Schließlich behandeln sie die Patientin nicht gemeinsam. Oder ist das im Falle des Notdienstes gegenüber dem Hausarzt anders? Oder ergibt der konkrete Verdacht des Medikamentenmissbrauchs hier irgendeine andere Rechtslage, die ich nicht kenne?
#5 am 22.07.2015 von cand. med. TF (Gast)
  10
Gast
Ein Klassiker Wie oft musste ich schon losziehen oder wurde im Notdienst von Leuten aufgesucht, die wirklich sehr kreative Geschichten erzählten um an ihre Schmerz- Beruhigungs- oder Kodeintabletten oder Tropfen zu kommen. Nach einiger Zeit kannte ich die Spielchen. Ich bin dann immer gegangen oder habe die Leute weggeschickt mit der Bemerkung dass ich nicht zuständig bin für Ihr Suchtproblem, schon gar nicht im Notdienst. Außerdem seien Entzugssymtome zwar unangenehm aber nicht gefährlich. Waren dann zwar frustriert aber vielleicht eher bereit, sich mal eine Lösung für Ihre Sucht auszudenken.
#4 am 22.07.2015 von Gast
  9
Gast
Ich bin zwar eigentlich ein Verfechter von Datenspeicherung auf Krankenkassenkarten, aber hierbei finde es dass es ein angemessenes Mittel wäre.
#3 am 22.07.2015 von Gast
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Gast
Lieber just2deep4me, ich glaube, dass - wie Ihr Name schon sagt - die Materie leider zu "tief" für Sie ist! Wenn man nichts Kompetentes oder wenigstens Durchdachtes einbringen kann, sollte man lieber gar nichts sagen! Die Ärztin hat vollkommen richtig gehandelt!!!
#2 am 20.07.2015 von Gast (Mitarbeiterin Industrie)
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just2deep4me
[Kommentar von der Redaktion entfernt.]
#1 am 20.07.2015 (editiert) von just2deep4me (Gast)
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